Hofft, sein Reisbüro erfolgreich durch die Krise führen zu können: Hakan Bakar, Betreiber des „RSO Partner Reisebüro“ in Eimsbüttel. Foto: Maren Langenbach
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Nur langsame Erholung nach Lockdown – erneute Reisewarnung für Spanien trifft die Branche wieder hart: Umsätze sinken um rund 80 Prozent

Maren Langenbach, Hamburg-West

Nachdem viele Unternehmen und Geschäfte die Hoch-Zeit der Coronakrise glimpflich überstanden haben oder zumindest sich langsam wieder auf Normalbetrieb hocharbeiten, bleibt die Lage für Reisebüros weiterhin schwierig. Viele in der Branche sehen sich als Verlierer der Krise und von staatlicher Seite im Stich gelassen.

Matthias Wendel, Inhaber des „Lokstedter Reisepavillon“ hat alle Hände voll zu tun. Doch leider nicht mit dem, was seit 32 Jahren seine Passion ist und sein Einkommen sichert: Reisen an Kunden vermitteln, die mit dem 52-Jährigen die Leidenschaft für neue Länder und Kulturen teilen. Statt dessen ist der Reiseverkehrskaufmann weiterhin mit den Auswirkungen der Coronakrise beschäftigt, mit Reisestornierungen oder Umbuchungen.

„Nachdem die Corona-Infektionen  aus China, Thailand und schließlich ganz Asien immer bedrohlicher wurden, war schnell klar, dass es uns als Reisebranche schwer treffen wird“, erinnert sich der Experte an die Anfänge der Coronakrise in Deutschland. „Als dann bekannt wurde, dass die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts immer mehr Länder in Europa betrafen, brach bei uns das Geschäft vollständig zusammen. Es wurden keine neuen Reisen mehr verkauft, nur noch bestehende storniert oder umgebucht. Der Beratungsaufwand war enorm.“

Im Lockdown hielten er und sein Team telefonisch weiter Kontakt zu den Kunden, organisierten deren Rückreise aus dem Ausland nach Deutschland, beantworteten viele Fragen zur aktuellen Situation. „All dies wurde ohne Vergütung geleistet. Auch unsere erwirtschafteten Provisionen mussten wieder zurückgezahlt werden oder wurden erst gar nicht ausgezahlt.“ Seitdem das Reisen wieder möglich ist, verzeichnet die Branche langsam mehr Verkäufe. Und dennoch: Im Vergleich zum Vorjahr sinken die Umsätze der Reisebüros um rund 80 Prozent.

Ich frage mich jeden Tag, ob mein Reisebüro diese Krise übersteht.
Hakan Bakar,
Partner Reisebüro

Dass die Mehrzahl der Deutschen weiterhin Bedenken hat, eine Reise ins Ausland zu buchen, merkt auch Uwe Kratz, Inhaber des Luruper Homeoffice-Reisebüros „Hanno Travel“: „Seit Mitte März hatte ich so gut wie keine Verkäufe. Glück im Unglück ist, dass ich allein und von zuhause aus arbeite, so sind die Kosten überschaubar“, erzählt der 56-Jährige, der sich auf Fernflugtickets, etwa nach Brasilien oder Südamerika, spezialisiert hat.

Den derzeitigen Trend der Deutschen, im eigenen Land Urlaub zu machen, kann Kratz daher nicht gewinnbringend für sich verbuchen, zumal die meisten Urlauber direkt über das Hotel oder die Ferienwohnung buchen würden, so der Experte. „Seit März lebe ich von meinem Ersparten. Aber ich denke positiv, da ich überregional Stammkunden habe, die wieder Flüge buchen werden. Normalisieren wird sich das Ganze jedoch erst, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus gibt.“

Aufatmen kann auch Hakan Bakar, Betreiber des „RSO Partner Reisebüro“ in Eimsbüttel nicht. „Wir haben schon viele Krisen gemeistert, wie etwa die Pleite von Thomas Cook im vergangenen Jahr“, weiß der Fachmann. „Diese haben wir Reisebüros abge- wickelt, die Krise war irgendwann überstanden. In Bezug auf Corona ist aber kein Ende in Sicht, diese Krise ist nicht einschätzbar. Für meine Branche ist einfach kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.“ Die Bundes-Soforthilfe für Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern von einmalig 9.000 Euro sieht Bakar als Tropfen auf den heißen Stein. „Der Betrag wird in Raten gezahlt, das reicht noch nicht einmal für die Miete.“ Wenn die Lage weiter so angespannt bleibt, wird es mehr und mehr Reisebüros geben, die Insolvenz anmelden müssen, fürchtet Bakar. „Die Stärke von uns Reisebüros ist die individuelle und persönliche Beratung unserer Kunden, das kann kein Online-Portal. Wir sind auch in Krisenzeiten für die Kunden da, helfen bei Stornierungen oder Umbuchungen, das ist der besondere kundennahe Service der Reisebüros.“

Seit ein paar Tagen gibt es eine Reisewarnung für ganz Spanien, mit Ausnahme der Kanaren. Ein weiterer Dämpfer für die Branche. Hakan Bakar: „Die Lage ist weiterhin schlecht, existenzgefährdend. Ich frage mich jeden Tag, ob mein Reisebüro diese Krise überhaupt übersteht.“

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