Wehrführer Marc Ritzkat (vorne) mit den Kameraden Lars Eggers und mit Spreizer in Händen Normen Sturm (r.) vor einem von zwei Einsatzfahrzeugen. Foto: wit
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Freiwillige Feuerwehr Fischbek: Gut 50 Einsätze im Jahr, 33 aktive Mitglieder und keine Nachwuchssorgen

Wolfgang Wittenburg, Süderelbe
Sonntag, 6.30 Uhr: Marc Ritzkat (35) aus Fischbek ist mit Frau und Kindern zur Taufe des Kindes eines guten Freundes eingeladen. Die Vorfreude  ist groß. Zuerst soll es gemeinsam in die Kirche, später zur Familienfeier gehen. Aber Ritzkat ist auch ehrenamtlicher Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Fischbek.
Gerade als er an diesem Sonntagmorgen unter der Dusche steht, meldet sich sein „DME“ (Digitaler Melde-Empfänger), unter Feuerwehrlern kurz „Pieper“ genannt. „Technische Hilfeleistung, Menschenleben in Gefahr!“ ist im Display zu lesen! Dass seine Ehefrau die Augen verdreht, kriegt Marc Ritzkat nur noch nebenbei mit, denn sofort greift die Routine: Er zieht sich flugs an, fährt mit dem Pkw zur Feuerwache, die er wie sieben von insgesamt 33 anderen Kameraden in vier bis sechs Minuten erreicht. Ritzkat: „Wir ziehen uns dort um, sitzen Minuten später im Fahrzeug und sind auf dem Weg.“
Immer, wenn bei einem Helfer der „Pieper“ geht, ist zuvor bei der Einsatz-Zentrale der Hamburger Feuerwehr in der Wendenstraße ein Notruf eingegangen. Von dort alarmiert der so genannte „Call-Taker“ die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr vor Ort. Drei Einsatz-Kategorien gibt es: Feuer, kleines Feuer oder Technische Hilfeleistung, Menschenleben in Gefahr. Über den besagten Sonntagmorgen sagt Marc Ritzkat: „Der Anblick am Unfallort war nicht schön, eine Person war unter eine S-Bahn geraten. Zum Glück konnte das Unfallopfer schwerverletzt gerettet werden.
Danach ging es für mich mit Familie zwar knapp, aber noch rechtzeitig zur Taufe – nur fürs Duschen hat die Zeit nicht mehr gereicht“.
Rund 50 Mal im Jahr wird die FF Fischbek zu Einsätzen gerufen.
Marc Ritzkat und seine 32 Kameraden sind nicht in den Tagesdienst eingebunden. Ihr Dienst beginnt wochentags immer erst um 17 Uhr und endet um 7 Uhr. An Wochenenden und Feiertagen ist die FFF immer im Einsatz.
Seit acht Jahren ist Marc Ritzkat Wehrführer in Fischbek, Lars Eggers (30, Kfz-Technikmeister) ist sein Vertreter. Normen Sturm (42, Produkt-Ingenieur) kümmert sich speziell um die im letzten Dezember gegründete Jugendfeuerwehr, in der elf Kinder zwischen zehn und 13 Jahren aktiv sind. Ritzkat, Eggers und Sturm sind bereits im Kindesalter mit zehn oder elf Jahren zur Jugendfeuerwehr gegangen – was motiviert die Feuerwehrmänner über all die Jahre stets neu?
„Kein Einsatz ist wie der andere“, sagt Lars Eggers. Und Normen Sturm ergänzt: „Helfen, Kameradschaft und die Freude an der Sache.“ Wehrführer Ritzkat sagt: „Es ist immer wieder ein positives Gefühl, anderen geholfen zu haben und dafür kriegen wir auch Dank.“
Gibt es in Fischbek ausreichend Feuerwehrmänner? „Wir haben in den letzten Jahren erheblichen Zulauf gehabt. Nachwuchs-Sorgen haben wir bisher keine. Unser Altersdurchschnitt liegt bei 31 Jahren“, sagt Ritzkat. Ältester aktiver Feuerwehrmann ist Gerd Eggers mit 57 Jahren, der jüngste Jannis Greve (21). Die FF Fischbek ist fast eine reine Männertruppe. Feuerwehrfrauen gab es mal vier, derzeit macht ein Mädchen in der Jugendgruppe mit.
Wer bei der FF Fischbek oder der Jugendfeuerwehr mitmachen möchte, erhält unter Tel. 701 33 89 sowie per E-Mail an info@ff-fischbek.de mehr Infos. Die Mitglieder treffen sich alle 14 Tage donnerstags in der Feuerwache am Fischbeker Weg 28: immer in geraden Wochen um 19 Uhr. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr kommen freitags um 18 Uhr zusammen.
Hintergrund
Die Hansestadt verfügt über 86 Dienststellen der Freiwilligen Feuerwehr (FF). Insgesamt engagieren sich hier etwa 2.500 Ehrenamtliche. In Hamburg untersteht die FF der Innenbehörde.
Zu den Aufgaben der FF zählen die Unterstützung der Berufsfeuerwehr bei Bränden, bei der Notfall- sowie Wasserrettung, und wenn etwa technische Hilfe gefordert ist. Außerdem werden die Mitglieder im Katastrophendienst (etwa Hochwasser) eingesetzt. Einige Hamburger Wachen werden aufgrund ihrer Ausstattung mit Sonderaufgaben (Wasserversorgung, Bergung, Dekontamination) betraut.
Derzeit gibt es hamburgweit 58 Jugend- und vier „Mini“-Feuerwehren.
Wer mitmachen möchte, muss jünger als 60 Jahre sein, denn der aktive Dienst endet üblicherweise mit dem 60. Geburtstag. Die Ausbildung umfasst eine theoretische und praktische Grundausbildung in Feuerwehrtechnik, Fahrzeug- und Gerätekunde, technische Hilfeleistung und Sanitätsdienst. Die Ausbildung geht über 120 Unterrichtstunden und endet mit der sogenannten „Truppmannprüfung“.  Weitere Ausbildungen im Bereich Kraftfahrzeuge, Sanitätsdienst oder auch Deichverteidigung sind möglich. CVS

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