Heimo Rademaker, Chef von Marias Ballroom, musste den gesamten Getränkevorrat verkaufen. Foto: Kreller

Harburgs Rock-Tempel hat seit Wochen keine Einnahmen – Öffnung erst möglich, wenn es einen Impfstoff gibt

Andreas Göhring, Harburg. Jetzt geht es ans Eingemachte: Heimo Rademaker, Chef des legendären Rock-Schuppens „Marias Ballroom“ im Phoenix-Viertel, hatte zu einer Rettungsaktion aufgerufen und fast die kompletten Getränkevorräte des Klubs zum Kauf angeboten. Seit Wochen kommt kein Geld mehr rein, der Klub ist dicht. Eine Perspektive gibt es zurzeit auch nicht, Rademaker selbst musste zum Jobcenter, um wenigstens selber finanziell überleben zu können.
Für einen kleinen Laden wie den „Ballroom“ ist die Abstandsregel schwer umzusetzen. „Zu unseren Konzerten kommen manchmal 100 Gäste“, sagt Rademaker. „Wenn die alle tanzen und schwitzen und dann auch noch 1,50 Meter Abstand halten sollen, dürften wir maximal zehn Leute reinlassen.“
Ob sich das in absehbarer Zeit ändert? Wohl kaum. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, ein ausgewiesener Kenner der Hamburger Klubszene, sieht die Probleme, kümmert sich, führt viele Gespräche, sein Fazit macht aber wenig Hoffnung:   „Veranstaltungen, die mit Nähe, Körperkontakt, Schwitzen und schwer Atmen zu tun haben, werden erst stattfinden, wenn wir einen Impfstoff haben.“
Kleiner Trost: Der Notverkauf der Getränkekisten war der absolute Renner. Einige seien sogar aus Stadtteilen nördlich der Elbe gekommen, Marias Ballroom ist weit über die Grenzen Harburgs hinaus bekannt. Rademaker: „Bis auf ein paar Nischenprodukte wie Schweppes Ginger Ale ist alles weggegangen.“
So wie Marias Ballroom geht es momentan einer ganzen Reihe von kleinen Harburger Kulturorten, die von der Stadt nicht unterstützt werden. Bisher scheint das die Bezirkspolitik aber nicht besonders zu kümmern. Ohne weitere Erklärungen sind alle Sitzungen des Kulturausschusses bis September abgesagt worden.
Das läuft in den anderen Hamburger Bezirken ganz anders. Da haben die Ausschüsse, die für die Kultur zuständig sind, im Mai und auch im Juni getagt – jeweils mit vielen verschiedenen Punkten auf der Tagesordnung. „In Harburg liegt die Kultur nicht nur brach, es werden auch Perspektiven zerschlagen“, sagt Rademaker als Sprecher der Initiative SuedKultur.
Immerhin scheint sich jetzt etwas zu bewegen. Jürgen Heimath, Vorsitzender der Harburger Bezirksversammlung: „Bei dringendem Bedarf können die jeweiligen Vorsitzenden der Ausschüsse zu einer Sitzung einladen.“

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