Die Macher der Hamburg Towers: Geschäftsführer Jan Fischer (l.) und Marvin Willoughby. Beide stehen auch für die Idee, mit Sport Gutes zu tun - besonders für die Kinder im Quartier. Foto: towers

Nächstes Ziel: Großsportverein – und das halten andere Wilhelmsburger Clubs davon

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd.
Die Hamburg Towers sind auf dem Weg zum Großsportverein. „Wir wollen die Angebotsvielfalt auf der Elbinsel steigern“, sagt Towers-Geschäftsführer Jan Fischer. Die Mitgliederzahl soll laut Masterplan in den nächsten Jahren von jetzt 500 auf 5.000 wachsen. Andere Vereine sollen darunter nicht leiden. „Der Kuchen ist groß genug für alle“, so Fischer. „Nur acht Prozent der Wilhelmsburger sind in Vereinen organisiert, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei etwa 30 Prozent.“
Zum geplanten Quartierssporthaus im Rathausviertel, der neuen Heimat der Towers, gehören eine Dreifeldhalle und ein Fitnessstudio (das Wochenblatt berichtete). Der Fitness- und Gesundheitsbereich soll Überschüsse erwirtschaften, die dann anderen Bereichen des Vereins zu Gute kommen. Auch die Einrichtung eines Sportkindergartens ist vorgesehen.
Towers-Fußballteams, die am regulären Spielbetrieb teilnehmen, sind nicht geplant. „Fußball ist in Wilhelmsburg schon stark besetzt“, sagt Jan Fischer, der sich aber vorstellen kann, Freizeitfußball anzubieten. Und was ist mit Handball? „Diese Sportart haben wir nicht im Fokus. Ein Bedarf besteht beim Kickboxen und KungFu. Generell stellt sich aber immer die Frage, wer mit welchen Nachfragen auf uns zu kommt.“
Klar ist: Bei den Towers geht es primär um Basketball. „Die Dreifeldhalle im Quartiershaus können wir komplett bespielen“, so Fischer, „außerdem werden wir weiter städtischen Hallen anmieten müssen.“
Gibt’s einen regelmäßigen Austausch mit den anderen Vereinen auf der Elbinsel? Fischer: „Dieser Bereich liegt zur Zeit etwas brach. Wir hatten
Initiativen angeregt, es gab aber wenig Bereitschaft zur Kooperation.“
Als Vorbild für die angestrebte Towers-Vereinsentwicklung dient der ETV. Der Eimsbüttler Club zählt mit seinen 15.000 Mitgliedern zu den größten Breitensportvereinen Deutschlands. Er hat 21 Abteilungen, ein eigenes Sportzentrum, ein Fitnessstudio, ein eigenes Bootshaus, einen Fußballplatz, vier Beachvolleyballfelder…
„Wir wollen der ETV von Wilhelmsburg werden“, sagt Towers-Geschäftsführer Jan Fischer.

Das halten Einigkeit und der TCW von den Plänen der Towers:
Was halten andere Sportvereine in Wilhelmsburg davon, dass mit den Towers ein großer Konkurrent heranwächst? Für Einigkeit Wilhelmsburg nimmt Vorstandsmitglied Jörg Ratzmer Stellung: „Wir freuen uns über das Engagement unseres Nachbarn, der Hamburg Towers-Stiftung, für unseren Stadtteil. Dies wird zu einer verbesserten Außenwahrnehmung von Wilhelmsburg führen, von der alle ansässigen Vereine zumindest indirekt profitieren werden.
Bereits das Towers-Projekt „Sport ohne Grenzen“ von 2006 findet unsere ungeteilte Zustimmung. Jedes Angebot, das die sportliche Bandbreite sowie die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Wilhelmsburg erhöht, kann mit unserer Unterstützung rechnen.
Als Einspartenverein mit deutlich geringerer medialer und finanzieller Reichweite als unser Basketball-Bundesligist leisten wir dennoch im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zur Förderung des Sports und des Gemeinwesens. Mit der Fertigstellung der neuen Sportanlage an der Dratelnstraße (Zweifeldanlage, Kunstrasen, überdachtes Soccer-Halbfeld) sowie den zu erwartenden Zuzügen von Neu-Wilhelmsburgern rechnen wir mit einem Wachstum der Mitgliederzahlen unseres Vereins.
Unser größtes Problem ist nicht unsere finanzielle Ausstattung, sondern vielmehr das Gewinnen von Ehrenamtlichen, Betreuern und Trainern. Für Projekte (Turniere, Feste, Ausfahrten,…) – also kurzzeitig dauerndes Engagement – lassen sich ausreichend Helfer finden. Für eine verlässliche Kinder- und Jugendarbeit benötigt aber jeder ehrenamtlich organisierte Verein Mitstreiter, die sich über längere Zeit engagieren.
Das Hauptaugenmerk des Vereins liegt zur Zeit auf den zum Jahreswechsel (bisheriger Informationsstand) terminierten Umzug auf die neue ‘alte’ Anlage in der Dratelnstraße und den damit zu erwartenden Zustrom neuer Mitglieder.“

Für den TC Wilhelmsburg spricht Manfred Burbach: „Wir beschäftigen uns im Turn-Club Wilhelmsburg bereits seit geraumer Zeit – nicht erst vor dem Hintergrund der geplanten Neubauprojekte in unserem Stadtteil – mit der Beantwortung von Zukunftsfragen. Zu diesem Zweck haben wir ein entsprechendes Konzept erstellt, in dem es um strategische Überlegungen sowie mittel- und langfristige Lösungsansätze für die künftigen Herausforderungen unseres Vereinsalltags geht.
Gegenstand unserer Strategie zur Mitgliedergewinnung ist beispielsweise die permanente Weiterentwicklung unseres Sportangebots und das Aufgreifen neuer sportlicher Trends. Aber auch unser bestehendes Sportangebot bietet unseres Erachtens ausreichend Anreize, sich sportlich zu betätigen.
Mit den anderen Wilhelmsburger Sportvereinen und den Fitness-Centern pflegen wir ein freundschaftliches miteinander. Wir sehen uns für die Zukunft gut aufgestellt und freuen uns auf den Bevölkerungszuwachs.“
Der SV Wilhelmsburg hat bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme geschickt.

Die größten Sportvereine der Elbinsel neben den Towers:
SV Wilhelmsburg:
1.443 Mitglieder
TUS Harburg-Wilhelmsburg: 1.330 Mitglieder (Vereinssportzentrum ist in Harburg)
TC Wilhelmsburg:
517 Mitglieder
Einigkeit:
468 Mitglieder
SC Wilhemsburg: 227 Mitglieder

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here