Özkan Özden (l.) und sein Nachbar Mustafa Oruc züchten auf ihrer Parzelle im Kleingartenverein am Neuländer Weg eine spezielle türkische Taubenart. Jetzt müssen die Tiere weg. Foto: sl
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Streit im Kleingartenverein am Neuländer Weg

Sabine Langner, Hamburg-Süd

Özkan Özden versteht die Welt nicht mehr: Seit sieben Jahren hat er eine Parzelle im Kleingartenverein am Neuländer Weg gepachtet. Seit drei Jahren züchtet der 51-jährige Harburger hier Tauben. Zurzeit sind es 14 Stück.

Die Tiere laufen durch den Garten, picken Körner, fliegen ab und zu ein paar Meter hoch, machen eine Rolle rückwärts in der Luft, kommen wieder auf die Erde und picken weiter. Abends gehen die Vögel wieder in ihren Stall. Diese besondere Taubenart macht keine Anstalten, wegzufliegen oder mal einen Besuch im Nachbargarten zu wagen.

Trotzdem sollen die Tiere jetzt weg. Diese Aufforderung bekam Özkan Özden jetzt vom Vorstand seines Kleingartenvereins. Auch sein Nachbar Mustafa Oruc soll seine Tauben abschaffen.

„Es gibt hier Nachbarn, die seit 20 oder 30 Jahren Tauben züchten“, berichtet Özkan Özden empört. „Die können bleiben. Jedenfalls hat der Nachbar keine Aufforderung bekommen. Es steht zwar im Pachtvertrag, dass Tierhaltung hier in den Gärten verboten ist, aber es gibt hier jede Menge Katzen und Hunde – die müssten dann doch auch weg, oder nicht? Es muss doch gleiches Recht für alle gelten.“

Der hat ein Gewohnheitsrecht.
Annegret Hämmerling,
Vorsitzende KGV

Im Prinzip ja, sagt auch Annegret Hämmerling, Vorsitzende des Kleingartenvereins „Zubringerstraße e.V. 728“ Hamburg-Neuland. „In den Vereinsstatuten steht klar und deutlich, dass jegliche Tierhaltung mit Ausnahme von Bienen im Kleingarten untersagt ist“, erläutert sie.

Seit 2016 verbietet eine neue Vereinsordnung ganz ausdrücklich auch das Halten und Züchten von Tauben. Allerdings sei es tatsächlich so, dass es in dem Verein ein Mitglied gibt, der seit 26 Jahren Tauben auf seiner Parzelle züchtet. „Vor 26 Jahren gab es diese Regeln noch nicht“, so die Vereinsvorsitzende weiter. „Der hat ein Gewohnheitsrecht. Alle anderen müssen leider ihre Tauben wieder abschaffen. Bei uns betrifft das drei Mitglieder.“

Dirk Sielmann, Geschäftsführer des Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg, gibt Annegret Hämmerling recht. „Das Bundeskleingartengesetz besagt deutlich, dass die Haltung und vor allem das Züchten von Kleintieren nicht erlaubt ist. Wir sind gerade dabei, für ganz Hamburg zu prüfen, ob es in den alten Akten noch Genehmigungen von den jeweiligen Bezirksämtern gibt. In diesen Fällen könnten die Pächter, die schon lange ihre Tauben züchten, sich auf ein Gewohnheitsrecht berufen. Aber neue Genehmigungen wird es nicht geben“, so Dirk Sielmann.

Auch das Argument, dass andere ihre Hunde und Katzen im Garten halten, kann er entkräften: „Diese Pächter nehmen ihre Haustiere ja abends auch wieder mit nach Hause. Züchten dürften die auf gar keinen Fall.“

 

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