War in ganz Hamburg unterwegs, um die Auswirkungen der Corona-Einschränkungen auf die Menschen in der Stadt zu Filmen: Filmemacher Berthold von Kamptz. Foto: pr

Gaby Pöpleu, Hamburg.
„Das ist eine Treppe die stets bergab geht“ – so beschreibt Low-Budget-Filmemacher Berthold von Kamptz sein neues Trash-Werk. „Corona – Tod in der Stille“ heißt der Streifen. Im Internet sind einige Teile des Mehrteilers bei YouTube auch unter „Corona – Tod im Feld“ zu finden. „Das war ein erster Arbeitstitel“, berichtet der Hamburger Maler, Filmemacher und Hauptdarsteller. In gut 20 bis zu 30 Minuten langen Kurzfilmchen beschreibt von Kamptz Hamburger Realität und Fiktion in Coronazeiten.
Der Künstler ist manchem Hamburger möglicherweise noch aus dem Jahr 1992 bekannt, als er mit „Psycho – Das Geheimnis des Phantom-Killers“, einer Punk-Version des Hitchcock-Klassikers „Psycho“, beim Fantasy-Filmfestival im Metropolis-Kino reüssierte. Nun bereiste er die halbe Stadt, war in der Innenstadt unterwegs, auf der Reeperbahn, im Jenischpark, Övelgönne und in Altona. Aber auch viel auf der Veddel, wo seine Freundin viele Bekannte hat, in Harburg und Hammerbrook, „diese ganze düstere Gegend zwischen den Hochhäusern.“
Düstere Gegenden gibt es in den Filmchen viele weitere in der Stadt, eigentlich sind alle Gegenden für von Kamptz düster. Man braucht schon ein sonniges Gemüt, um diese Sicht auf die Hansestadt gänzlich unbeeindruckt zu überstehen: „Aber das ist die Realität“, sagt Regisseur von Kamptz, „Die Leute sind alle arbeitslos, pleite, und am Ende sterben alle.“

So wandert Film-(Anti-?)held Erik mehr oder weniger ziellos umher und betrinkt sich. Eine alte Frau, der Erik wortlos Lebensmittel vor die Tür stellt, weint ständig, menschenleere Straßen, pöbelnde Passanten – das wirkt schon dämpfend aufs Gemüt, spiegelt aber vielleicht auch die echte Hoffnungslosigkeit vieler Menschen, die in der Krise nicht mehr weiterwissen.
Von Kamptz hofft entsprechend auf zeitdokumentarischen Wert seines Films. Dabei wird allerdings nicht ganz klar, wo die Realtität aufhört und die Fiktion, an der zehn Schauspieler mitgwirkt haben, anfängt. Am Jungfernstieg wird Berthold von Kamptz alias Erik das Portmonnaie geklaut. „Das war echt, ich wurde wirklich überfallen!“, sagt er.
So richtig fertig ist „Corona – Tod in der Stille“ noch nicht. „Macht nichts“, sagt von Kamptz, „Die Zuschauer können das Projekt bei YouTube anschauen, während es entsteht, das ist ja das Interessante daran.“ Am Ende will er aber aus den 16 Stunden Material einen „langen“ Film machen, „so 120 Minuten oder so“, kündigt von Kamptz an.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here