Mit diesen Marktbeschickern begann 1990 der erste Hamburger Bio-Wochenmarkt in Nienstedten, ganz rechts Marktgründerin Anne Faika und ihr Mann Gerd (2.v.r.). Foto: pr
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Vor 30 Jahren gründete Anne Faika den ersten Öko-Wochenmarkt Hamburgs

Julia Vellguth, Nienstedten

Im Jahr 1990 gründete Anne Faika in Nienstedten den ersten Öko-Wochenmarkt in Hamburg. Am 1. Juni feierte der Bio-Wochenmarkt und Regionales in Hamburg sein 30-jähriges Bestehen.

Anlass für die Gründung war die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Die Alt-Osdorferin Anne Faika, damals Hausfrau und Mutter zweier kleiner Kinder, suchte nach Möglichkeiten, ihre Familie gesund zu ernähren. „Die Idee für den Bio-Wochenmarkt kam mir 1989 und wurde aus dem Wunsch geboren, selbst die Produkte einkaufen zu können. Es war mir zu umständlich über eine Einkaufsgemeinschaft”, erzählt die 61-Jährige. Damals noch ohne Internet, verbrachte die junge Mutter viel Zeit mit der Recherche nach passenden Betrieben für den Markt. „Ich hatte selbst noch gar keine Ahnung von der Unterscheidung zwischen Bioland, Demeter oder Naturland”, erinnert sie sich. „Ich habe mich von dem Verein Ökomarkt Hamburg beraten lassen, der mir Listen mit Betrieben aus Norddeutschland gab.”

Es war deprimierend. Die meisten haben gesagt, was ist das denn für ein spinnerter Kram, das mach mal alleine
Anne Faika,
Gründerin

Was man heute als Selbstgänger ansehen würde, erwies sich vor 30 Jahren als Herausforderung: Von mehr als 50 kontaktierten Öko-Betrieben aus Hamburg und dem Umland zeigten gerade einmal sechs Interesse. „Es war deprimierend. Die meisten haben gesagt, was ist das denn für ein spinnerter Kram, das mach mal alleine! Die konnten sich alle nicht vorstellen, dass es einen Markt nur mit solchen Produkten geben kann”, so Anne Faika. Doch die gelernte Kauffrau ließ sich nicht entmutigen und organisierte den Start mit sechs Anbietern.

Als Standort hatte sie an ein leer stehendes Schulgelände am Rugenbarg gedacht, doch aufgrund von Umnutzungsplänen der Stadt für das Gelände wurde ihr stattdessen ein Parkplatz in Nienstedten angeboten. Nach einem kurzen Genehmigungsverfahren konnte im Juni 1990 hier schließlich der erste Hamburger Bio-Wochenmarkt eröffnet werden. Er begann auf einem kleinen Parkplatz, auf dem heute Recyclingcontainer stehen. Nach einem halben Jahr zog der Bio-Wochenmarkt aus hygienischen Gründen auf die befestigte Parkplatzinsel am Nienstedtener Marktplatz, wo er seitdem jeden Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr stattfindet. Zwei der Betriebe aus der Anfangszeit sind auch heute noch dabei: die Vollkornbäckerei Effenberger und die Bioland-Fleischerei Fricke. Alle anderen Betriebe mit Fisch, Gemüse, Obst, Blumen, Käse oder Wein wechselten über die Jahre.

Anne Faika leitet mit ihrer Tochter Birte Märkte an zehn Standorten in ganz Hamburg. Foto: pr

Der Bio-Wochenmarkt wurde von Anfang an gut angenommen. „Als wir uns gut etabliert hatten, eröffneten wir weitere Märkte in Schenefeld und Eimsbüttel. Die Betriebe mussten sich für den Markt extra einen Marktwagen kaufen, und ein Markt in der Woche reichte den meisten nicht”, erklärt die Marktgründerin. Mit ihrem Unternehmen „Bio-Wochenmarkt und Regionales” leitet sie, seit 2014 zusammen mit ihrer Tochter Birte Schubert (36), inzwischen Märkte an zehn Standorten in ganz Hamburg. „Fast alles ist bio-zertifiziert, deshalb auch der Namenszusatz „und Regionales”, denn nicht alles ist als Bio-Produkt verfügbar”, erklärt sie. „Unser Konzept ist, Besonderes aus Hamburg und dem Umland anzubieten, möglichst in Bio-Qualität.” Mit ihrer Tochter guckt sie sich jeden Betrieb an, bevor sie ihn auf ihre Märkte holt, denn ihre Anforderungen sind hoch. „Wir wollen supergute Qualität. Wir haben Kunden, die wirklich anspruchsvoll sind. Und die Betriebe brauchen auch Mitarbeiter, die gut beraten können.”

Die Nachfrage nach besonderen und Bio-Produkten sei in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich gestiegen, so Anne Faika. Selbst die Einführung von Bio-Lieferdiensten und das Bio-Angebot von Supermärkten ließ die Kunden nicht wegbleiben.

Dann kam das Coronavirus. „Während der Coronazeit war es zwischenzeitig verrückt. Die Leute haben vier Wochen lang eingekauft, als ob es bald nichts mehr zu essen geben würde. Aber sie waren ja auch mehr zu Hause und haben viel gekocht”, meint sie. Die 61-Jährige stattet ihren Bio-Wochenmärkten regelmäßige Besuche ab, für ihre privaten Einkäufe schätzt sie den Nienstedtener Markt immer noch am meisten. Über ihre Idee und die Gründung vor 30 Jahren ist sie nach wie vor glücklich. „Es ist eine sinnhafte Arbeit. Man trägt durch kurze Transportwege und weniger CO2-Ausstoß zum Umweltschutz bei, stützt Familienbetriebe und hält das Geld in der Region. Und es macht Freude, auf dem Markt einzukaufen.” Besonders froh ist sie, dass ihre Tochter ihre Arbeit weiterführen wird, wenn sie aufhört: „So hat der Markt eine Zukunft und bleibt innovativ.”

Der Bio-Wochenmarkt in Nienstedten ist immer gut besucht. Foto: pr

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