Kämpft um die Arbeitsplätze ihrer Kollegen: Airbus- Betriebsratsvorsitzende Sophia Kielhorn. Foto: WW
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Airbus: Jede sechste Stelle beim Finkenwerder Flugzeugbauer steht auf der Kippe

Wolfgang Wittenburg, Finkenwerder

Die Corona-Pandemie verursachte die schwerste Krise der Luftfahrtgeschichte – und zwingt nun auch Airbus in die Knie. Europaweit baut der Flugzeugbauer 15.000 von 90.000 Stellen ab, davon 5.100 von derzeit 19.500 Stellen in Deutschland. In Finkenwerder beschäftigt der Großkonzern 12.500 Mitarbeiter, hier soll jeder sechste Arbeitsplatz, das sind rund 2.000 Stellen, wegfallen.
Kurzarbeit gibt es bei Airbus schon länger, nun kämpft Sophia Kielhorn (vor 28 Jahren als Auszubildende bei Airbus gestartet, seit zehn Jahren im Betriebsrat und seit fünf Jahren Betriebsratsvorsitzende) um den Erhalt der Arbeitsplätze. Freundlich, aber bestimmt bietet sie Paroli: „Wir schlagen eine kollektive Verkürzung der Arbeitszeit vor, so dass die Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden kann. So kann man auch Stellen und Arbeitsplätze retten. Dazu muss der Arbeitgeber aber die Bereitschaft haben, denn man darf unsere Zukunft nicht riskieren, indem wir gutes Personal einfach auf die Straße setzen.“

Sind Mitarbeiter wirklich verzichtbar?

Kämpferischer gibt sich Ina Morgenroth, Geschäftsführerin der IG Metall Hamburg: „Der Stellenabbau ist für die Beschäftigten von Airbus, aber auch für die Zulieferer und Entwick- lungsdienstleister, ein Schock und würde eine Katastrophe für die Standorte bedeuten.“ Statt auf Kurzarbeit zu setzen, die erst seit zirka zwei Monaten bei Airbus genutzt wird, bemängelt sie, dass das Unternehmen bereits jetzt verkünde, auf eine große Anzahl von Beschäftigten verzichten zu können. „Das ist mit uns als Gewerkschaft IG Metall nicht zu machen!“

Der Gewerkschaft gehe es um den Erhalt der Arbeitsplätze – egal, ob Leiharbeitnehmer, Werkvertragsarbeitnehmer oder Stammbeschäftigte. Um Arbeitsplätze zu sichern, wird für die Dauer der Krise die Kurzarbeit gebraucht und das auch wahrscheinlich länger, als nur zwölf Monate, besser für 24 Monate.

Vor dem Werkstor herrscht inzwischen ein Kommen und Gehen. Ein Blick über den Zaun aufs Firmengelände zeigt: viele Flugzeuge am Boden. Die Auslieferung neuer Maschinen an Fluglinien stockt derzeit. Auch politische Unterstützung wird bereits signalisiert: Wirtschaftssenator Michael Westhagemann will das Unternehmen mit 50 Millionen Euro unterstützen. Airbus soll damit umweltfreundliche Flugzeuge entwickeln.

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