Abstand – nein danke. Vor zehn Tagen: Menschenmassen in der Großen Freiheit auf St. Pauli. Foto: André Lenthe Fotografie
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Abstands- und Hygieneregeln werden weniger beachtet – Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten – Schulen starten ab Donnerstag mit regulärem Unterricht

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Die Ruhe der vergangenen Wochen war trügerisch. Jetzt hat sich das Coronavirus zurückgemeldet – es war ja auch nie weg. Bundesweit sind die Infektionszahlen deutlich angestiegen. In Hamburg kamen in den vergangenen sieben Tagen 102 Fälle hinzu (Stand 3. August). „Wir sind mitten in einer sich rasch entwickelnden Pandemie“, sagte Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, das für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist.

Dabei spielen auch Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten eine Rolle. In Hamburg gilt: Wer aus einem Risikogebiet zurückkommt, muss sich unverzüglich 14 Tage in Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Von der Quarantäne kann nur mit einem anerkannten, negativen Testergebnis abgesehen werden.

Für Rückkehrer aus Risikogebieten steht am Flughafen ein Corona-Testzentrum bereit. Tests werden vom DRK im Auftrag der Stadt durchgeführt. Für Reisende entstehen keine Kosten.

„Wenn infizierte Reisende das Virus unbemerkt verbreiten, können sehr schnell viele Personen betroffen sein, ohne dass wir die Verbreitung eindämmen können“, erklärt Sozialsenatorin Melanie Leonhard. Bleibt die Frage, warum das Testzentrum nicht schon vor Wochen aufgebaut wurde.

Der Schulsenator fährt mit seinen Plänen ein hohes Risiko
Birgit Stöver (CDU),
Schulpolitische Sprecherin

Neue Infektionen gab es auch in Arbeitsstätten, auf Familienfeiern und in Altenheimen. RKI-Chef Wieler: „Wir müssen jetzt verhindern, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet.“

Das Problem: Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln werden immer nachlässiger gehandhabt, wie Bilder von feiernden Menschenmassen zeigen. Inzwischen hat der Senat die Zügel angezogen. In einigen Bereichen von St. Pauli und dem Schanzenviertel durfte am Wochenende kein Alkohol verkauft werden. In dieser angespannten Lage beginnt am morgigen Donnerstag, 6. August, für rund 200.000 Hamburger Schüler wieder der Schulalltag.

„Wir sind sehr nahe an dem schulischen Angebot, wie wir es von früher kennen“, erklärte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Gewagt wird das Experiment „Normaler Unterricht in Zeiten der Pandemie“.

Der Unterricht in der normalen, fest zusammengesetzten Schulklasse bildet das Kernelement des künftigen Schulbetriebs. Abstandsregel und Maskenpflicht gelten in den Schulen aber eingeschränkt. Außerhalb der Klassenräume müssen Lehrer und Schüler über zehn Jahren verbindlich Masken tragen.

„Der Schulsenator fährt mit seinen Plänen ein hohes Risiko“, warnt die Harburgerin Birgit Stöver, schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Jahrgangsstufen müssen getrennt werden, doch wie das gesichert funktionieren und wie die Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Erzieher nicht durchmischt werden sollen, bleibt unklar.“

Falls die Corona-Pandemie sich erheblich ausweitet, ist, so kündigte Schulsenator Rabe an, „nicht auszuschließen, dass der Präsenzunterricht wieder eingeschränkt werden muss.“

 

Testzentrum am Flughafen

Im Testzentrum am Flughafen können täglich bis zu 2.000 Menschen getestet werden.

Ist der Test freiwillig? Es handelt sich um ein übergangsweise eingerichtetes, zusätzliches Angebot der Stadt Hamburg. Ein Zwang zur Nutzung besteht nicht. Verpflichtend ist es, sich in Quarantäne zu begeben, solange kein negatives Testergebnis vorliegt.

Können sich im Testzentrum auch Personen testen lassen, die auf anderem Wege eingereist sind? Nein, das Testzentrum steht aktuell nur für Personen zur Verfügung, die unmittelbar zuvor per Flugzeug über den Flughafen Hamburg aus einem Risikogebiet eingereist sind.

Welche Testmöglichkeiten bestehen für Rückkehrer aus Nicht-Risikoländern, die sich freiwillig testen lassen wollen? Sie können sich innerhalb von 72 Stunden nach Rückkehr in Arztpraxen testen lassen – die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Für symptomlose Rückkehrer hat die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg zwei Corona-Testzentren eröffnet: an den Notfallpraxen der KVH in Altona, Stresemannstraße 54, und Farmsen, Berner Heerweg 124. Ein weiteres Testcenter ist am Hauptbahnhof geplant.

 

Schulbetrieb

Die Schulen sollen den Schulbetrieb so organisieren, dass die Kontakte zwischen Schülern reduziert und auf die eigene Klassenstufe beschränkt bleiben. Schüler müssen auf den Fluren Masken tragen. Dies gilt nicht für Grundschüler. Eltern und schulfremde Personen müssen beim Betreten der Schule Masken tragen.

Schüler sowie Lehrer mit besonderen gesundheitlichen Risiken müssen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn ein entsprechendes ärztliches Attest vorliegt.

Kranke Schüler sowie Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten, die keinen negativen Test vorweisen können und noch nicht in Quarantäne waren, werden umgehend nach Hause geschickt und dürfen die Schule vorerst nicht betreten.

Schüler, die aus unterschiedlichen Gründen zu Hause bleiben müssen, bekommen dort ein vollwertiges Lernangebot in allen Schulfächern.

 

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