Beim Einkaufen herrscht Maskenpflicht. Foto: panthermedia
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Sabine Langner, Hamburg-Süd. Helga T. (Name der Redaktion bekannt) ist verzweifelt. Die 64-Jährige traut sich nicht mehr aus ihrer Wohnung in der Eddelbüttelstraße. Sie hat Angst vor einer Infektion mit Corona – und keine hochwertige Atemschutzmaske. Die kann sie sich nicht leisten.
Die Harburgerin ist seit rund 40 Jahren Diabetikerin. Im Laufe der Zeit sind noch Herzprobleme und Osteoporose dazu gekommen. Arbeiten kann sie schon lange nicht mehr. Sie lebt von Sozialhilfe, 432 Euro im Monat. Von dem Geld gehen noch die Strom- und Telefonkosten ab.
„Damit ich mir irgendwann mal ein paar neue Schuhe oder ein Kleidungsstück kaufen kann, spare ich, wo ich kann“, sagt Helga T. „Ich lebe von rund 60 Euro in der Woche. Da bleibt kein Geld übrig, um mir Masken und Desinfektionsmittel zu kaufen. Vor allem, weil ja im Moment wahnwitzige Preise gefordert werden.“
Bei ihrem zuständigen Sachbearbeiter vom Sozialamt hat sie nachgefragt, aber der hat auch nur bedauernd die Schultern gezuckt. Für solche Dinge gibt es kein Extra-Budget. Das bestätigt auch Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde: „Wenn es um medizinisch notwendige Dinge geht, verschreibt das der behandelnde Arzt, und die Krankenkasse übernimmt die Kosten“, sagt er.
Aber im Alltag beim Einkaufen oder Spazierengehen würden ja auch Tücher und Schals den gleichen Zweck erfüllen, wie beispielsweise eine handgenähte Maske. Aber nicht bei Helga T. Wegen ihrer diversen Vorerkrankungen benötigt sie eine Atemschutzmaske, die auch Aerosole abhält Das tun Schals und normale Masken nicht. Diese Art der Masken schützt den Träger selbst nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, aber durch das Tragen dieser
Maske werden Menschen in dessen Umgebung vor einer An- steckung geschützt.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) sieht Handlungsbedarf. „Bislang hat sich die Politik nicht dazu durchringen können, für Grundsicherungs- und Hartz IV-Empfänger eine monatlich zeitlich begrenzte Erhöhung des Regelsatzes um 100 Euro zu zahlen“, sagt die SoVD-Juristin Karin Wöhrmann. Und SoVD-Pressesprecherin Susanne Rahlf ergänzt: „Diese kurzfristige Unterstützung wäre schon notwendig, auch weil Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse teurer geworden sind. Von den 100 Euro könnte man sich dann auch diese „Schutzausrüstungen“ zulegen“.

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