Schnackschrauber unter sich: Addi Tiemann, Jochim Maack, Dietmar Meyer-Spellbrink und Ulrich Terwesten (v. li.). Foto: cvs
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„Schnackschrauber“ möbeln alte Drahtesel auf – jetzt werden Spendenräder gesucht

Christopher von Savigny, Bahrenfeld
Auch wenn die Hamburger in der abflauenden Corona-Pandemie nach und nach wieder auf Bus und Bahn umsteigen, bleibt das Fahrrad das Verkehrsmittel der Stunde: Die Zahl der Radler auf Hamburgs Straßen ist spürbar gestiegen, Radläden sehen sich einem regelrechten Kundenansturm ausgesetzt. Das  spüren auch die Verantwortlichen der Reparaturwerkstatt „Die Schnackschrauber“ – eine private Initiative, die sich im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 gebildet hatte.
„Gebrauchte Räder sind bei Flüchtlingen nach wie vor sehr begehrt“, weiß Jochim Maack, einer der Projektleiter. Die „Schnackschrauber“ geben sie gegen eine kleine Spende ab – in Ausnahmefällen auch mal umsonst.
Andere Möglichkeiten, an einen funktionsfähigen Drahtesel zu kommen, hätten diese Menschen kaum. „Unsere Klientel kann sich kein neues Rad und auch keine teuren Reparaturen leisten“, sagt Joachim Maack.
Mehrmals pro Woche werden auf dem Flüchtlingshof der Luthergemeinde in der Regerstraße alte Räder auf Vordermann gebracht. Zurzeit zwölf Ehrenamtliche beteiligen sich an dem Projekt: Sie flicken Reifen, entrosten alte Schaltungen, wechseln Tretlager – und schaffen es in den allermeisten Fällen, den betagten Drahteseln wieder neues Leben einzuhauchen. Die Räder stammen aus Privathaushalten und von Wohnungsauflösungen. Auch Fundräder vom Bezirksamt sind dabei.
Mittlerweile unterstützen die „Schnackschrauber“, die bis 2018 direkt auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung Schnackenburgallee zuhause waren, die Bewohner der Folgeunterkünfte (unter anderem Holstenkamp, August-Kirch-Straße und Albert-Einstein-Ring).
Bislang zweimal konnte sich die Initiative Sondermittel vom Bezirksamt sichern, davon werden unter anderem Ersatzteile im Großhandel gekauft. Der Radladen „Rad & Tat“ in Ottensen gibt regelmäßig Gratis-Schulungen für die Hobby-Mechaniker. Die Luthergemeinde überlässt den Schraubern die rund 120 Quadratmeter große Werkstatt und kommt für die Energiekosten auf.
Über gebrauchte Drahtesel jeglicher Art freut sich das „Schnackschrauber“-Team. Wer ein nicht mehr benötigtes Fahrrad abzugeben hat, kommt mittwochs und donnerstags jeweils von 16 bis 18 Uhr in der Regerstraße 73 vorbei. Alträder werden auf Wunsch gerne abgeholt, Kontakt unter Tel. 01523 – 820 50 11.
„Die Schnackschrauber“ waren bis zur Schließung der ZEA (Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung) in der Schnackenburgallee zuhause. Inzwischen findet man sie in der Regerstraße. Grafik: pr

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