Reform-Böhm-Klarinette mit 20 Klappen und 7 Ringen, entwickelt 1949. Foto: Leitner & Kraus GmbH/wikimedia
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Neues vom Nachbarn – Wochenblatt Kolumne von Oliver Lück

Jede Kolumne braucht Leser, wenn sie fertig ist. Aber diese kleine Geschichte brauchte die Leser schon, bevor sie überhaupt geschrieben werden konnte, ja: Sie hätte ohne euch gar nicht entstehen können. Denn wieder einmal habt ihr mit euren zahlreichen Zuschriften und Leserbriefen quasi selber entschieden, worum es sich heute drehen soll. Und das kam so:

Vor einiger Zeit hatte ich über die von meinen Kindern erdachten Worte und Redewendungen geschrieben – vom Paparieren, dem Verdickern und dem Sich-Hinsesseln. Was wiederum viele von euch dazu bewegte, mir die wunderbaren Wortkreationen eurer Enkel und Kinder zu schicken.

So schrieb Heidi N. von ihrer Tochter Toya (drei Jahre): „Mama, steck doch mal wieder eine Wunderkerze an, ich habe schon so lange keine mehr abgewundert.“ Hannelore und Eckart M. erinnerten sich an einen Ausdruck ihrer Enkelin Nina. Zum genauen Untersuchen von kleinen Dingen benutzte sie immer Opas Lupe: „Ich muss das jetzt erstmal lupen!“ Und Barbara R. berichtete, wie der damals zweieinhalbjährige Enkel bei ihr übernachtete und sie zum Aufstehen bewegen wollte. Als alle seine Bemühungen nicht halfen, kam folgender Satz: „Oma, dunkel fertig!“

Wie hartnäckig kindliche Worterfindungen den Menschen ein Leben lang begleiten können, schrieb Susanne V., deren inzwischen 23 und 17 Jahre alten Kinder sich bis heute „abverreden“, wenn sie sich mit Freunden treffen wollen. „Am besten aber“, so Susi weiter, „ist unser Synonym für ein damenhaftes Bekleidungsstück, das bei uns tatsächlich immer noch in Gebrauch ist: der Brustbehälter.“ Ich denke, alle wissen, was gemeint ist.

Zum Abschluss noch Gisela B., die von einem Geburtstag ihres Mannes berichtete, der eine Klarinette geschenkt bekommen hatte. Der damals dreijährige Enkel informierte die eintreffenden Freunde und Verwandte: „Opa ist noch in seinem Zimmer. Er hat da ’ne kleine Nette und spielt mit ihr.“ Ich wette, die abverredeten Gäste haben sich darauf mächtig einen abgewundert.

Oliver Lück. Foto: heiderose-gerberding

 

 

 

 

 

 

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Auch das Buch „Zeit als Ziel“ hat Oliver Lück verfasst. Foto: pr

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

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