Mit der Verfüllung des Postgleistrogs sollen im Herbst die Bauarbeiten beginnen. Foto: MS
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Von Mateo Schneider. Die Erleichterung auf Seiten der Stadt war groß, nachdem das Hanseatische Oberverwaltungsgericht Anfang Februar das Klageverfahren gegen den neuen Fernbahnhof Diebsteich für beendet erklärt hatte. Bahn AG, Stadt und der klagende Verkehrsclub Deutschland VCD hatten sich auf einen Vergleich geeinigt. Im Herbst sollen im Postgleistrog erste bauvorbereitende Maßnahmen beginnen.

„Vor uns liegt eine Dekade, in der für das System Schiene in Hamburg die Weichen richtig gestellt sind“, hatte Finanzsenator Andreas Dressel, der für den Senat federführende Verhandler, den Vergleich geradezu euphorisch kommentiert. Und VCD-Vorstandsmitglied Rainer Schneider war sich sicher: „Die Aufgabe des Bahnhofs in der Mitte von Altona wiegt schwer, und dennoch überwiegen die erzielten Gewinne deutlich.“ Genau das aber bestreiten Kritiker des Projekts weiter entschieden.

Werden vier statt zwei S-Bahngleise gebraucht?

„Es ist traurig mitanzusehen, wie Senat und Bahn entgegen allen Warnungen und Protesten veraltete Bahnprojekte aus dem vorigen Jahrhundert durchziehen, ohne die geänderten Rahmenbedingungen durch Klimawandel, Verkehrswende und jetzt Corona zu berücksichtigen“, lässt beispielsweise Michael Jung von der Initiative „Prellbock Altona“ kein gutes Haar am Ergebnis des Vergleichs. Zudem bemängelt die Initiative, dass der Vergleichstext nicht veröffentlicht worden sei.

Zwar habe ein „unabhängiges Ingenieurbüro bestätigt, dass der neue Bahnhof am Diebsteich die geforderten bis zu 31 Züge pro Stunde bewältigen kann und damit für die Zukunft des Bahnverkehrs ausreichend robust geplant wird“, so der Senat in einer Presseerklärung. Aber 31 Züge seien die heutigen Erfordernisse und die Bahnhofsplanungen böten keinen Platz für Erweiterungen, so die Initiative. Altona könne derzeit 48 Züge stündlich bewältigen.

In ihren Augen ist die fehlende Pufferfunktion am Diebsteich nicht der einzige gravierende Nachteil. Weitere grundlegende Elemente einer Verkehrswende für den Mobilitätsraum Hamburg könnten nicht verwirklicht werden: Der Ausbau der Güterumgehungsbahn zu einer S-Bahn-Ringlinie wie in Berlin, den Bau einer S32 zur Science City und nach Lurup, Osdorf und Schenefeld und schließlich den Bau des „Erlemann-Tunnels“ zur Kapazitätserweiterung der Verbindungsbahn. Für all das würden am Diebsteich vier anstelle der geplanten zwei S-Bahngleise benötigt.

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