Tauben am AKN-Bahnhof Eidelstedt Zentrum. Foto: Dirk Andresen

Sind die Tiere eine Plage? Streit in Eidelstedt

Dirk Andresen, Eidelstedt
Der Anblick ist schon ziemlich bemerkenswert: Wie gezielt geschulte Geschwader flattern Dutzende Tauben am AKN-Bahnhof in Eidelstedt unter die große gläserne Dachkuppel, die sich über den Eingangsbereich der Station wölbt. Etliche der Vögel nisten dort, ziehen ihre Küken groß – und lassen natürlich oft genug ihren Kot auf Bahnsteige, Auf- und Abgänge, Geländer und sogar Gleise fallen. Und das sorgt für Ärger: Fahrgäste sind genervt, fordern Maßnahmen für ein schnelles Ende der ekligen Luftangriffe. Tierschützer wiederum wollen das ungewöhnliche Refugium der gefiederten Schmutzfinken besser geschützt sehen.
Zum Wortführer der Tauben-Gegner wird jetzt der Eidelstedter CDU-Bezirksabgeordnete Sören Ehrlich. „Hier muss definitiv eingegriffen werden. Trotz des Taubendrecks dort und trotz diverser Verbotsschilder werden die Vögel  immer wieder gefüttert. Sie beschmutzen unter anderem auch die Handläufe an den Treppen. Dass Taubenkot besonders viele Krankheitserreger enthält, ist ja bekannt. Vor allen Dingen für Senioren, die beim Treppensteigen auf die Geländer und Griffe angewiesen sind, ist das natürlich ein unhaltbarer Zustand. Sobald aus der Sicht von Menschen eine Gefährdung vorliegt, muss man das unterbinden. Außerdem erzeugt der Dreck dort enorme Kosten, beispielsweise für die ständig nötigen Reinigungsarbeiten im Bahnhof.“
Heftiger Widerstand gegen Ehrlichs Vorstoß auf die gefiederten Plagegeister regt sich dagegen bei Tierfreunden. Mit einem ziemlich drastischen Statement attackiert der Verein Hamburger Stadttauben die Gegner ihrer geliebten Vögel. Die Taubenfreunde ziehen gegen bereits installierte „Vergrämungen“, netz- und stachelartige Vorrichtungen, die die Tauben von dem betroffenen Areal fernhalten sollen, ins Feld.
Ein grausamer Bahnhof in Hamburg“, heißt es in der Anklage. Und weiter: „Ausgerechnet an für Tauben sehr gefährlichen Stellen“ seien die Vergrämungen angebracht. Immer wieder führe dies dazu, dass Küken ins Gleisbett fallen, dort verhungern oder sogar überfahren würden.
Auch am in der Nähe des AKN-Bahnhofs gelegenen Eidelstedter Markt wird verbal scharf auf das ungeliebte Federvieh geschossen. „Vor dem Eingang des Kaufhauses Woolworth ist der Bürgersteig so verschmutzt, dass man ihn nicht mehr betreten kann“, heißt es in einem dem Elbe Wochenblatt vorliegenden Beschwerdebrief. Auch dort heißt es, dass die Tauben von Vogelfreunden gefüttert würden, obwohl der Senat schon vor längerer Zeit ein Fütterungsverbot für frei fliegende Wildtauben in der Hansestadt verhängte.
Zumindest was den AKN-Bahnhof angeht, gibt es aber auch versöhnliche Stimmen. Karl-Heinz Milde, der als im nahegelegen Seniorenheim lebender Rentner seit Jahren in der Station ein und aussteigt: „Früher war es hier mit dem Taubendreck schon schlimmer. Ich finde das ist wirklich besser geworden.“
Sagen Sie uns Ihre Meinung
Was soll am AKN-Bahnhof passieren? Schreiben Sie uns! Entweder per E-Mail an post@ wochenblatt- redaktion.de oder per Brief an die Wochenblatt Redaktion, Theodor-Yorck-Straße 6, 21079 Hamburg. Stichwort: Tauben

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here