Im Ford Store Tobaben in Harburg begrüßt Victor Hafner die Kunden. Fotos: kreller
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Niels Kreller, Hamburg-Süd. Seit gut zwei Wochen haben viele Geschäfte wieder geöffnet. Überall gelten strenge Hygiene- und Abstandsregeln. So soll eine zweite Ausbreitungswelle des Corona-Virus verhindert werden. Wie hat der Handel im Hamburger Süden den Lockdowns überstanden? Wir haben bei fünf Firmen nachgefragt.

„Zum Glück gibt es jetzt wieder Probefahrten bei uns“, freut sich Jochen Busse vom Ford Store Tobaben aus der Buxtehuder Straße. „Wir sind voll da.“ Ein Vorteil der Automobilhändler sei es, dass die Hygienemaßnahmen hier besser funktionieren würden als in manch anderen Unternehmen, da mehr Platz vorhanden seien. „Wir haben die Wartezonen auseinandergestellt, der Spuckschutz ist gut organisiert“, so Busse. „Der Gebrauchtwagenverkauf und die Werkstatt laufen gut“, so Busse. Allerdings seien die Unfälle zurückgegangen. „Woran es liegt, ob es keine Unfälle gibt oder weniger Gutachter wegen Corona im Einsatz sind – wer weiß“, so Busse.

„Zu Anfang haben wir den Einbruch gespürt“, sagt Arthur Hanert von Alkon PC am Harburger Sand. Aber mit den Businesskunden, die weiter betreut wurden, lief es dann. Besonders auch im Bereich des Home Office. „Da hatten wir viel mehr zu tun“, so Hanert. Allerdings habe es dann irgendwann Lieferschwierigkeiten bei PC-Kameras und Headsets gegeben. „Aber so haben wir die Lücke meistern können.“ Seit der Öffnung kommen auch die Privatkunden wieder. „Das freut uns sehr“, so Hanert.

Bei „Handy Welt“ am Schloßmühlendamm ist der Neustart schwierig. Die Kunden hätten Angst, Geld auszugeben, berichtet Mustafa Colak. „Ehrlich gesagt, hat jeder Angst vor seiner Zukunft und was passiert, wenn die zweite Welle kommt. Es wird jetzt nur gekauft, was wirklich nötig ist.“ Wenn es so wie jetzt weiter gehe, befürchtet Colak, werde es bald keinen Einzelhandel mehr geben. „Ich denke, wir haben über die Jahre unseren Job richtig gemacht. Jetzt ist es Zeit, den Einzelhandel zu unterstützen.“

„Es war eine undankbare Zeit“, so Heiko Christ von „Der Küchenplaner“ an der Cuxhavener Straße. „Wir haben versucht, alles online zu machen mit, aber das hat viel mehr Zeit gekostet als sonst. Ich bin jemand, der das face-to-face braucht.“ Das größte Problem sei für ihn gewesen, dass die Hersteller im Lockdown waren und die Produktion dicht gemacht hätten. „Wir konnten nichts ausliefern – aber die Nachfrage bei uns war ja da“, so Christ. Die verkauften Küchen könnten erst ab Mitte Juni können ausgeliefert werden. „In der Zeit habe ich natürlich Existenzängste gehabt – man weiß ja nicht, wie es weitergeht. Heute sehe ich das etwas lockerer.“

Die Fahrradbranche hatte es besser getroffen als viele andere, berichtet Tim Fandre von
Velo54 aus der Veringstraße. „Dadurch, dass in letzter Zeit viele Menschen zu Hause waren, haben sich viele Fahrräder gekauft, gerade auch Kinderfahrräder“, so Fandre. Da das Wetter trocken gewesen sei, hätten viele Radfahren als Freizeitmöglichkeit vor Ort entdeckt.
Da sei eher das Problem, dass die Lieferanten, von denen viele in Fernost säßen, nicht hinterherkommen seien. Die Werkstatt durfte weiterlaufen, und Verkauf, Auslieferung und Bezahlung wurde den Beschränkungen konform und kontaktlos organisiert. „Es ging viel über Mail und Telefon, das hat sich mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht.“

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