Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg in ihrem Amtszimmer im Altonaer Rathaus. Foto: Bezirksamt Altona
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Altonas grüne Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg im Interview zu Altonale und Mountainbikern

Frau von Berg, als im Lockdown weniger Autos unterwegs waren, hatte die Initiative „Ottenser Gestalten“ eine naheliegende Idee. Die Anwohner schlugen in einem an Sie adressierten Brief temporäre Radwege vor. Was halten Sie davon?
Stefanie von Berg: Konkret ist es so, dass wir uns bei Pop-up-Bikelanes mit der Polizei absprechen, die sich die Lage sehr genau anschaut. Die Prüfungen haben ergeben, dass die Bikelanes derzeit nicht umsetzbar sind. Ich begrüße es aber sehr, dass der Verkehrssenator nun einige Pop-up-Bikelanes festgelegt hat.

Wie gefallen Ihnen die Pläne der Bahn für den Neubau der Sternbrücke?
Das ist ein riesiger Bau, den ich zudem nicht schön finde. Ich schaue mir nun an, wie die Bürgerschaft und der Senat entscheiden werden.

Wie hilft der Bezirk der Altonale und anderen Kultureinrichtungen?
Im Bereich Stadtteilkultur arbeiten wir mit der Kulturbehörde zusammen. Für die Coronazeit fördert die Behörde Altona mit 290.000 Euro. Dabei ist die Förderrichtlinie bewusst weit ausgelegt, so dass Träger der Stadtteilkultur und sogar Musikclubs Förderungen beantragen können, wenn sie in Engpässe geraten. Wir unterstützen die altonale/das Festival STAMP mit einem großen Betrag sowie mit der Schaltung einer Anzeige im Programmheft. Zudem begleiten wir die „kleine altonale“ vom 10. bis 13. September mit einer professionellen Plakatierung zur „Altonaer Deklaration“. Wir versuchen die altonale sowohl finanziell als auch ideell zu unterstützen.

Im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ beklagen Sie abnehmenden Gemeinsinn der Hamburger. Das klingt desillusioniert.
Desillusioniert nicht. Die Gesellschaft ist dynamisch. Wenn sie sich in die eine Richtung verändert, kann sie sich auch wieder in eine andere Richtung verändern. Es ist auch nicht alles schwarz und weiß. In Zeiten von Corona habe ich auch viel Solidarität erlebt. Und die Hamburgerinnen und Hamburger haben sich auch in weiten Teilen sehr diszipliniert verhalten. Aber in den ersten acht Monaten im Amt habe ich viele Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern bekommen, die sich über Vermüllung und freilaufende Hunde beschweren. Und immer mit der Aufforderung: „Kümmern Sie sich!“ Es gibt Schilderungen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mir sagen, das Bäume beschädigt werden, weil Leute oft aus Unwissenheit unachtsam sind. So wie Mountainbiker im Lutherpark, die abseits der Wege fahren. Die Bäume überleben es nicht, wenn die Wurzeln beschädigt werden. Im Volkspark ist es genau das gleiche. Nach dem Motto: Ich will jetzt sofort meine Freiheit und meinen Spaß – was kümmert mich der öffentliche Raum?
Ich finde, man muss dafür sensibilisieren, dass dieser Raum uns allen gehört und nur lebenswert bleibt, wenn wir uns alle auch darum kümmern. Es ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe. Das „Ich“ wird wichtiger als das „Wir“. Das ist keine gute Entwicklung und der Staat soll es dann richten.

Anderseits sieht man in vielen Straßenecken des Bezirks Beete, um die sich Nachbarn kümmern, ohne nach dem Bezirksamt zu rufen.
Das ist super. Wie ich sagte, es ist nicht alles schwarz und weiß. Wir lassen uns nur melden, wer welche Beete betreut – eine Mail oder ein Anruf genügen! (Genauer unter Tel. 428 11 61 04 oder MR@altona.hamburg.de)

Frau von Berg, vor ihrem Start hörte man von den Grünen, dass Sie sich als Bezirksamtsleiterin für höhere Aufgaben vorbereiten.
Oh, da wissen Sie mehr als ich.

Sie lachen, wurden aber im Herbst durchaus als mögliche Bildungssenatorin gehandelt. Glich der Start in Altona dennoch einem Sprung ins kalte Wasser?
Ach, so kalt war das Wasser gar nicht. Das Gute war, dass ich bereits vorher 15 Jahre Führungserfahrung gesammelt hatte, dazu Verwaltungserfahrung, politische Erfahrung und regelmäßig mit Medien zu tun hatte. Dadurch, dass ich viele Jahre in der Hamburger Landespolitik war, habe ich mir einen guten Rundumblick über viele Dinge, mit denen ich jetzt zu tun habe, verschaffen können. Ich kenne den Algorithmus von Politik und Verwaltung. Und es hat mir geholfen, sowohl in der Oppositions- als auch der Regierungsrolle tätig gewesen zu sein. Mir hat Kersten Albers bereits vor dem Start sehr geholfen, der lange Jahre als stellvertretender Bezirksamtsleiter tätig war. Aber als es dann losging am 2. Dezember, ging es sofort richtig los, eine Schonfrist gab es nicht. Von Tag eins an musste ich Entscheidungen treffen. Aber ich habe vier erfahrene Dezernentinnen und Dezernenten sowie viele kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mir zur Seite stehen, wenn ich etwas nicht weiß oder Beratungen bei der Entscheidungshilfe benötige.

Und dann kam die Corona-Pandemie.
Da war es gut, dass ich schon drei Monate im Amt war. Da wurde alles auf einmal ganz anders.

Altona hat die Federführung über die Hamburger Gesundheitsämter. Wie muss man sich das vorstellen?
Federführung bedeutet konkret in dieser Situation, dass wir den Kontakt zur Gesundheitsbehörde gepflegt haben beziehungsweise pflegen. Wir haben zusammen mit den Behörden und in enger Absprache mit den anderen Bezirksämtern den gesamten Personalaufwuchs, der für die Kontaktnachverfolgung von Infizierten wichtig war und ist, gesteuert. Wir haben, unterstützt von der Finanzbehörde, eine Taskforce gegründet und hier einen Sharepoint zum Controlling eingerichtet. Dort haben wir ständig überprüft: Wer hat wie viele Leute momentan an Bord, wo müssen wir noch nachsteuern? Wichtig war es, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und dann auch einzuarbeiten. Darunter waren viele Medizinstudierende, die wirklich Gold wert waren. Das war toll.

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