Unzumutbar: Parkpätze, Radweg, Fußweg auf engstem Raum und in schlechtem Zustand in der belebten Max-Brauer-Allee auf Höhe des Bahnhofs Altona. Foto: fb
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Die Fahrradstrecke von Osdorf in die Innenstadt bleibt ein Problemfall

Frieder Bachteler, Hamburg-West

Das Velouroutennetz. Grafik: fhh

Das Hamburger Velorouten-Netz hat es bis in die Internet-Enzyklopädie Wikipedia geschafft: Es wird, heißt es da „seit den 1990er Jahren geplant und seither schrittweise ausgebaut. (…) Die Velorouten dienen dem schnellen Berufs- und Alltagsverkehr und sollen daher bei jeder Witterung und auch bei Dunkelheit gut benutzbar sein.“

Auch der neue grüne Verkehrssenator Anjes Tjarks, gefragt nach seinen Prioritäten, nennt in einem Interview mit der „tageszeitung“ vom 15. Juni 2020 beim Stichwort Fahrradverkehr an erster Stelle das Vorhaben „die Velorouten fertigbauen“. Er kann sich in dieser Schwerpunktsetzung bestätigt fühlen durch die aktuelle Entwicklung: Radfahren „boomt“, das nimmt man nicht nur auf den Hamburger Straßen wahr, das bestätigen auch die Verkaufszahlen der Fahrradhändler.

Nun ist die Prioritätensetzung „Velorouten“ kein neuer Einfall des Verkehrssenators. Bereits 2007 hatte der damalige CDU-Senat eine umfangreiche „Radverkehrsstrategie für Hamburg“ beschlossen, mit dem Ziel, dass die damals noch „Alltagsrouten“ genannten Velorouten „bis 2015 in einen komfortabel und sicher befahrbaren Zustand gebracht sowie mit einer einheitlichen Wegweisung versehen werden“ sollten.

Für den Bezirk Altona befasste sich im Herbst 2014 ein Expertenworkshop mit der Festlegung und dem Ausbau der Radwege im Bezirk Altona und kündigte die Umsetzung des Ausbaus an. In einer 2020 herausgegebenen Broschüre von Hamburg Marketing heißt es: „Ende 2020 wird der größte Teil vollendet sein. Die neue Beschilderung kommt bis zum Jahr 2021.“

Eine der 14 Strecken, die das Hamburger Velorouten-Netz vorsieht, ist die Veloroute 1. Die Streckenführung ist seit zwei Jahrzehnten im Prinzip klar, an einzelnen Stellen wurden über die Jahre leichte Veränderungen vorgenommen: Die Veloroute 1 führt vom Rathaus, mit einer Gabelung in Othmarschen, zum einen nach Rissen, zum andern in den Osdorfer Born. Auffällig und maximal ärgerlich ist dabei der Umstand, dass die Veloroute 1 in allen öffentlichen Verlautbarungen der Stadt wie auch des Bezirksamts Altona hartnäckig so beschrieben wird: „… beginnt in der Innenstadt, führt durch St. Pauli über Altona-Altstadt, weiter durch Ottensen, Othmarschen und Blankenese bis nach Rissen“; dass es den zweiten Endpunkt Osdorfer Born gibt, ist den Behörden keine Erwähnung wert. Mehrere schriftliche Rückmeldungen des Verfassers an das Bezirksamt haben hier keine Änderung bewirkt.

Da verwundert es nicht, dass für die Veloroute 1 zwar immer wieder Planungsworkshops und Baumaßnahmen angekündigt und durchgeführt werden, dass diese sich aber bisher stets ausschließlich auf den in der Stadtentwicklungsbehörde und im Bezirksamt bekannten Teil der Route beziehen – neueste löbliche Maßnahme ist der für dieses Jahr in Angriff genommene Ausbau des Rissener Zweigs von Goßlers Park bis Am Krähenberg.

Was aber tut sich auf der Strecke des anderen Zweigs? Zum zweiten Mal nach 2014 fuhren im Juni zwei im Osdorfer Born engagierte Radler die aktuelle Streckenführung der Veloroute 1 ab, um sich vom Stand der Dinge, gar von der nahen „Vollendung“ des Ausbaus ein Bild zu machen.

Im Zuge der Vervollständigung der Radwege an der Bornheide wurde im letzten Jahr die Kreuzung Bornheide/Rugenbarg fahrradfreundlich umgebaut! Ansonsten aber: nichts, gar nichts! Die Veloroute ist nur zu finden mit einer detaillierten Karte, es gibt nicht nur noch keine „neue Beschilderung“, es gibt auch keine alte, dafür gibt es Kantsteine und Lehmwege zu bewältigen und vieles andere. Erst wenn man die neue Fahrradstraße Chemnitzstraße erreicht und durchfahren hat, ändert sich die Situation und es finden sich Hinweisschilder – aber da ist man ja auch nicht mehr im Bezirk Altona …

Es gibt einige ungelöste Probleme der Veloroute 1, Osdorfer Zweig. Soll „Ende 2020 … der größte Teil vollendet sein“, gibt es noch viel zu tun! Wie heißt es nochmal im ersten Absatz der „Radverkehrsstrategie für Hamburg“ aus dem Jahr 2007? „Mobilität für alle ist in einer sich dynamisch entwickelnden Stadt wie Hamburg eine Grundvoraussetzung. Die Stärkung des Radverkehrs ist in diesem Kontext ein wesentliches Element, denn fast jede Bürgerin und jeder Bürger kann das Fahrrad als preisgünstiges, individuell und zeitlich flexibles Verkehrsmittel nutzen. Auch Kinder und ältere Menschen können sich in einer fahrradfreundlichen Stadt leichter und sicherer mit dem Rad bewegen. Eine radverkehrsfreundliche Verkehrsumwelt ist deshalb ein Beitrag zu einer besseren Lebensqualität und zu einer familienfreundlichen Metropole und damit auch ein wichtiger Standortfaktor für die ‚wachsende Stadt‘ Hamburg. Zudem dient ein stärkerer Radverkehr dem Klima und Umweltschutz.“

1 KOMMENTAR

  1. Die Velorouten greifen eh kaum. Zum einen sind sie oft durch Rechts vor Links Gegenden geführt. Und wenn sie mal bevorrechtigt sind, werden sie von Autofahrern genutzt um dem Stau auf anderen Straßen zu entgehen (z. B. Holländische Reihe als Umgehung der Elbchaussee) – dadurch steht man als Radfahrer dann mitten im Stau.. Von den vielen ungünstig geschalteten Ampeln ganz abgesehen…

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