Fälle häuslicher Gewalt nehmen, so befürchten Experten, in der Corona-Krise zu. Foto:panthermedia
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Karin Istel, Süderelbe. Ein dumpfer Aufprall auf den Boden, dann ein Schrei aus der Nachbarwohnung. „Am besten ist es, als Nachbar jetzt zu klingeln und nach Milch oder
Zucker zu fragen. Damit wird möglicherweise eine Gewaltsituation unterbrochen“, sagt Sally Mc Donnell.
Sie ist die Leiterin des Projektes „Stadtteile ohne Partnergewalt“ (StoP) in Neuwiedenthal und Hausbruch. „Und wenn der Schrei nur aus dem Fernseher kam, hat man ja nur nach
Zucker oder Milch gefragt. Das ist besser, als nicht zu klingeln, und da wäre was. Außerdem bekommt die gewalttätige Person mit, dass die Nachbarschaft aufmerksam ist.“
Häusliche Gewalt ist leider alltäglich. „Gewalt in Partnerschaften oder Familien kommt im Stadtteil täglich vor, in allen gesellschaftlichen Schichten“, weiß die Sozialpädagogin.
Das StoP-Projekt setzt dort an, wo Gewalt meist passiert: zuhause, im Stadtteil. „ Wir wollen die Männer und Frauen in der Nachbarschaft ermutigen hinzuschauen und sich im positiven Sinne einzumischen. Nachbarn sind nah am Geschehen, können schnell helfen. Wir vermitteln Wege, damit Nachbarn schnell Hilfe leisten können“, sagt die 28-Jährige. „Viele meinen, Gewalt in der Partnerschaft ist eine Privatsache. Das stimmt nicht. Hier werden Menschenrechte verletzt. Das geht uns alle an, da darf man nicht wegschauen.“
Frauen, die geschlagen werden, haben oft Angst, offen darüber zu reden. „Werden die Kinder stiller oder Frauen zeigen Verletzungen, kann das ein Zeichen für häusliche Gewalt sein. Sind die Frauen allein, kann man sie freundlich ansprechen“, so Mc Donnell. „Wird auf die Frage ‘Geht es Ihnen gut?’ geantwortet ‘Nein, da ist nichts’, sollte man signalisieren, dass man auch zu einem späteren Zeitpunkt da ist, wenn die Frau Hilfe braucht.“
Kommt es in der Corona-
Krise, wo die ganze Familie wochenlang in der Wohnung zusammen ist, zu mehr Gewalt? Mc Donnell: „Es ist zu vermuten, dass die Gewalttaten in der Familie steigen. Doch gesicherte Angaben liegen mir nicht vor. Die Dunkelziffer ist hoch. Denn für die Frauen ist es deutlich schwieriger, sich Hilfe zu holen, da sie seltener als bisher allein unterwegs sind, beispielsweise zum Einkaufen.“
Aufmerksame Nachbarn, die zuhören, können Leben retten. „In Stadtteilen, in denen Frauen über Gewalt sprechen können, kommt es zu weniger Frauenmorde als in Stadtteilen, in denen darüber geschwiegen wird“, macht Mc Donnell deutlich.

Kontakt
Neuwiedenthal/ Hausbruch:
Sally Mc Donnell
E-Mail: neuwiedenthal@ stop-partnergewalt.org
www.stop-partnergewalt.org

Hilfetelefon
Gewalt gegen Frauen
Tel 08000 116 016

 

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