Saga-Mieter Jörg Bäcker kritisiert die häufigen Mietsteigerungen: „Sollen jetzt die Bestandsmieter für den Bau von neuen Wohnungen aufkommen?", fragt er. Foto: cvs
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Für Jörg Bäcker, Anwohner der Thomasstraße, ist mittlerweile das Ende der Fahnenstange erreicht. „Zum x-ten Mal in Folge ist bei uns die Miete erhöht worden“, ärgert sich der Saga-Mieter. Seit rund 20 Jahren lebt Bäcker in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit 71 Quadratmetern in dem charakteristischen Rundbau an der Ecke Thomasstraße/Bahrenfelder Steindamm, der aufgrund der abwechselnd hellen und dunklen Fassadenklinker auch „Schichttorte“ genannt wird.

Bis vor etwa zehn Jahren habe es kaum Mieterhöhungen gegeben – seither jedoch regelmäßig alle 15 Monate um durchschnittlich zwei bis sechs Prozent. Rund acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zahlt Jörg Bäcker inzwischen. „Wenn das so weiter geht, liegen wir in zehn Jahren bei zwölf Euro und in 20 Jahren bei fast 18 Euro pro Quadratmeter!“

Über das Internetportal nebenan.de hat der Saga-Mieter eine Umfrage unter seinen ebenfalls betroffenen Nachbarn (Thomasstraße 1 – 9 und Bahrenfelder Steindamm 41 – 49) gestartet und über 60 Rückmeldungen bekommen. Ergebnis: In den letzten 20 Jahren – zum Teil auch innerhalb der letzten zehn Jahre – hat sich die Miete fast durchweg um fast 50 Prozent erhöht. Ähnliche Zahlen kamen von Bewohnern der Saga-Siedlung Friedrich-Ebert-Hof (Friedensallee). Alles in allem würden die Mieter die Anhebungen möglicherweise akzeptieren, wenn die Saga sich im Gegenzug besser um die Gebäude kümmern würde. „Zum Beispiel wurden die Treppenhäuser ewig nicht gestrichen“, hat Bäcker festgestellt. Auch die Mülltonnenplätze und der Zustand der Fahrradständer seien bereits häufig moniert worden.

„Bündnis für Wohnen“ als Preistreiber?

Die Saga begründet die Mietsteigerungen mit dem aktuell großen Wohnungsbedarf in der Hansestadt: „Als Partnerin im ,Bündnis für das Wohnen’ engagieren wir uns mit dem Bau von durchschnittlich 2.000 Wohnungen pro Jahr bei gleichbleibend hohen Investitionen in den Bestand“, sagt Saga-Sprecher Gunnar Gläser. Was die „Schichttorte“ betreffe, seien zuletzt 2006 und 2007 „umfangreiche Modernisierungen“ (unter anderem Dämmarbeiten, Fenstererneuerung, sowie Bad- und Küchenmodernisierung) durchgeführt worden. „Weitere, zum Teil nachvollziehbare Wünsche der Mieter haben wir bereits in unsere mittelfristige Investitionsplanung aufgenommen“, so Gläser.

 

Infos zur Saga: Laut aktuellem Geschäftsbericht investiert die Saga jährlich rund 600 bis 700 Millionen Euro in den Hamburger Wohnungsbau. Der Gewinn liegt in diesem Zeitraum bei 200 Millionen Euro. Als Durchschnittswert für die Hansestadt gibt das Unternehmen einen monatlichen Mietpreis von 6,64 Euro kalt pro Quadratmeter an. Nach Auskunft von Sprecher Gunnar Gläser hat Hamburg mehr als 134.000 Saga-Wohnungen. Die Durchschnittsmiete liege „seit vielen Jahren rund 20 Prozent unterhalb des Hamburger Mietenspiegels“. cvs

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