Blick auf die Sietas-Werft (2013). Foto: GeorgHH/Wikimedia
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Gudrun Schittek (Grüne): Betrieb der Pella Sietas Werft und Hochwasserschutz im Alten Land sind gefährdet – Behörde: stimmt nicht

Siegmund Borstel, Süderelbe

Aufregung im Hamburger Süden. Die Pella Sietas-Werft will die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übernehmen. Dann könnte die Produktion an die Förde verlegt werden – auch wegen der dramatischen Verschlickung der Estemündung und der Fahrrinne im Mühlenberger Loch.

„Der Senat ist in der Verantwortung für die Folgen seiner Wirtschaftspolitik im Süden Hamburgs. Der Standort der Pella Sietas Werft muss nachhaltig gesichert werden“, sagt die Bürgerschaftsabgeordnete Gudrun Schittek (Grüne) aus Süderelbe.

Auf der Werft arbeiten nach der Insolvenz in Folge der Finanzkrise 2008 inzwischen wieder 350 Mitarbeiter, die Werft ist auf Wachstumskurs. Schittek: „Die Auftragslage der Werft ist gut, aber die Verschlickung der Este ist das ganz große Problem.“
Die Fertigstellung und Auslieferung des jetzt im Bau befindlichen Baggerschiffs und der zukünftige Schiffbau sind durch die massive Verschlickung der Estemündung und der Fahrrinne im Mühlenberger Lochs gefährdet.

„Die Verschlickung betrifft nicht nur die Werft, sondern auch den Schiffsverkehr auf der Este. Die Wasserstraße der Este wird nicht mehr erhalten, die Fähre Cranz-Blankenese kann ihren Fahrplan nicht einhalten und bei Niedrigwasser die Anleger Cranz und Neuenfelde nicht anlaufen“, sagt die Abgeordnete.

Bereits 2011 und 2019 war das Sperrwerk wegen Verschlickung havariert und konnte nicht
geschlossen werden

Gudrun Schittek, MdHB, Grüne

Besonders dramatisch sei die Verschlickung im Bereich des Estesperrwerks. „Das Sperrwerk sichert und schützt das Alte Land und den Südwesten Hamburgs bis Finkenwerder, Neugraben und Neuwiedenthal vor Hochwasser“, erklärt Gudrun Schittek. „Bereits 2011 und 2019 war das Sperrwerk wegen Verschlickung havariert und konnte nicht mehr geschlossen werden.“ Die Verschlickung ist die Folge des teilweisen Zuschüttens der Mühlenberger Loches für die Airbuserweiterung und der Elbvertiefung.

Gudrun Schittek: „Der Schiffsverkehr auf der Este muss erhalten bleiben, der Fährverkehr der Fähre Cranz-Blankenese muss zuverlässig möglich sein. Wir brauchen ein nachhaltiges Sedimentmanagement im Mühlenberger Loch, der Estemündung und am Estesperrwerk zur Sicherung des Hochwasserschutzes für den Südwesten Hamburgs.“

 

Das sagt die Wirtschaftsbehörde

Für die Unterhaltungsbaggerung der Este ist der Bund zuständig.
Nach Ansicht der Wirtschaftsbehörde ist der Hochwasserschutz nicht gefährdet. „Die Estemündung in die Elbe wird durch das Sperrwerk Estemündung vor Sturmfluten in der Elbe geschützt. Die Hamburg Port Authority (HPA) hat als Betreiberin in den letzten Jahren technische Maßnahmen – unter anderem eine automatisierte Steuerung, Spül-systeme, Lage-Höhen-Überwachung der Tore – im Bereich des Sperrwerk eingeführt“, sagt Behörden-Sprecherin Susanne Meinecke. „Parallel dazu bestehen Einsatzpläne hinsichtlich eines ergänzenden Geräteeinsatzes, wenn höhere Sedimenteinträge festzustellen ist. Dies ist aktuell nicht der Fall.
Um mögliche Veränderungen frühzeitig festzustellen, werden regelhafte Betauchungen und Peilungen im Bereich des Sperrwerks durchgeführt und hinsichtlich Veränderungen ausgewertet.“

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