Marco Spehr arbeitet als Personal Trainer. Foto: pr

Wie die Fitnessstudios den Lockdown überstanden haben

Jasmin Bannan, Hamburg-West

Die Fitnessbranche boomt. Im Jahr 2019 waren rund 11,7 Millionen Bürger Mitglied in einem der bundesweit 9.600 Studios aktiv. In Hamburg gibt knapp 200 Center, die Hansestadt ist deutsche Fitness-Hochburg. Seit dem 12. Mai können die Hamburger jetzt wieder Sport treiben. Der Corona-Shutdowns hatte zuvor acht Wochen alle Laufbänder zum Stillstand gebracht.

Viele Mitglieder haben Ihre Verträge gekündigt, enorme Umsatzeinbußen sind zu verzeichnen. Viele Menschen trauen sich trotz Hygienekonzepte nicht in ihre Studio zurück – zu groß ist die Angst vor einer Ansteckung. Gerade ältere Menschen verlieren so nicht nur Bewegungsmöglichkeiten, sondern auch viele soziale Kontakte.

Für Kinder ist Bewegung einfach immens wichtig – ich habe versucht, den fehlende Sportunterricht wenigstens etwas zu kompensieren
Marco Spehr
personal-Trainer

Marco Spehr von ms77 athletik ist zertifizierter Fitnesstrainer mit der A-Lizenz und arbeitet neben seiner Tätigkeit als Personal Coach unter anderem für den Rellinger Turnverein. In der Corona-Auszeit hat der Trainer für die Kinder von zwölf bis 15 Jahren Workouts online umgesetzt und sogar via Zoom live Training gegeben. „Für Kinder ist Bewegung einfach immens wichtig – ich habe versucht, den fehlende Sportunterricht wenigstens etwas zu kompensieren; aber auch bei den Erwachsenen ist festzustellen, dass der Wunsch nach einem begleiteten Training steigt. Die Menschen, die acht bis zehn Wochen alleine trainiert haben, suchen jetzt eine individuelle Begleitung wie einen Personal Coach.“

„Eine Katastrophe“ für ältere SVE-Mitglieder

Stefan Bauer, Leiter der SVE Gesund Aktiv-Zentrum am Furtweg, sagt: „Wir haben die Zeit mit mehr als 50 Videos überbrückt, die wir unseren Mitgliedern zur Verfügung gestellt haben, um die Fitness zu erhalten. Viele ältere Menschen konnten das aber nicht umsetzen und kündigen jetzt, weil sie durch die Ausfallzeit einfach nicht mehr körperlich in der Lage sind, mit dem Training neu zu begonnen – eine Katastrophe“, so Bauer.

Der SVE hat viel Geld investiert in Plexiglaswände und ein umfassendes Hygienekonzept. „Alle Trainingseinheiten sind nur nach Anmeldung möglich. Unsere Mitglieder desinfizieren die Geräte selbst bevor sie mit dem Training beginnen – hier ist die Zufriedenheit groß“, so Bauer.

Natalie Brandts von Fortius Fitness in Blankenese denkt noch mit Schrecken an die Zeit zurück, wo klar wurde, dass Sie ihr Fitessstudio schließen musste. „Es war wirklich ein Schock für uns – und haben einige Zeit gebraucht, um mit der Situation umzugehen. Wir haben versucht, eine Sonderregelung zu erwirken, denn bei uns steht das Personal Training an erster Stelle, das bedeutet, es ist immer nur ein Kunde mit einem Trainer auf der Fläche – leider war das aber nicht möglich.“ Natalie Brandts und ihr Team haben in der Zeit des Lockdowns die Kunden online betreut, damit sie die Zeit so gesund wie möglich überstehen. „Und tatsächlich haben wir festgestellt, dass diese besondere Zeit das Bewusstsein für Gesundheit und Ernährung geschärft hat. Wir profitieren zur Zeit tatsächlich mit Neukunden“, so Natalie Brandts glücklich.

Auch Alexandra Barwich, Inhaberin des Damen Aktiv Studio in Lurup, erlebte in den letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle. „Als die Nachricht der Schließung kam, haben wir uns gedacht: Gut, dann ist es jetzt so, wir nutzen sie Zeit. Wir haben das Studio gestrichen, renoviert und richtig hübsch gemacht. Als dann klar wurde, dass es sich nicht nur um drei oder vier Wochen ging, wanderte die Stimmung doch in den Keller und Existenzängste kamen hoch.“

In der Schließungszeit hat das kleine Studio im Lüttkamp viele Kündigungen bekommen. „Die Kündigungen und damit die finanzielle Einbuße ist eine Sache. Die andere ist: Wir sind ein kleines und sehr familiäres Studio – uns haben die Mitglieder einfach so gefehlt“, so Alexandra Barwich. Seit dem Pfingstwochenende hat das das Studio mit einem Hygienekonzept wieder geöffnet und so langsam kehrt auch hier wieder der Fitness-Alltag ein.

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