In zwei Schichten haben bis zu zwölf Frauen täglich Mas-ken genäht, die unentgeltlich im Stadtteil verteilt wurden. Foto: Ekmekci
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Ayasofya-Gemeinde engagiert sich für Mitbürger – auch während der Corona-Pandemie

Karin Istel, Wilhelmsburg

Fahriye Bilal (l.) und Suzan Simcek mit Masken, die sie bald im Stadtteil verteilen werden. Foto: Istel

Der zweigeschossige, weiße Bau in der Rotenhäuser Straße 104 a ist eines der größten islamischen Gotteshäuser Hamburgs. Die Ayasofya-Gemeinde hat den ehemaligen Minimal-Supermarkt unweit der Bonifatiuskirche mit großem Aufwand zu einer Moschee umbauen lassen. Von hier aus wurden und werden, gerade auch in Zeiten von Corona, zahlreiche Aktivitäten gestartet.

„Gleich zu Beginn der Pandemie haben wir uns entschieden, Masken zu nähen“, erinnert sich Koordinatorin Fahriye Bilal. „Dann haben sich bis zu zwölf Frauen im großen Raum getroffen. Sie brachten ihre eigenen Nähmaschinen mit. Und dann wurden ab 9 Uhr in zwei Schichten Masken genäht, manchmal auch länger“, erinnert sich die Vorsitzende der Frauengruppe. Betül Ekmekci ergänzt: „Die Masken haben wir anschließend an Pflegeheime, Krankenhäuser und Apotheken als Zeichen unserer Solidarität gespendet.“

Doch die Ayasofya-Gemeinde näht nicht nur Masken. „Wir haben 1.200 Kilo Wassermelonen an ältere Menschen in der Nachbarschaft ausgeliefert. Es war egal, ob sie unserer Gemeinde angehörten oder nicht. Wichtig war, dass die älteren Menschen in Sicherheit zuhause bleiben konnten und nicht zum Einkauf aus dem Haus zu gehen brauchten“, erzählt Ramazan Karakaya, Vorsitzender der Gemeinde.

Die jungen Frauen der Gemeinde kochten für ältere Menschen. „Für zwölf Familien haben wir einen Monat lang warmes Abendessen zubereitet und ausgeliefert“, sagt Tuba Ay. Sie leitet die Gruppe „Junge Muslime vereint“. „So brauchten die älteren Herrschaften weder einzukaufen noch zu kochen.“ Auch die Kinder, die sich nicht mit ihrer Freunden in der Gemeinde treffen konnten, wurden bedacht: „Wir haben kleine Tüten mit Süßwaren an sie verschenkt. So wussten sie, wir denken an sie“, sagt Suzan Simcek.

Einen wachen Blick für die Nöte der Obdachlosen hatten die jungen Männer der Gemeinde. „Es wurden Baguettes belegt und in Tüten gepackt. Dann gingen die jungen Männer auf die Straße, sprachen Obdachlose an und gaben ihnen die belegten Brote“, erklärt Sacit Dizman.

Jetzt hofft die Gemeinde auf das baldige Ende der Corona-Krise, um mit ihrem ehrenamtlichen Engagement so richtig loszulegen. „Für die jungen Frauen hatten wir ein Mentorenprogramm zu Berufs- und Studienorientierung geplant. Das alles fällt derzeit wegen Corona aus, genau wie dienstags und donnerstags das Kickboxen für Mädchen und Frauen“, so Betül Ekmekci.

Und Fahriye Bilal sagt: „Vor Corona gab es in der Gemeinde immer Gesprächskreis auf Deutsch, montags immer ein Müttercafé, donnerstags einen Frühstückstreff und Deutschkurse für Frauen. Wir hoffen alle, dass Corona bald vorbei ist, dann möchten wir hier im Krankenhaus einen ehrenamtlichen Besuchsdienst einrichten. Wenn jemand hier Patient ist, keine Angehörigen vor Ort hat und es wünscht, kommen wir vorbei und kümmern uns.“

Bis es soweit ist, wird die muslimische Gemeinde ihr ehrenamtliches Engagement fortsetzen. „Staatliche Unterstützung bekommen wir dafür nicht. Alle Aktionen werden aus Spenden der Gemeindemitglieder bezahlt“, erklärt Tuba Ay. „Unser Glauben ist die Grundlage für unsere Solidarität. Denn erst in schlechten Zeiten sieht man, ob Menschen bereit sind zu helfen.“

 

Yeni Ayasofya Camii

Yeni Ayasofya Camii, Islamische Gemeinde Wilhelmsburg e.V.

Rotenhäuser Straße 104a, Tel. 01511/88 06 052

Tag der offenen Moschee: 3. Oktober 2020

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