Kleintiere werden seltener aufgefunden, weil sie sich nicht bemerkbar machen können. Frettchendame Britney B. hatte Glück im Unglück: Eine aufmerksame Altonaerin brachte sie ins Tierheim. Foto: pr
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Tierschutzverein beklagt Skrupellosigkeit der Halter:  Ist der Urlaub wichtiger als der Hausgenosse?

Gaby Pöpleu, Hamburg-West
Sie heißen Tay, Britney oder Maya, werden erst umsorgt und ‘rausgeworfen, wenn der Urlaub naht: 156 vermutlich ausgesetzte Tiere wurden während der Hamburger Sommerferien im Tierheim Süderstraße aufgenommen. Dazu kommen 98 in den Ferien abgegebene Tiere – „eine bitttere Ferienbilanz“ stellt Sven Fraaß, Sprecher des Hamburger Tierschutzvereins HTV fest.
Seit dem Ferienbeginn wurden fünf Hunde, 64 Katzen, elf Kaninchen, ein Frettchen, 26 Ziervögel (darunter zwei Amazonen und ein Lori), zwei Hühner, ein Pfau, eine Hausgans, 27 Tauben (darunter ein Diamanttäubchen), 15 Schildkröten, zwei Axolotl (mexikanische Schwanzlurche) und eine Spinne gefunden, im Tierheim aufgenommen und von niemandem wieder abgeholt. Die niedrige Zahl der ausgesetzten Hunde ist auf die in Hamburg herrschende Chip-Pflicht zurückzuführen: Frühere Halter können darüber ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.
Zu den Ferienopfern gehört auch die Frettchendame Britney B., die in Altona aufgefunden wurde. Bis heute hat sie offenbar niemand vermisst oder nach ihr gefragt. Das Frettchen hatte starken Ohrmilbenbefall, zu lange Krallen und zum Teil schütteres Fell am Kopf. Inzwischen ist Britney wieder munter. „Gerade Kleintiere werden häufig wie Abfall entsorgt“, beklagt Fraaß. „Sie können sich nicht bemerkbar machen und verenden qualvoll.“
Auch die etwa eineinhalbjährige Katze Ella wurde in Altona in einem Transportkorb ausgesetzt. Bei der Aufnahme hatte Ella ein stark ausgebildetes Gesäuge. Das weist darauf hin, dass sie Nachwuchs hatte. Ob die Katzenkinder zu früh von ihrer Mutter getrennt wurden – ohne Ersatzmilch ein Todesurteil – oder auf andere Weise verstorben sind, ist unklar.
„Es ist immer wieder erschütternd, wie skrupellos Halter mit den ihnen anvertrauten Tieren umgehen“, sagt die Erste HTV-Vorsitzende Janet Bernhardt. Der Urlaub sei offenbar vielen wichtiger als ein Familienmitglied. Wer sein Tier nicht mehr versorgen kann oder möchte, sollte sein Haustier wenigstens im Tierheim abgeben. Wer die Halter der Tiere kennt, sollte sich unter Tel. 211 10 60 an den HTV wenden.
Das sagt das Gesetz
In Paragraf 3, Absatz 3, Tierschutzgesetz (TierSchG) steht: Es ist verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst vom Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen. dabei ist es egal, ob das Tier dadurch tatsächlich oder theoretisch in Gefahr geraten ist. Auch wer sein Tier am Tierheimtor anbindet, setzt es aus. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, zum Beispiel wenn das Tier stirbt, ist das sogar eine Straftat. Dann drohen bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.

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