Fahrzeug lüften und desinfizieren – und das vor jeder Fahrt: Das gehört auch für Fahrlehrer Michael Zerfowski zum Pflichtprogramm. Foto: ml
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Nach Schließung im Frühjahr haben Fahrlehrer jetzt richtig zu tun

Maren Langenbach, Hamburg-West

„Eins, zwei, drei, das war’s schon. Ganz schön wenig, aber so sind derzeit die Vorschriften“, sagt Michael Zerfowski schulterzuckend während er sich in dem kleinen Schulungsraum seiner Fahrschule in Lurup umsieht. Der 52-Jährige hat schon einmal die Stühle für den abendlichen Theorieunterricht zurecht gerückt, gemäß dem vorgeschriebenen Mindestabstand, versteht sich. „Vor Corona haben wir hier ungefähr 15 Schüler gleichzeitig geschult. Gemäß der heutigen Hygienevorschriften dürfen es, da unser Raum so klein ist, pro Unterrichtseinheit nur drei sein.“

Seinen Standort in der Elbgaustraße hat er gleich ganz geschlossen gelassen. „Zu klein, da könnte ich immer nur einen Schüler schulen.“ Unterrichtet wird in festen immer gleich bleibenden Gruppen, um, für den Fall, dass jemand aus der Gruppe sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, den Kreis der Kontaktpersonen schnell ermitteln und informieren zu können. Überdies tragen die Teilnehmer auf den Laufwegen Masken, dürfen diese jedoch, während sie auf ihrem Stuhl sitzen, abnehmen. Wer die Theoriestunde absagen muss, muss dies rechtzeitig und schriftlich tun.

Wir können nun viel weniger Schüler aufnehmen als früher, da die Gruppen sehr viel kleiner sind. Die laufenden Kosten bleiben aber die gleichen. Ein zweiter Lockdown wäre für mich bitterernst Michael Zerfowski

Diese Verordnungen gelten für alle Fahrschulen in Hamburg, seitdem diese, nach fast zwei Monaten Zwangsschließung am 18. Mai wieder öffnen durften. Michael Zerfowski, der vor 20 Jahren die Fahrschule von seinem Vater übernommen hat, kann die Maßnahmen zwar nachvollziehen, sie bereiten dem gelernten Bäcker jedoch schon Kopfzerbrechen. „Wir können nun viel weniger Schüler aufnehmen als früher, da die Gruppen sehr viel kleiner sind. Die laufenden Kosten für Fahrzeuge und Versicherung bleiben aber die gleichen, das ist schon schwierig. Ein zweiter Lockdown wäre für mich bitterernst. Meine Rücklagen, die meine Altersvorsorge sein sollten, sind durch den ersten Lockdown aufgebraucht.“

Weitere Zwangspause wäre schwierig für Fahrschüler

Wie alle Fahrschulen schloss Zerfowski seinen Betrieb vom 23. März bis zum 18. Mai. Für sein fünfköpfiges Team beantragt er Kurzarbeit, schießt eigenes Geld hinzu, damit seine Leute über die Runden kommen.

„Das Soforthilfe-Geld aber habe ich bis heute nicht bekommen“, sagt er. Auch Bettina Netzow, Fahrlehrerin und Inhaberin der Fahrschule Fölck/Netzow in Osdorf, hat Angst vor einem zweiten Lockdown: „Wir halten uns streng an alle Hygienemaßnahmen. Das erhoffen wir uns auch von allen Kollegen, schließlich will keiner ein weiteres Mal schließen“, so die Geschäftsfrau, die die Fahrschule von ihrem mittlerweile 91-Jährigen Vater Fritz Fölck übernommen hat. Eine weitere Zwangspause wäre auch für die Fahrschüler schwierig, die sich just im Frühjahr zur Prüfung angemeldet hatten, jetzt ein Jahr Zeit haben, die Prüfung nachzuholen. Denn: „Derzeit gibt es einen regelrechten Run auf die Fahrschulen.“

Der „Erste Hilfe-Kurs“ oder der Sehtest müssen coronabedingt erst einmal ausfallen. Wer einen Motorrad-Führerschein erwerben möchte, absolviert die Fahrstunden mit eigener Schutzkleidung, ist auf den Seiten der Fahrschulen zu lesen. Und auch für den Theorieunterricht müssen sich Neulinge hinten anstellen. „Wir können erst im Oktober neue Fahrschüler aufnehmen“, betont Bettina Netzow. „Corona verlangt uns allen viel ab“

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