Nach Ausbruch der Coronakrise übersteigt die Nachfrage – beispielsweise nach Einfamilienhäusern in Blankenese – weiterhin das Angebot. Foto: Engel & Völkers

Hamburger Immobilienpreise von der Coronakrise kaum betroffen

René Dan, Hamburg

Diese Nachricht hat für viel Aufsehen gesorgt: Mittelfristig könnte es infolge der Coronakrise bei den Immobilienpreisen zu einem Rückgang von zehn bis 25 Prozent kommen, so die Analyse des Forschungs- und Beratungsinstituts „Empirica“. Aber Kenner des Hamburger Wohnungsimmobilienmarktes erwarten keine derartigen Einbrüche, so das Ergebnis einer Wochenblatt-Umfrage.

„Die Immobilien sind weiterhin wertstabil“, sagt Lena Soyke, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Hamburg Elbe. Die Anzahl der Kundenanfragen nehmen zwar ab, dafür aber steige die Qualität von Aufträgen: „Anfragen mit starker Kaufabsicht“.

„Preise dürften schnell das vorherige Niveau erreichen“

Auch Lars Seidel, Geschäftsführer von Grossmann & Berger, verzeichnet einen Anstieg der Qualitätsanfragen. Zwar sei eine Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung schwierig, doch derzeit sieht Lars Seidel – wie auch Lena Soyke – keine Folgen für die Preise. „Kurzfristig“, so Seidel, „könnte es aufgrund der Unsicherheit im Markt und der leicht rückläufigen Nachfrage Preiskorrekturen nach unten geben. Allerdings dürften die Preise schnell wieder das vorherige Niveau erreichen, sobald sich die Lage normalisiert.“

Jens Grelle, Vorstandsvorsitzender der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg, hat für den Jahresbeginn 2020 im Vergleich zum Vorjahr einerseits „deutliche Angebotsrückgänge von gut 15 bis 25 Prozent auf den Bestandsmärkten in Hamburg und Schleswig-Holstein“ festgestellt. Andererseits werde sich an den Preisen kaum etwas ändern, solange der Wohnungsmarkt als Folge der Pandemie stagniert.

Allerdings handelte es sich bereits vor der Coronakrise um stolze Preise. In Hamburg sollte beispielsweise für eine bestehende Wohnung laut LBS-Analyse durchschnittlich 5.054 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden – so die Auswertung öffentlich zugänglicher Immobilien-Angebote in Hamburg im zweiten Halbjahr 2019. Für bestehende Häuser kostet demnach der Quadratmeter 4.534 Euro. Für neue Häuser wurden durchschnittlich 4.500 Euro pro Quadratmeter gefordert, der Quadratmeter Neubauwohnung wurde für 5.879 Euro angeboten.

Mit Blick auf Mieter wiederum sagt Empirica-Vorstand Reiner Braun: „Die Neuvertragsmieten werden wegen Corona nicht sinken.“

 

Kaufen oder verkaufen?

Ein sicheres Einkommen trotz Coronakrise sollte Voraussetzung dafür sein, derzeit eine Immobilie zu kaufen, empfiehlt Reiner Braun, Vorstand des Analysehauses Empirica“.
Darüber hinaus gibt Lena Soyke, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Hamburg Elbe, zu bedenken, „dass die Banken trotz der Niedrigzinspolitik mehr Sicherheiten abfragen und längere Bearbeitungszeiten haben können“.
Wenn aber die Traumimmobilie gefunden sei, müsse es schnell gehen, damit sie einem nicht von jemand anders weggeschnappt wird, so André Janke, Experte für Baufinanzierungen bei der Hamburger Sparkasse (Haspa). Er empfiehlt den „Haspa Heimvorteil“: Eine schriftliche Bestätigung, die dem Makler oder Verkäufer zeige, dass die Finanzierung geklärt sei. Zudem erläutert Lars Seidel, Geschäftsführer von Grossmann & Berger: „Da der Fokus einiger Interessenten aufgrund von akuten Themen gerade anderswo liegt, haben Kaufinteressenten gerade jetzt gute Chancen, ihr Wunschobjekt zu bekommen.“
Wer aber bereits eine Immobilie besitzt und sie verkaufen möchte, kann auch derzeit gute Preise erzielen. Lena Soyke: „Die Immobilienpreise sind konstant hoch, auch wenn sie während der Krise nicht weiter steigen werden. Aus diesem Grund ist es sowohl für Käufer, als auch für Verkäufer ein guter Zeitpunkt“ – es gebe aber keine Empfehlung in die eine oder andere Richtung.

Der Preis für Neubauwohnungen in Hamburg – hier eine Illustration für ein Projekt in Othmarschen – liegt deutlich über dem im Umland. Illustration: Engel & Völkers
Wer eine Bestandswohnung im Umland kauft, zahlt durchschnittlich bis zu 50 Prozent weniger als in Hamburg. Darauf weist Jens Grelle, Vorstandsvorsitzender der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg, hin. Foto: LBS-SHH
„Nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch in der derzeitigen Situation haben sich Immobilien als krisensicher erwiesen“, betont Lena Soyke, Geschäftsführerin von Engel & Völkers Hamburg Elbe.
Foto: Engel & Völkers
Rechnet mittelfristig aufgrund der Coronakrise mit einem Einbruch der Immobilienpreise um bis zu 25 Prozent: Reiner Braun, Vorstand des Analysehauses Empirica.
Foto: Empirica / Heidi Scherm

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