Agnes Steinhoff hat in ihrem Salon Schutzwände eingezogen. Foto: Kreller
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Nach mehrwöchiger Pause haben die Friseurgeschäfte in Hamburg seit Anfang Mai wieder geöffnet – eine erste Bilanz

Niels Kreller, Hamburg-Süd

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, mussten die Inhaber und Mitarbeiter der rund 1.430 Frisörsalons in der Hamburg umdenken und den täglichen Betrieb „mit Maske“ umstrukturieren. Doch wie kommen sie mit den strengen Auflagen (siehe auch Infotext) klar? Wir haben uns umgehört.
„Die sechs Wochen, in denen geschlossen war, die waren für uns natürlich der Horror“, so Thorsten Leinung von Friseur Leinung aus der Neuenfelder Straße in Wilhelmsburg. „Für einen Selbstständigen ist das ein großer psychischer Stress – das möchte ich nicht noch mal machen.“ Als Leinung seinen Salon dann wieder öffnen konnte, wurde er förmlich überlaufen. „Unser Glück ist, dass unser Laden groß ist, so dass wir das Hygienekonzept gut umsetzen und trotzdem viele Kunden bedienen können.“ Jetzt normalisiert es sich wieder. „Ich bin stolz auf mein Team, dass alle mitgezogen haben“, freut sich Leinung.
„Zu Anfang war ich richtig geschickt. Es wusste ja auch keiner wo die Reise hingeht. Niemand sagt einem was“, so Agnes Steinhoff vom Friseursalon Agnes Steinhoff + Team im Hainholzweg. Zuerst sei ja von einer Schließung bis Herbst die Rede gewesen. „Aber dann fingen wir an, alles vorzubereiten – Spuck-schutzwände, Flatterband, Desinfektionsmittel und und und.“ Den Kunden mussten Steinhoff und ihr Team anfangs viel über die neuen Regeln erklären. Das ist jetzt nicht mehr nötig. Kunden kommen jetzt wieder und das Team versucht, alle zu bedienen. Mit Blick auf die Zukunft sagt Agnes Steinhoff: „Aushalten und nach vorne schauen.“
„Die Schließung war am Anfang schon ein Schock“, gibt Friseurmeisterin Anika Thiemann von Coiffeur Werner Schumann in der Heimfelder Straße zu. „Ich fand es persönlich allerdings richtig, da man ja schauen musste, wie sich das Virus verbreitet.“ Aber natürlich habe es auch Existenzängste gegeben, weil niemand wusste, wie es weitergeht.
„Die Zeit bis zur Öffnung haben wir genutzt, um den Hygieneplan umzusetzen. Zum Glück haben wir einen großen Salon“, so Thiemann. „Dann haben wir die Kunden angerufen und Termine gemacht. Das wurde positiv angenommen.“ Der erste Tag nach der Wiedereröffnung ging von 8 bis 20 Uhr und „war krass“. Niemand habe so richtig gewusst, wie man sich verhalten soll. „Schwierig ist, dass wir keine Getränke auftischen dürfen, ebenso auch die persönliche Begrüßung mit Handschlag fällt weg“, so Thiemann.
„Die Wiedereröffnung war bei uns gut – jeder hat die neuen Regeln befolgt“, berichtet Renate Jäger von Renger’s Profi Haar Shop im Phoenix Center in Harburg. Gleich nach der Wiedereröffnung kamen dann auch schon die Kunden, um sich endlich wieder eine gute Frisur zu gönnen. „Der Bedarf war nach der langen Zeit auch da“, so Jäger. Die Schließung habe man den Umständen entsprechend gut überstanden.

Renate Jäger, Julia Koch und Natalie Schmalz freuen sich über die gelungene Wiedereröffnung. Foto: Kreller
Frisieren und Färben mit Maske: Der neue Arbeitsalltag von Anika Thieman. Foto: Kreller

 

 

 

 

 

 

Hygiene- und Abstandsregeln

Für einen Friseurbesuche gelten mehrere Vorgaben: Um im Falle einer Corona-Erkrankung die Infektionskette nachvollziehen zu können, müssen Kunden ihre Adresse sowie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse hinterlegen.

Der Abstand von mindestens anderthalb Metern muss um jeden Arbeitsplatz eingehalten werden. Zwar sind Friseurbesuche ohne Termine erlaubt, Kunden werden jedoch gebeten Termine vorab zu vereinbaren, um ein hohes Aufkommen zu verhindern. Wartebereiche innerhalb des Salons sind nur unter bestimmten Voraussetzungen – vor allem dem Einhalten des Mindestabstands – gestattet.

Kunden dürfen Friseure nur besuchen, wenn sie sich gesund fühlen. Ein Nasen- und Mundschutz sind für Friseure und Kunden vorgeschrieben. Kunden müssen beim Betreten des Salons ihre Hände desinfizieren. Da sich jeder theoretisch auch noch auf dem Weg zum Friseur infizieren könnte, müssen sich Kunden die Haare im Friseursalon waschen lassen, um Viren abzutöten.

Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauenzupfen oder Bartpflege sind nur unter bestimmten Voraussetzungen wie dem Tragen einer Atemschutzmaske mindestens der Klasse FFP-2 erlaubt. Um zudem das Infektionsrisiko zu reduzieren, werden keine Getränke mehr angeboten, auch ausliegende Zeitschriften sind verboten. Nach einem Friseurbesuch werden die Arbeitsmaterialien und der Arbeitsplatz desinfiziert.

Mehr unter www.hamburg.de

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