Von den bislang in Hamburg 6.082 an Corona Erkrankten gelten 5.300 als geheilt. Foto: panthermedia
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Olaf Zimmermann, Hamburg. Seit Ende der Sommerferien läuft in Hamburg das Experiment „Normaler Schulunterricht in Zeiten der Pandemie“. Masken- und Abstandsregeln gelten eingeschränkt. Seitdem wurden in Schulen 69 Corona-Infektionen festgestellt: 63 bei Schülern, 6 bei Schulbeschäftigten. In Hamburg gibt es rund 200.000 Schüler.
Aktuell stehen (Stand 24. August) an der Stadtteilschule Wilhelmsburg der gesamte Jahrgang 9 (sieben Klassen!) sowie eine achte Klasse unter Quarantäne. „Dort werden intensive Reihentestungen durchgeführt“, teilte die Schulbehörde mit. Quarantäne gilt außerdem für jeweils eine Klasse an der Stadtteilschule Bergstedt und der Bugenhagenschule Alsterdorf.
In Hamburg wurden in den vergangenen sieben Tagen 184 neue Corona-Infektionen festgestellt (Stand 23. August). Erst wenn dieser Wert auf 900 klettert, müssen weitere Beschränkungen eingeführt werden.
Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind insbesondere Reiserückkehrer für den aktuellen Anstieg der Corona-Infektionszahlen verantwortlich. Aber auch in Altenheimen, Krankenhäusern, bei Familienfeiern und Gottesdiensten habe es Corona-Ausbrüche gegeben. „Dieser Trend ist sehr beunruhigend“, teilte das RKI mit.
Gibt es verbindliche Regeln innerhalb Hamburgs, wann Schüler getestet, wann Klassen getestet oder in Quarantäne gesteckt werden müssen, oder entscheidet jedes bezirkliche Gesundheitsamt hier in eigener Regie? Dazu sagt die Sozialbehörde: „Das jeweils zuständige Gesundheitsamt prüft jeden Einzelfall, insbesondere mit Blick auf Kontaktpersonen und damit verbundene Risiken und trifft dann alle notwendigen Entscheidungen eigenständig. Die Hamburger Gesundheitsämter ergreifen alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, um ein Infektionsgeschehen an Schulen zu verhindern. Wenn zum Beispiel konsequent Mund-Nasen-Bedeckungen getragen und die Abstände eingehalten werden, ist es möglich, dass sich nicht eine ganze Klasse in Quarantäne begeben muss.“
Seit Wochenbeginn gilt: Wer ohne korrekt sitzende Mund und Nase bedeckende Maske in HVV-Bahnen und Bussen oder auf dem Bahnsteig angetroffen wird, muss 40 Euro zahlen. Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder unter sieben Jahren und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nachweislich von der Pflicht befreit sind.
Bürgermeister Peter Tschentscher möchte die bundesweit unterschiedlichen Corona-Regeln vereinheitlichen. Sein Hauptanliegen ist vor allem die Einführung einer verbindlichen Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten.

Nachgefragt bei der Bürgerschaftsabgeordneten Dr. Gudrun Schittek (Gesundheitsexpertin der Grünen):

Zwei Fragen an Dr. Gudrun Schittek, Gesundheitsexpertin der Hamburger Grünen: Warum wird, wenn ein mit Corona infizierter Schüler am Unterricht teilgenommen hat, nicht automatisch dessen gesamte Schulklasse getestet? Gudrun Schittek: „In der Schule gelten die gleichen Maßstäbe für Risikobegegnungen wie an anderen Orten. Gleichzeitig sind Schulen ein besonders sensibles Umfeld. Es ist deshalb ausdrücklich vorgesehen, dass über die übliche Kontaktverfolgung hinaus ganze Lerngruppen beim Auftreten einer Infektion getestet werden. Das örtliche Gesundheitsamt steuert die Maßnahmen an den Schulen in jedem Einzelfall. Ich halte dieses Vorgehen für richtig. So wird sichergestellt, dass in Schulen im Zweifel eher zu viel als zu wenig getestet wird.

Busfahrer, die Kinder zur Schule und wieder nach Hause fahren, können sich nicht kostenlos auf Corona testen lassen – anders als pädagogisches Personal. Das Gleiche gilt für das Personal in Schulmensen. Wird hier an der falschen Stelle gespart? Gudrun Schittek: „Die anlasslose freiwillige Testung ohne Krankheitssymptome oder Risikokontakte kann Ansteckungsrisiken nicht systematisch reduzieren. Deshalb wird sie nur begrenzt als Instrument eingesetzt und finanziert. Dem pädagogischen Personal wurde diese Möglichkeit eingeräumt, damit sich die Lehrkräfte bei aufkommender Sorge vor Ansteckung schnell vergewissern können, dass sie nicht infiziert sind. Der pädagogische Kontakt ist enger als bei anderen Arbeiten im Schulbetrieb und die Sorge vor Ansteckung kann auch die Qualität der Arbeit beeinträchtigen.
Bei der Arbeit in Kantinen oder bei der Beförderung von Kindern ist das anders. Wenn es in diesen Bereichen Infektionsherde geben sollte – wofür wir bisher keine Hinweise haben – dann wären systematische Tests sinnvoll.“

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