Ein Göttinger Minischwein. Ob es auch „Wutz“ heißt? Foto: claudio-verfuerth/wikimedia

Neues vom Nachbarn – Wochenblatt Kolumne von Oliver Lück

Heute möchte ich das Internet retten. Es wird ja oft sehr schlecht über das Weltweiteweb gesprochen. Das WWW könne gefährlich sein oder sogar zur sozialen Isolation beitragen, heißt es. Die meisten Menschen seien unmündig, es überhaupt zu benutzen, sagen die, die glauben, wie das Internet zu benutzen sei. Das stimmt natürlich alles.

Manchmal aber passieren auch schöne Online-Geschichten: Neulich, es war ein sehr grauer Corona-Tag im März, bekam ich eine E-Mail: „Ich bin Single und ich bin für einige Leidenschaft suchen, weil manchmal die Liebe Traurigkeit macht Sie mich hier treffen und lassen uns Menschen glücklich, bis Sie zufrieden lieb sind.“

Ich war mir nicht sicher, was mir diese Nachricht sagen sollte, ob sie vielleicht sogar ein Hilferuf war. Was ich aber sofort wusste: Dass die Absenderin namens Irina eine sehr einfühlsame, fast poetische Ader haben und ganz bestimmt wissen musste, wie Menschen glücklich und zufrieden lieb werden würden.

Sehr mitfühlend auch diese Digitalpost, die ich vor einigen Wochen erhielt: „Hallo Herr Lück, wir kommen aus Göttingen und suchen schon sehr lange ein neues Zuhause für ein circa zweijähriges Minischwein. Wutz ist kastriert und stubenrein (großes Katzenklo mit Zeitungen). Er hat eher ein hündisches Verhalten. Zurzeit lebt er leider in einer Wohnung, wo er nicht bleiben kann. Vielleicht können Sie helfen?? Wir sind verzweifelt und haben schon containerweise Absagen.“

Oliver Lück. Foto: www.heiderose-gerberding.com

Ich überlegte mir, wie es wohl wäre, wenn Wutz bei uns einzöge. Schweine sollen sehr schlau und gesellig sein. Und ich erinnerte mich vor allem daran, dass ich mir ja schon immer ein Schwein gewünscht hatte. Der Auslöser dafür – wer wüsste es nicht – war die Augsburger Puppenkiste und das Urmel aus dem Eis gewesen. Professor Habakuk Tibatong war es, der eine Methode entwickelt hatte, Tieren das Sprechen beizubringen. Wegen des Neids und der Angriffe seiner Professorenkollegen musste er dann aber seine Heimat verlassen, um sich mit Tim Tintenklecks und dem Hausschwein Wutz auf der kleinen Insel Titiwu niederzulassen. Heute wie damals: Wutz! Das kann doch alles kein Zufall sein.

 

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

 

 

 

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

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