Versteckt im Grünen finden nicht nur Skater und Künstler einen selbst geschaffenen Ort des Austauschens unter der Brücke am Ernst-August-Kanal. Foto: Moritz Freimuth
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Für das Gebiet um die Anlage am Ernst-August-Kanal wird ein neuer Bebauungsplan entwickelt

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg

Nach fast zwei Jahren Arbeit wurde Mitte Mai mit dem Skate-Bowl endlich das vorerst letzte Element der selbstgebauten Skateanlage auf der Grünfläche am Ernst-August-Kanal fertiggestellt. Erbaut von Mitgliedern der Initiative Viva con Crete und des jungen Vereins für Skateboardkultur. Doch der Outdoor-Skatepark hat ein Ablaufdatum. Am 18. Oktober endet die Patenschaft des Vereins für die Fläche.

Hier kann eine echte Sehenswürdigkeit entstehen
Janwillem van de Loo,
KGV Schulzens Eck

Ob die Anlage danach erhalten bleiben kann, ist unklar. Der Bebauungsplanentwurf sieht an dieser Stelle einen Grünstreifen vor. „Wir befinden uns hier in einem laufenden B-Plan-Verfahren. Zum jetzigen Zeitpunkt sind daher noch keine verbindlichen Aussagen möglich“, sagt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland.

Hintergrund: Die ehemalige Wilhelmsburger Reichsstraße wird zurückgebaut, das Gelände überplant. Unter der Reichsstraßen-Brücke haben die Skateboard-Aktivisten ihre ersten Rampen gebaut. Die Brücke bietet einen Regenschutz, der an keinem anderen Outdoor-Skatepark Hamburgs zu finden ist.

Treffpunkt der Skateboard-Szene

„Sämtliche Arbeiten wurden von rund 50 Freiwilligen aus der Skateboard-Szene durchgeführt und mehr als 12.000 Euro, die durch Einnahmen von Partys, Ausstellungen und privaten Spenden gesammelt wurden, stecken in den Rampen und der Gestaltung des Ortes“, sagt Julia Ricarda Reusing vom Verein für Skateboardkultur. „Viele haben dort gelernt, Verschalungen zu bauen, mit Beton zu arbeiten und die Rampen anschließend zu skaten.“ Der Skaterpark hat sich längst zu einem Treffpunkt der Skateboard-Szene entwickelt – der wegen des drohenden Abrisses der Brücke und des Endes der Patenschaft für das Gelände vor dem Aus steht.

Um dieses Szenario zu verhindern, hat der Verein für Skateboardkultur ein Raumkonzept entwickelt und bei der Planungsbehörde eingereicht. „Wir alle wünschen uns hier einen offenen Ort, einen Skatepark, der willkommen heißt und Raum für Zusammenkünfte bietet.

Ein Ort, der die Menschen aus der bestehenden und sich neu entwickelnden Nachbarschaft und auch die der anderen Elbseite einlädt und eine ganz andere, neue Erfahrung einer Kultur des Skatens, des Mitwirkens und der Gemeinschaft bietet“, beschreibt Julia Ricarda Reusing.

Einen Nachbarn haben die Skater bereits von ihrem Vorhaben überzeugt: Janwillem van de Loo, den Vorsitzenden des benachbarten Kleingartenvereins 712 Op Schulzens Eck. „Hier kann eine echte Sehenswürdigkeit entstehen“, kommentiert er begeistert. „Erfolgreich umgenutzte Brücken in Weltstädten wie New York und Barcelona zeigen das. Und hier wäre eine kreativ umgenutzte Autobahn, der Skatepark und Kleingartenverein eine in der Tat außergewöhnliche Kombination!“

Den aktuellen Sachstand fasst Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland zusammen: „Zurzeit prüft das Fachamt für Stadt-und Landschaftsplanung gemeinsam mit dem Fachamt Management des öffentlichen Raumes und der IBA einen Umgang mit dem bestehenden Skatepark im Kontext der aktuellen Fachplanungen und spezifischen Rahmenbedingungen.“

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