Astrid Kirchherr im Jahr 2012 bei einem ihrer setenen öffentlichen Auftritte. Foto: Vadim1913/wikimedia

Die Schwarzweißporträts, die Astrid Kirchherr fotografieren wollte, hatte sie schon länger im Kopf. Als sie im Herbst 1960 fünf junge Männer in Lederklamotten auf der Bühne des Kaiserkellers sah, wusste sie, dass sie ihr Motiv gefunden hatte. Die Fotos, die Kirchherr einige Tage später von den Beatles auf dem Heiligengeistfeld machte, wurden weltberühmt. Am 13. Mai ist Astrid Kirchherr acht Tage vor ihrem heutigen 82. Geburtstag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Die Musiker aus Liverpool waren beeindruckt von der blonden jungen Frau mit Kurzhaarschnitt, die in Ballettschuhen im Käfer-Cabrio mit einer großen Rolleicord-Kamera auf den Dom gekommen war. „Ich war allein, mein Englisch war eine Katastrophe“, erinnerte sich Kirchherr in einem Interview. Nach den Aufnahmen lud sie die Musiker in die Eimsbütteler Straße 45a ein, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter Nielsa lebte.

Die Geschichte von Stu und Astrid wurde verfilmt

Die Wohnung wurde ihre Anlaufstelle, wenn die Musiker von ihrem Gemeinschaftszimmern im Bambi-Kino in der Paul-Roosen-Straße genug hatten, wo sie sich auf der Kinotoilette waschen mussten. Astrid und ihre Freunde, die als Existenzialisten anders als die Kriegsgeneration sein wollten, wurden die ersten Künstlerfreunde der Beatles.

Der damalige Bassist der Band, Stuart Sutcliffe, wurde Astrid Kirchherrs große Liebe. Er blieb in Hamburg, bekam als Künstler ein Stipendium an der Hochschule für Bildende Künste und übergab den Part am Bass an Paul McCartney. Im Film und Theaterstück „Backbeat“ wird die Geschichte der Freundschaft von John Lennon und „Stu“ und dessem tragischen Tod nach einer Gehirnblutung am 10. April 1962 berührend erzählt.

Bald darauf starteten die Beatles ihre Weltkarriere. Ihre Freundin Astrid besuchte sie im Auftrag des „Stern“ bei den Dreharbeiten zu „A Hard Day’s Night“. „Als sie auf ihrem Höhepunkt waren, da haben sie mir leid getan“, schilderte Kirchherr wie im Londoner Apartment von George Harrison und Ringo Starr 1964 Tag und Nacht mindestens 50 Mädchen vor der Tür standen.

Kurze Zeit später hörte Astrid Kirchherr auf, zu fotografieren. Immer wieder wurde sie nach den Fotos der Beatles gefragt, ihre anderen Bilder schienen niemanden mehr zu interessieren. Sie begann an ihrem Talent zu zweifeln. Ihr enger Freund George Harrison musste sie 1968 lange überreden, damit sie ihn für sein Soloalbum „Wonderwall“ fotografierte. Sein Angebot, nach London überzusiedeln, schlug sie aus.

Erst in den 1990er-Jahren begann sie, mit ihren Fotos Geld zu verdienen, nachdem sie die Bilder jahrelang umsonst weggegeben hatte. Ihre Werke wurden nun weltweit ausgestellt. Vor einigen Jahren verkaufte sie ihr Archiv und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Astrid Kirchherr blieb enthusiastisch, wenn sie Bilder junger Fotografen sah, die ihr gefielen. Sie nahm sich viel Zeit, um mit dem Zeichner Arne Bellstorf aus St. Pauli über ihre Zeit mit Stuart Sutcliffe zu sprechen. Bellstorf, der talentierte Zeichner aus St. Pauli, schuf daraus eine wunderbare Graphic Novel. Das Ergebnis gefiel Astrid Kirchherr so gut, dass sie es gemeinsam mit Bellstorf öffentlich vorstellte. Das Buch heißt so, wie der Song, den John Lennon und Paul Mccartney für ihre Freundin aus Hamburg schrieben. „Baby’s in Black“.

Die Eimsbütteler Straße 45a wird in der Nachbarschaft „Beatles-Haus“ genannt. Dort, im zweiten Stock war die Band häufig zu Gast. Foto: mg

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