Estesperrwerk. Foto: mag

Wirtschaftsbehörde will Ausnahmegenehmigung
zum Ausspülen von Schlick erteilen – Kritik vom BUND

 

Andreas Göhring, Süderelbe. Noch ist der Standort Neuenfelde der Pella Sietas Werft nicht gerettet, aber zumindest ist Land in Sicht. Auf Vermittlung von Wirtschaftsstaatsrat Andreas Rieckhof bekommt die älteste Werft Deutschlands eine Ausnahmegenehmigung zum Ausspülen von Schlick aus ihrem Hafenbecken in der Este-Mündung. Genau das hatte die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) monatelang untersagt. Die Befürchtung: Die aufgewirbelten Sedimente könnten sich an den Toren des Estesperrwerks festsetzen und verhindern, dass sich diese vollständig schließen lassen.
Für die Werft hatte das fatale Folgen: Monatelang konnte ein Baggerschiff für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wegen des Schlicks nicht an den Ausrüstungskai verholt werden.
HPA und auch die für den Hochwasserschutz zuständige Umweltbehörde verlangten, dass Sietas sein Hafenbecken ausbaggert. Kosten: sieben Millionen Euro. Das Ausspülen würde jeweils nur 100.000 Euro kosten.
So standen sich Werftchefin Natallia Dean, HPA und mehrere Behörden monatelang gegenüber, ohne dass sich etwas bewegte. In ihrer Not brachte Dean plötzlich die insolvente Flensburger Schiffbau-Gesellschaft FSG ins Gespräch. Sietas könnte die Werft und damit einen auch für größere Schiffe geeigneten Standort kaufen. Doch vor wenigen Tagen gab Investor Lars Windhorst bekannt, dass er die Werft mit reduzierter Belegschaft übernehmen und in Eigenregie weiterführen will. „Damit sind wir aus dem Rennen“, sagt Natallia Dean: „Wir würden in Flensburg nur einsteigen, wenn uns die Werft gehört.“
Die Probleme der Sietas-Werft hatte auch Gudrun Schittek, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen aus dem Wahlkreis Süderelbe, alarmiert. Immer wieder hatte sie Druck gemacht und alle Beteiligten in Gespräche gebracht. Vor allem aber hatte Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, mit krasser Kritik am „fehlenden Baggerkonzept der HPA“ Druck gemacht. Dieser monatelange Stillstand sei existenzbedrohend für die Werft. Nach dem von Staatsrat Rieckhof ausgehandelten Kompromiss verlangt er nun „grundsätzliche Konsequenzen“ für HPA.
Kritik kommt vom BUND. „Die jüngst vorgeschlagene Lösung für die Schlickprobleme der Pella Sietas Werft verstößt möglicherweise gegen die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie“, heißt es in einer Stellungnahme. Zu diesem Ergebnis kommt der BUND nach Auswertung der öffentlich zugänglichen Angaben zur geplanten Vorgehensweise. Die Pella Sietas Werft dürfe nicht eine einseitige Sonderbehandlung erfahren, die zulasten der Elbe gehe.

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