Infoveranstaltung im November 2019 für Anwohner: Anwohner konnten sich über das Saga-Bauvorhaben westlich des Aßmannkanals und das Elbinsel-Quartier informieren. Foto: PRIVAT
Anzeige


Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg. Eva Markowsky ist mit ihren Nerven am Ende. Tag ein, Tag aus piept, kracht und rumpelt es vor dem Fenster ihrer Wohnung in der Zeidlerstraße. Hinter dem Haus werden zwischen Zeidlerstraße und Aßmannkanal lautstark Kleingärten platt gemacht. Dort will die Saga im Rahmen des IBA-Projekts „Elbinselquartier“ später laut IBA-Plan zehn mehrstöckige Wohnhäuser bauen. Markowsky kann wegen dem Lärm kaum einen klaren Gedanken fassen, behält deswegen vier Monate lang einen Teil der Miete ein. Doch statt der Mietminderung zuzustimmen schickt Vermieterin Saga Mahnungen und droht mit dem Rauswurf aus der Wohnung.
Denn die Saga zweifelt am Lärm: „Neben Fahrgeräuschen von kleinen Baggern gab es keine wesentlichen Beeinträchtigungen“, heißt es in einem Schreiben. Es sei nur „Bewuchs“ entfernt worden, schließlich sei nur ein Gartenbauer dort tätig gewesen. „Stimmt nicht“, sagt Markowski, „Es wurden auch Lauben aberissen.“ Die IBA Hamburg als Auftraggeberin der Arbeiten bestätigt das. „Es wurden in diesem Zeitraum Kleingartenlauben abgerissen und die Stellplatzanlage für den Kleingartenverein neu gebaut“, sagt IBA-Sprecherin Anke Hansing, „Dabei wurden ein Bagger und ein Radlader eingesetzt.“

Mindestens 30 Mietparteien sind in der Zeidlerstraße betroffen, fünf haben die Miete schon gemindert, sagt Eva Markowski. Sie ist Volkswirtin, arbeitet an der Universität Hamburg, steuert gerade ihre Promotion an. Wie viele andere arbeitet sie gerade im Homeoffice. „Die Kombination dieser erhöhten Belastung, die plötzlich zu Hause erbracht werden musste, und ständigem Baulärm direkt vor meinem Wohnzimmer und fortlaufenden Mahnungen von der Saga brachte mich wirklich an den Rande meiner psychischen Belastungsgrenze“, errinnert sie sich. Von Februar bis Mai ging das so, im Juni wurde es etwas ruhiger. Seit dem zahlt Markowski auch wieder die volle Miete.
Die Saga wiegelt jetzt ab: Man wolle die Forderungen vorerst nicht vollstrecken. In der Sache bleibt die Saga jedoch hart: Nach einem „jüngeren BGH-Urteil“ könnte Baulärm auf dem Nachbargrundstück nur noch schwer als Begründung zur Mietminderung herangezogen werden.
Derzeit ruhen die Arbeiten auf der westlichen Kanalseite. Der Lärm findet nicht mehr unmittelbar vor Markowskys Fenster statt, jetzt „vibriert der Fußboden durch irgendwelchen Abrisslärm auf der anderen Seite“. Was wird da gebaut? Bei der IBA vermutet man, dass der Radau mit dem Rückbau der Reichsstraße zu tun habe.
„Hier ist eine Siebanlage im Einsatz“, sagt IBA Sprecherin Anke Hansing, schränkt aber die Ursachenforschung aber gleich ein, „Ob es an anderer Stelle zu Bauarbeiten auf privaten Grundstücken oder öffentlichen Straßen kommt, können wir nicht beurteilen.“

Das sagt der Mieterschutzbund
Was tun, wenn vor der Haustür monatelang die Bagger poltern? Ramona Oertel vom Mieterschutzbund Recklinghausen, an den sich Eva Markowsky um Hilfe wandte, sieht eine Mietminderung als gerechtfertigt an. „Bei Einzug von Frau Markowski vor X Jahren waren ruhige Kleingärten vorhanden, keine Riesenbaustelle“, sagt sie. Deshalb habe Markowski ein Recht auf die ruhigen Umgebung.
Die Saga müsse die Mietminderung akzeptieren.
Außerdem hätte die Saga zum Schutz ihrer Mieter bei den Bebauungsplanungen für das Elbinselquartier Einwendungen wegen zu erwartenden Lärms erheben müssen. Dann könne sie sich den Verlust durch die Mietminderungen vom Lärmverursacher, hier wohl die IBA Hamburg, wiederholen. Doch das tat die Saga nicht. Einfacher Grund: Sie selbst möchte dort später Wohnhäuser bauen, unterstützte daher den B-Plan.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here