Auch in Kneipen und Restaurants wird überall auf die Einhaltung der Abstandsregeln hingewiesen. Foto: jbd
Anzeige


Restaurants geöffnet: Besitzer kämpfen mit kreativen Ideen, persönlichen Einsatz und Sparmaßnahmen ums Überleben

Gaby Pöpleu, Hamburg-Süd

Seit dem 13. Mai dürfen Restaurants wieder öffnen, doch nur mit extremen Einschränkungen: Große Abstände zwischen den Tischen, speichern der Kontaktdaten, Reservierungspflicht. Um mehr Platz für Gäste zu schaffen, dürfen Bezirksämter jetzt bis Jahresende nach Augenmaß geeigneten Straßenraum für Außengastronomie freigeben, sogar ohne Gebühren dafür zu verlangen. Wie läuft der Neustart bei Harburgs Gastwirten?

Amarjit Sidhu hat mit ihrem Steakrestaurant „La Granja“ in der Bremer Straße 343 bisher nur 20 Prozent ihres Vorkrisen-Umsatzes erreichen können. „Viele Leute haben noch Angst“, sagt sie, „Ich kann das verstehen, aber für uns ist das sehr schwer.“ Der Mittagstisch läuft besser als das Abendgeschäft: „Da ist null Umsatz“, sagt Sidhu. Zwei Mitarbeitern musste sie kündigen, die anderen sind in Kurzarbeit. Sie selbst ist die ganze Zeit im Restaurant: „Mein Mann ist der Koch, ich bin vorne.“

Mehr Tische im Außenbereich wären für sie nicht hilfreich: „Wir haben schon eine schöne Gartenterrasse.“ Gut zehn Tische stehen dort auf Abstand an der frischen Luft – auch die sind oft unbesetzt. Das schwierigste sei nach wie vor, Miete und Strom zu bezahlen, sagt Gastronomin Sidhu. „Ich habe schon den Vermieter um Aufschub gebeten, aber er sagt, er kann das nicht machen.“

Wenig Umsatz, Kosten bleiben hoch

In der „Veddeler Fischgaststätte“ in der Tunnelstraße 70 läuft es „sehr schleppend“ an. Gastwirtin Marion Göttsche schätzt, dass 35 Prozent der Gäste kommen. „Ich habe viele ältere Gäste, die sind sehr vorsichtig.“ Sie hat die täglichen Öffnungszeiten um 45 Minuten verkürzt, Personal in Kurzarbeit geschickt, packt selbst mehr in der Küche mit an.

Ihren Garten hat sie kürzlich schon erweitert, „Mehr Außenplätze brauche ich wirklich nicht, schon gar nicht befristet, das muss ja auch alles ein bisschen hübsch gemacht werden“, sagt Göttsche. So wie es jetzt läuft, kann sie höchstens noch zwei Monate durchhalten, „nach der langen Baustelle 2016/17“, sagt sie, „Wir hatten uns gerade wieder berappelt.“

Yong Sheng Zheng vom Restaurant „Kaiser Pavillon“ an der Cuxhavener Straße 355 versucht, der Krise mit neuen Ideen zu trotzen. Früher bot er ein mongolisches Büfett, das ist jetzt verboten. Zheng hat den „Kaisers Table“ ausgedacht: Kellner kommen an den Tisch, bieten für eine Pauschale etwa 100 kleine Speisen an, aus denen der Gast vier bis fünf wählt. Ist er nicht satt, kann nachbestellt werden. Nachteil: „Das ist für die Kellner sehr aufwändig“, sagt Zheng, „Ich habe die gleichen Personalkosten, aber nur 20 Prozent Gäste.“

Das Personal konnte er mit Kurzarbeit über die Runden retten, aber nur durch einen Preisaufschlag. „Viele Gäste verstehen das nicht, ich muss das öfter erklären“, sagt der Restaurantinhaber. Trotzdem musste er schon privat einen Kredit fürs Restaurant aufnehmen.

Den Gastraum auf die viel befahrene und laute B73 auszudehnen, ist beim Kaiser Pavillon keine Option. „Und den Hof brauchen wir unbedingt als Parkraum für die Gäste“, sagt Zheng. Sollten bald wieder mehr kommen, will er sein Hinterzimmer – jetzt lagert hier das wegen der größeren Abstände weggeräumte Mobiliar – wieder ausräumen.

Auch mit Corona geht das Eisvergnügen weiter.
Foto: jbd

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here