Christa Ocepek in dem ausgebrannten Dachgeschoss über ihrer Wohnung. Foto: Dirk Andresen
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Dirk Andresen, Eidelstedt

Sie kann nicht mehr. Tränen fließen über die Wangen von Christa Ocepek. Die Tochter verstorben, die Wohnung abgebrannt, kein neues Zuhause in Aussicht, die kleine Enkelin die Angst hat und Zukunftssorgen – und mittendrin die 67jährige. Alleingelassen, hilflos, verzweifelt. Eine Geschichte, die ratlos macht. Aber auch wütend. Der Reihe nach…

Vor knapp zwei Jahren verliert Christa Ocepek ihre damals 37-jährige Tochter Angela – Gehirntumor. Deren inzwischen sechsjährige Tochter Johanna ist bis heute schwer traumatisiert. Doch damit nicht genug: Anfang März brennt das Haus, in dem Christa, Angela und Johanna lebten, lichterloh. Das üppig eingesetzte Löschwasser zerstört die Wohnung der Ocepeks in der zweiten Etage der Elbgaustraße 117 völlig. Oma und Enkelin werden heimatlos und zunächst zum „Übergang“ in zwei Zimmern Im Keil in Eidelstedt untergebracht. Dort sollen sie aber bald ausziehen – bloß, keiner weiß wohin. Die Deutsche Bahn, der das Wohnhaus mit der Ocepek-Wohnung gehört, gibt bisher strikt keine Auskunft, ob, wenn ja wann, und wie renoviert werden soll.

Die Lütte fragt mich immerzu, ob wir nicht hierbleiben können
Christa Ocepek

Das zuständige Wohnungsamt in Eimsbüttel ist Christa Ocepek auch keine Hilfe: „Eine einzige Wohnung haben die mir seit dem Brand Anfang März genannt. Da habe ich mich schon vor etlichen Wochen beworben und erst heute eine Absage bekommen“, weint Christa Ocepek leise. Sie ist völlig verunsichert, hat Angst, auch noch den letzten Hoffnungsschimmer im Fall ihrer traumatisierten Enkelin zu verlieren: „Johanna möchte unbedingt, dass wir in Eidelstedt bleiben, wegen ihrer Freundinnen und Spielgefährtinnen. Aber der Mann vom Wohnungsamt sagte klipp und klar, wir müssten auch nach Allermöhe oder Bergedorf ziehen, wenn es nur dort Wohnungen gibt. Johanna kommt damit gar nicht klar, befürchtet, auch noch den allerletzten Teil ihres Zuhauses zu verlieren. Sie redet gar nicht mehr, ich bin deshalb schon länger mit ihr in psychotherapeutischer Behandlung.“

Der kompromisslose, strenge, wenig hilfreiche Umgang des Amtes macht Christa Ocepek noch mehr Angst: „Ich fühle mich einfach im Stich gelassen. Diese Unsicherheit macht mich fertig.“ Auf Nachfrage des Elbe-Wochenblattes beim für Eimsbüttel und Eidelstedt zuständigen Amt zu dem Fall heißt es lapidar: „Kein Kommentar.“ Und: Der namentlich von Frau Ocepek angegebenen Mitarbeiter existiere angeblich nicht.

Christa Ocepek zeigt die vom Löschwasser zerstörten Wände und Möbel in ihrer kaputten Wohnung: „Das war 45 Jahre lang unser Zuhause, meine Tochter ist hier aufgewachsen, meine Enkelin und jetzt sehen sie sich das an.“ Und: „Die Lütte fragt mich immerzu, ob wir nicht hierbleiben können.“ Kann sie offenbar nicht. Und ihre Oma auch nicht.

Aber wohin mit ihnen? Davon will auch sonst keiner von denen, die es eigentlich besser wissen sollten, was wissen.

Die Fassade der Hauses, das im März brannte. Foto: Dirk Andresen
Die sechsjährige
Johanna. Foto: pr

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