Locker an die alte Kochstelle gelehnt, telefoniert der Vereinsvorsitzende Gerd Nitzsche. Foto:ki
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Umbauarbeiten können erst mit neuen Betreiber beginnen

Karin Istel, Wilhelmsburg. Sie stammt aus dem Jahr 1903: die Denkschrift zur Erinnerung an die Einweihung des Wilhelmsburger Rathauses. Vor wenigen Tagen wurde sie dem Verein „Museum Elbinsel Wilhelmsburg“ übergeben, der bislang das gleichnamige Museum in der Kirchdorfer Straße 163 betreibt. Doch wann dieses Fundstück sowie viele andere seltene Stücke zur Geschichte Wilhelmsburgs besichtigt werden können, ist ungewiss. Die Bauarbeiten am Museum sind noch nicht angelaufen. Und das nicht nur wegen Corona.
„Außer dem Aufstellen des Bauschildes ist nichts gelaufen“, sagt Gerd Nitzsche leicht verzweifelt. Er ist der Erste Vorsitzende des Museumsvereins. „Es ist auch nicht absehbar, dass so schnell etwas passieren wird.“ Der Grund: „Es gibt keinen Betreiber, der das Museum anschließend weiterführt.“
Doch von vorne: Eigentlich sollten die Renovieungsarbeiten im Museum seit Februar laufen. Alle Exponate waren bis Jahresbeginn gut verpackt und katalogisiert. Erst stockten die Bauarbeiten wegen Corona, jetzt wegen der Suche nach einem neuen Betreiber. Denn nach der Renovierung und der Erweiterung um neue Ausstellungsstücke zur Flut 1962 soll das Museum zu einem so genannten „Vollmuseum“ werden. Das heißt: Es soll Öffnungszeiten wie die alle anderen Hamburger Museen haben.
Doch das können die Vereinsmitglieder ehrenamtlich nicht stemmen. Bislang war das Haus, in dem die Heimatgeschichte der Elbinsel dokumentiert wird, sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie von April bis Oktober nach Vereinbarung geöffnet.
Für das „Vollmuseum“ hat Nitzsche auch schon eine Lösung parat: „Das Bezirksamt Mitte könnte doch der Betreiber werden, so wie das Bezirksamt Bergedorf bei dem dortigen Schloss.“
Das Bezirksamt Mitte reagiert zurückhaltend: „Bezüglich des Betriebs des Museums befinden sich die Kulturbehörde, die Finanzbehörde und das Bezirksamt Hamburg-Mitte derzeit im Austausch. Am Ende wird es eine gemeinsame Entscheidung geben“, sagt Sarah Kolland, Sprecherin des Bezirksamtes Mitte.
„Für die Bauarbeiten sind derzeit 9,9 Millionen Euro veranschlagt“, so Claas Ricker, Sprecher der Finanzbehörde. Erst, wenn die Betreiberfrage geklärt ist, kann ein Förderantrag beim Bund über 1,8 Millionen Euro gestellt werden. „Erst anschließend können die Vergabe der Bauarbeiten und der Baubeginn erfolgen.“ Und das kann dauern.

Das Museum Elbinsel Wilhelmsburg (MEW) wurde im Jahr 1907 gegründet und steht auf den Grundmauern des „Adeligen Sitzes Stillhorn“. Das Haus steht unter Denkmalschutz und wird derzeit ehrenamtlich vom Verein Museum Elbinsel Wilhelmsburg betrieben. Pro Jahr wurden in der Vergangenheit mehr als 10.000 Besucher gezählt.
Die Renovierung des Museums Elbinsel Wilhelmsburg soll  9,9 Millionen Euro kosten. Davon zahlt der Bund 1,8 Millionen Euro, 800.000 Euro kommen aus dem Sanierungsfonds, 400.000 Euro aus dem Quartiersfonds. 6,9 Millionen Euro übernimmt der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG).

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