Das Eckhaus Fährstraße/Hafenrandstraße mit der auffälligen Wandbemalung muss womöglich dem Deichschutz weichen. Foto: pr

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg.
Den Bewohnern des Eckhauses Fährstraße/Hafenrandstraße muss die Nachricht der Umweltbehörde vorgekommen sein wie ein ganz schlechter Aprilscherz. „Die Idee, das Haus abzureißen, ohne das eine konkrete Planung für das weitere Vorgehen existiert, halten wir für völlig absurd“, sagt Joachim van Edom, einer von insgesamt 16 Mietern in der Fährstraße 115.
Seit 13 Jahren gibt es das Wohnprojekt im äußersten Westen des Reiherstiegviertels. Hauptsächlich Studenten, Auszubildende und junge Berufstätige leben hier. Kürzlich ergab sich die Gelegenheit, das Haus zu übernehmen – die Finanzierung sollte über das sogenannte Mietshäuser-Syndikat laufen. Der Kaufvertrag zwischen Besitzer und Mieterschaft war bereits unterschrieben, doch dann legte die Stadt ihr Veto ein.
Das Gebäude liege zu nah am Deich, hieß es. Um den Hochwasserschutz zu sichern, sei man gezwungen, das bei (Hamburger Grundstücksverkäufen geltende, d. Red.) Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Inzwischen liegt auch der Ausübungsbescheid vor, mit dem die Stadt ihr Vorhaben begründet. Die Bewohner zweifeln jedoch an dessen Rechtmäßigkeit und haben über einen Anwalt Widerspruch eingelegt.
Ihre größte Befürchtung ist, dass das Haus abgerissen werden könnte. „Wir haben 13 Jahre lang viel Zeit und Arbeit in den Erhalt des Hauses investiert“, sagt eine Bewohnerin. „Unser Ziel war es, hier in Wilhelmsburg dauerhaft günstigen Wohnraum zu sichern und den Stadtteil aktiv mitzugestalten. Dieses Vorhaben ist nun akut gefährdet.“
Noch-Besitzer Konrad Grevenkamp hat bereits mehrere ähnliche Wohnprojekte im Stadtteil aus der Taufe gehoben. Sein Credo lautet: Günstiger Wohnraum für junge Leute „Ich finde den Ansatz der Finanzierung über das Mietshäuser-Syndikat gut und möchte ihn unterstützen“, sagt er. Nun werde er wahrscheinlich ebenfalls Widerspruch einlegen. „So wie es jetzt läuft, ist das nicht in meinem Sinne“, sagt Grevenkamp.
Auch der Denkmalverein Hamburg setzt sich für den Erhalt des gründerzeitlichen Wohnhauses (Baujahr: um 1905) ein: So habe bereits eine Machbarkeitsstudie von 2011 gezeigt, dass der Hochwasserschutz auch ohne einen Abriss möglich wäre, heißt es in einer Pressemitteilung. Auf der Webseite www.openpetition.org werben die Bewohner um Unterstützer. Ende letzter Woche hatten bereits knapp 4.500 Menschen unterschrieben.

Das sagt die Behörde
Der Stadt geht es um die Sicherheit von rund 55.000 Elbinsel-Bewohnern. Langfristig soll der Deich um 80 Zentimeter erhöht werden – wobei das betroffene Haus in der Fährstraße angeblich zum Problem werden könnte. Das Elbe Wochenblatt sprach mit dem Staatsrat der zuständigen Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Michael Pollmann (Foto).

Warum macht die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend? Auch unabhängig von den künftigen Hochwasserschutz-Maßnahmen war der Erwerb des Grundstücks erforderlich, da das Objekt bereits heute nicht den nötigen Abstand zum Deich aufweist. Der Hochwasserschutz für Hamburg ist eine Gemeinschafts- und Daueraufgabe, um alle Menschen in den betroffenen Gebieten sicher vor Sturmfluten schützen zu können. Hier betrifft es viele tausende Anwohner und Anwohnerinnen.

Falls die Stadt das Gebäude kauft: Mit welchen Konsequenzen müssen die Bewohner rechnen? Wie lange können sie dort noch wohnen bleiben? Ich stehe mit den Mitgliedern des Wohnprojektes in der Fährstraße 115 im Kontakt. Die Planungen für den konkreten Deichabschnitt haben allerdings gerade erst begonnen, so dass – wenn die Arbeiten frühestens 2024 beginnen – ausreichend Zeit besteht, um eine gute Lösung auch für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses in der Fährstraße zu finden. Dafür werde ich mich einsetzen, und dies habe ich dem Wohnprojekt auch zugesichert.

Das neue Spreehafenviertel soll ebenfalls in unmittelbarer Deichnähe entstehen. Hier ist jedoch kein „Deichschutzstreifen“ vorgesehen. Warum nicht? Optisch wirkt es, als grenze das nördliche Spreehafenviertel an die Hochwasserschutzanlage Klütjenfelder Hauptdeich. Das ist aber nicht der Fall. Die Deichverteidigungsstraße liegt hier auf einem extra geschaffenen Absatz, einer Berme, auf der Binnenböschung.
Die Hafenrandstraße und die Harburger Chaussee sind nicht Teil des Klütjenfelder Hauptdeiches. Der Böschungsfuß des Klütjenfelder Hauptdeiches liegt nördlich der Hafenrandstraße und der Harburger Chaussee. Und von diesem Böschungsfuß ist ein Bereich von 15 Metern von Bebauung frei zu halten, was durch die Hafenrandstraße und die Harburger Chaussee gewährleistet wird. Ein weiterer Schutzstreifen südlich der Straßen ist daher nicht erforderlich.

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