An der Wurstbude gibt’s leckere Currywurst. Foto: wikimedia/user: FB78
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Neues vom Nachbarn – Wochenblatt Kolumne von Oliver Lück

Mit oder ohne Darm? Die Pommes mit Ketchup oder Mayo? Ein Brötchen oder ein Getränk dazu? Das sind die Fragen, die gestellt werden müssen. Und alles wiederholt sich, als würde eine Platte hängen. Nächster Kunde: Eine Currywurst mit Darm. Nächste Kundin: Dreimal Currywurst ohne Darm, Fritten mit Mayo und drei Cola. Nächster Kunde: Einmal Curry mit Darm. Und ein Bier, darf auch gerne groß sein. „Mach mal vier Euro glatt, Franky!“

„Schön und lecker machen“, sagt Frank, „darum geht es doch. Jedem muss es schmecken, das ist mein Ziel.“ Fünf bis sieben Minuten bei 160 Grad brauchen seine Pommes – morgens verhält das frische Öl sich anders als am Abend. Alles Erfahrungswerte aus bald 16 Jahren Bude. Natürlich gibt es bei Frank mehr als Pommes und Currywurst. Buletten und Kartoffelsalat, Nudelsalat und Rostbratwurst. Alles kostet eins achtzig. Die meisten Getränke eins sechzig. Geschichten sind für umme.

Es sind kurze Momente, oft nur Sekunden, die er mit seinen Gästen teilt. Hundertmal am Tag. Und trotzdem ist da so etwas wie Wärme, die entsteht. Eine Wärme, die nichts mit der Fritteuse zu tun hat. Das mag auch daran liegen, dass Frank nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Viele, die regelmäßig kommen, reden und reden, als ob es kein Morgen gäbe. Für sie ist Franky wie ein guter Freund, auf den man sich verlassen kann, den man immer besuchen kann, wenn man möchte. Und manchmal, das bleibt nicht aus, muss er dann auch mal „Halt die Klappe“ sagen. Aber selbst dann bleibt er immer freundlich.

Vielleicht ist es etwas dick aufgetragen, von einem Imbiss als eine Art Abbild einer Stadt in Miniatur zu sprechen, als ein Seismograph für die Stimmung im Land. Doch auch Frank kommt jetzt von der Wurst auf die Welt: „Ich treffe hier alle: Die Arbeitslosen, die Zahnlosen, den Anzugträger, den Junkie. Und alle werden von mir gleich behandelt. Denn alle kommen aus demselben Grund: Sie haben Hunger. Und wenn alle denselben Geschmack hätten, wäre es doch langweilig. Der eine mag Golf, der andere Mercedes. Der eine mag blond, der andere braun. Der eine mag mit, der andere ohne Darm. Und so soll das, bitte schön, auch bleiben.“ Fortsetzung folgt …

 

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

 

 

 

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

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