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Im Wochenblatt-Interview spricht Heimo Rademaker über die Gründe

Olaf Zimmermann, Harburg
Mit Hilfe von Spendenaktionen, Straßenkonzerten und dem Verkauf von Getränken sowie einem Barbetrieb wollte Heimo Rademaker Marias Ballroom auch während der Corona-Pandemie offen halten. Doch es hat nicht gereicht, der Einsatz war vergebens. Der kultige Musikklub im Phoenix-Viertel wird schließen. Aber nicht für immer. „Ich erhalte den Standort hier“, sagt  Rademaker. Das Wochenblatt sprach mit dem Ballroom-Chef.
Wann wird Marias Ballroom geschlossen? 
Am 21. August ist erstmal der letzte Tag für die Öffentlichkeit. Meine Minijobber muss ich nun nach fast sechs Monaten Krise entlassen.
Wie lange soll die Schließung dauern? 
– Bis ein Impstoff oder ein entsprechendes Medikament verfügbar ist, oder
– bis der Bund, das Land,
die Kulturbehörde entstehende
Kosten übernimmt: Löhne, Gagen, Gema, Künstlersozialkasse, Werbung,etc
Warum ziehen Sie die Reißleine?
Aus rein wirtschaftlichen Gründen, um die Betriebs- und Fixkosten zum Erhalt des Standortes auf ein möglichst geringes Niveau zu bringen. Mein Verlust ist inzwischen fünfstellig, vor der Krise hatte ich Rücklagen …
Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?
Sechs Minijobber trifft die Kündigung. Zwei Angestellte sind seit Mai in Kurzarbeit – und somit für mich wirtschaftlich händelbar.
War es nicht möglich, die laufenden Kosten durch Kneipenbetrieb und/oder Events unter freiem Himmel zu decken?
Nein, der erzielte Umsatz reichte nicht aus. Dieser Versuch, die Minijobber weiter zu beschäftigen, ging massiv nach hinten los.
Gab es ausreichend Unterstützung von der Stadt und/oder vom Bezirk? Oder fühlen Sie sich im Stich gelassen?
Von der Stadt oder gar dem Bezirk gab es noch keine finanzielle Hilfe für Marias Ballroom. Durch die schnelle Soforthilfe fühlte ich mich von Bund nicht im Stich gelassen.  Der Bezirk hat nichts von sich hören lassen, hätte mich aber auch gewundert. Scheinbar sind die privaten kleine Kultureinrichtungen in Harburg nicht so wichtig.
Die Überbrückungshilfe für Juli bis August von max. 80 Prozent deckt eben auch nur 80 Prozent der Fixkosten. Durch meine Teilöffnung in den Monaten Juli und bis zum 21. August generiere ich Einnahmen. Diese Einnahmen werden aber bei der Hilfszahlung angerechnet, und so erhalte ich für Juli nur 40 Prozent, für August wohl 60 Prozent. Dass ich aber auch Kosten für die Angestellten hatte, die aus den Einnahmen allein nicht gedeckt wurden, wird nicht ber
ücksichtigt. Hätte ich die Minijobber zum Juni gekündigt und nicht teilgeöffnet, hätte ich eine fast fünfstellige Summe gespart. Das ist echt der Hammer.
Welche Unterstützung hätten Sie denn zum Überleben benötigt?
Hier wäre es wünschenswert, wenn der Bezirk aushelfen könnte. Die Kulturbehörde Hamburg will nun Clubs wie den Ballroom vor Engpässen und Insolvenzen schützen. Das ist ein Anfang. Aber bis das immer läuft, vergeht viel Zeit. Ich als Privatperson überlebe erstmal bis Oktober mit Hilfe des Job-Centers. Ob es dann einen Folgeantrag gibt oder die Kulturbehörde eine Unternehmerlohn finanziert, ist offen.
Droht anderen Locations im Bezirk das gleiche Schicksal wie dem Ballroom?
Früher oder später schon, wenn die Kulturbehörde nicht hilft. Das Stellwerk ist ähnlich dran wie Marias Ballroom, sicher auch der Speicher am Kaufhauskanal. Ob KommDu oder Old Dubliner ohne Live-Betrieb als Bar oder Restaurant durchhalten können, kann ich nicht sagen.
Was werden Sie machen, bis Marias Ballroom wieder öffnen kann?
Wir werden einen Webshop mit Merchartikeln für Marias Ballroom aufbauen, vielleicht noch draußen etwas veranstalten oder als Mieter in größeren Hallen hin und wieder mal eine Veranstaltung streamen, mal schauen. Ansonsten beschäftigen mich meine drei Ehrenämter: Sprecher der suedkultur, Aufsichtsrat der Dreifalt-Genossenschaft und Vorstand im Clubkombinat Hamburg. Eventuell schaue ich mich nach anderen Geschäften um, bis die Krise überstanden ist.

 

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