In der „Galleria Rehrstieg“ gibt’s keine öffentliche Toilette. Ob mobile Toilettenkabinen das Problem lösen? Fotomontage: ww
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In der Galleria Rehrstieg gibt’s für Kunden keine öffentliche Toilette

Wolfgang Wittenburg/Olaf Zimmermann, Neugraben

Die Galleria Rehrstieg ist das Einkaufszentrum in Süderelbe. Seit fast 60 Jahren finden Kunden auf 5.000 Quadratmetern Nutzfläche Supermarkt, Apotheke, Sparkasse, Eiscafé, Gastronomie und vieles mehr. Nur keine öffentliche Toilette.

Dies hatten bei einer Befragung der Quartiers-Entwickler der Lawaetz-Stiftung vor einigen Jahren über 600 Neugrabener beklagt. Daraufhin wurde mit dem Betreiber des Eiscafès vereinbart, dass alle Galleria-Besucher dessen Toiletten nutzen dürfen. Diese Regelung klappt in Corona-Zeiten nicht, wie Erika P. (82, Name der Redaktion bekannt) feststellte. Der Rentnerin wurde der Gang zum Klo verwehrt – obwohl das Eiscafé geöffnet hatte. „Um die Kunden und Mitarbeiter zu schützen“, hieß es.

Celal Cengiz, Projektleitung „Unternehmer ohne Grenzen“, sagt dazu: „Wir finden es grundsätzlich schade, dass zur Zeit keine öffentliche Toilette in der ,Galleria Rehrstieg‘ vorhanden ist. Wir haben aber auch Verständnis, dass der Inhaber des Eiscafés seine Mitarbeiter schützen möchte. Es ist bereits mehrfach vorgekommen, dass die Nutzer der Toiletten ohne Mundschutz ins Café herein gekommen sind.“

Die Abteilung „Gewerbe und Marktwesen“ hat keine rechtliche Grundlage, öffentliche Toiletten in Einkaufszentren zu verlangen

Dennis Imhäuser, Bezirksamt Harburg

Hintergrund: Seit einem Brand 2001 verantwortet „Wegner Immobilien“ den Wiederaufbau des Einkaufszentrums. „Im Zuge der Revitalisierung findet eine laufende Modernisierung durch Wegner Immobilien statt“, heißt es auf der Firmenhomepage. Hierzu gehört unter anderem „die Installation einer Kundentoilette.“ Warum wurde dies auch nach 19 Jahren noch nicht umgesetzt? Dazu wollte eine Firmensprecherin keine Auskunft geben.

Wo ist geregelt, ob es in Einkaufszentren öffentliche Toiletten geben muss? Oder kann das jeder Betreiber selbst entscheiden? Nach Auskunft der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen werden bei Einkaufszentren, die reine Verkaufsstätten sind, öffentliche Toiletten gesetzlich nicht gefordert. In größeren Anlagen, in denen es zum Beispiel auch Versammlungsstätten gibt, sind Toilettenräume vorgeschrieben. Bei Einkaufszentren, die Restaurants oder Gaststätten beinhalten, müssen Toiletten für Gäste vorhanden sein.

Das Bezirksamt sieht sich nicht in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass es in der Galleria Rehrstieg eine öffentliche Toilette gibt. „Die Abteilung ,Gewerbe und Marktwesen‘ des Bezirksamtes hat keine rechtliche Grundlage, öffentliche Toiletten in gewerblichen Betrieben oder Einkaufszentren zu verlangen“, teilt Bezirksamtssprecher Dennis Imhäuser mit.

Fazit: Wer in der „Gallerie Rehrstieg“ aufs Klo möchte, muss weiterhin hoffen, die Toilette im Eiscafé benutzen zu dürfen.

 

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