Die „Inseldeerns“ proben jetzt ausschließlich online. Foto: sven timian
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Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Spätestens nach drei oder vier Wochen habe auch ihr etwas Entscheidendes gefehlt, sagt Kristina Bischoff, Chorleiterin der „Inseldeerns“. „Eine Probe heißt nicht nur, dass man miteinander singt“, erzählt Bischoff, die außerdem einen Nachbarschaftschor im Reiherstiegviertel leitet. „Chor ist gelebte Gemeinschaft. Für viele von uns bilden die wöchentlichen Proben eine Art Lebensmittelpunkt!“
Und so treffen sich die Inseldeerns – ein vor 14 Jahren entstandenes, rein weibliches Gesangsensemble mit derzeit rund 25 Sängerinnen zwischen 20 und 60 Jahren – seit kurzem ausschließlich online. Auf dem Portal zoom.de bietet Kristina Bischoff jeden Mittwochabend eine virtuelle Chorprobe an. „Echtes Chorsingen ist natürlich etwas anderes“, sagt sie. „Aber immerhin entsteht auf diese Weise eine Art von Kontinuität.“
Wie bei der „analogen“ Probe auch startet die Zoom-Session mit einem ausgiebigen Warm-Up (Bischoff: „Ich bin die Vorturnerin!“), bevor schließlich das eigentliche Singen losgeht. Wichtig: Da aufgrund unterschiedlicher „Latenzzeiten“ ein gemeinsamer Chorklang praktisch ausgeschlossen ist, probt die Leiterin gerne in kleineren Stimmgruppen (Sopran, Mezzosopran oder Alt), in denen dann auch mal einzeln vorgesungen werden darf. „Zum Lernen ist das sogar besser als eine richtige Probe“, erklärt die Chorleiterin.
Die Inseldeerns sind ein erfahrenes Gesangsensemble, das schon bei den Cruise Days, auf dem roten N3-Sofa von Das! und bei Achim Reichel im Tonstudio gesungen hat. Trotzdem, sagt Bischoff, werde niemand zum Vorsingen gezwungen. „Das macht jede einzelne, wie sie möchte!“
Im Zweitberuf arbeitet Kristina Bischoff als freiberufliche Radioredakteurin im Bereich Kultur. „Dort sind natürlich viele Aufträge weggebrochen“, berichtet sie. Insofern sei sie dankbar, dass ihre Chöre sich solidarisch zeigten und sie weiter bezahlten.
Laut Angelika Eilers, Präsidentin des Chorverband Hamburgs, bleiben „echte“ Chorproben noch bis mindestens Ende Mai untersagt. „Wenn die Situation so bleibt wie in den vergangenen Wochen, wird es in Kürze weitere Lockerungen geben, die hoffentlich auch unsere Chöre betreffen werden“, so Eilers. Am gestrigen Dienstag (nach Redaktionsschluss) wollte der Senat weitere Maßnahmen verkünden.

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