Gefährlich: Als Radfahrer mitten im dichten Verkehr in der unübersichtlichen Fährstraße stellt sich schnell ein mulmiges Gefühl ein. Foto: pr

Initiative Autokorrektur will die Fährstraße für Radfahrer sicherer machen

Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg

Auf einmal ist er da – ohne Vorwarnung und lange Bauarbeiten: In der viel befahrenen Fährstraße konnten Radfahrer kürzlich testen, wie es sich anfühlt, auf einem abgetrennten Radweg geschützt vor Autos und Lastwagen unterwegs zu sein. Für den übrigen Verkehr musste zwischen dem Kreisverkehr an der Veringstraße und Georg-Wilhelm-Straße solange eine Fahrspur reichen. Mit der Aktion will die Initiative Autokorrektur testen, ob ein Radweg an dieser Stelle eine gute Idee wäre.

Parkende Autos blockieren einen
der beiden Fahrstreifen und
machen die Fährstraße unübersichtlich
Jonathan Deupmann,
Ini Autokorrektur

Tatsächlich muss der fließende Verkehr in der Einbahnstraße ohnehin meistens mit einer Spur auskommen. Denn die rechte Spur ist meist zugeparkt, sagt Jonathan Deupmann von der Autokorrektur. „Zahlreiche parkende Autos blockieren einen der beiden Fahrstreifen, stören damit den Verkehrsfluss und machen die Fährstraße unübersichtlich.“ Die vielen Radfahrer könnten die Straße bisher nur mit Angst benutzen. Denn einen Radweg gibt es bisher nicht.

Die Wilhelmsburger Initiative hat eine Idee aufgegriffen, die – vor allem seit dem Beginn der Coronakrise und dem Umsteigen vieler von Auto, Bus und Bahn auf das Rad – in vielen Städten ausprobiert wird: „Pop-Up“-Radwege, bei denen auf einer Autospur ein temporärer und verhältnismäßig sicherer Radweg eingerichtet wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hatte für eine Strecke an der Alster kürzlich gezeigt: Der Verkehr wurde durch den zusätzlichen Radweg nur wenig behindert. Allerdings fand der Versuch statt, als während der ersten Zeit der Coronapandemie wenig Verkehr auf den Straßen war.

Inzwischen hat Verkehrssenator Anjes Tjarks hat die Idee aufgegriffen, um die Verkehrswende vom Verbrennungsmotor zu umweltfreundlicheren Fortbewegungsmitteln für die Hansestadt hinzukriegen.

„Pop-Up-Bikelanes“ heißen die städtischen Radstreifen offiziell. Der erste wurde am vergangenen Sonntag am Schlump eröffnet. Insgesamt hat Verkehrssenator Tjarks im Koalitionsvertrag den Hamburgern 60 bis 80 km neue Radwege pro Jahr versprochen.

Wie viele davon in Wilhelmsburg gebaut werden, ist noch unklar. Immerhin: Die „Veloroute 10“, ein Radschnellweg, verläuft von der Hamburger Innenstadt über Wilhelmsburg bis nach Neugraben und soll bis 2025 ausgebaut sein.

In Berlin hat das Verwaltungsgericht jetzt in einem Eilantrag entschieden, dass die dortigen Pop-Up-Radwege bei den vor- liegenden Voraussetzungen rechtswidrig seien. Es fehle an einer ganz konkreten Gefahrenlage. Ob dieses Urteil Auswirkungen auf Hamburg hat, ist ungewiss.

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