An der Asklepios Klinik Harburg kam es zu einem Corona-Ausbruch, in dessen Verlauf drei Patienten gestorben sind. Foto: andré lenthe fotografie

Drei Patienten gestorben – Asklepios und KerVita schieben
sich gegenseitig den schwarzen Peter zu

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd. Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: In der Asklepios Klinik Harburg lag Anfang April ein mit dem Corona-Virus infizierter Patient mehrere Tage auf einer normalen Station – in der Klinik wusste man nichts von dessen Infektion. So wurden vermutlich andere Patienten und Mitarbeiter angesteckt. Ergebnis: Drei Patienten sind gestorben, fünf Mitarbeiter wurden infiziert, 48 Ärzte und Pfleger in Quarantäne geschickt, zwei Stationen geschlossen. Öffentlich bekannt wurde dieser Fall nur, weil sich Klinikmitarbeiter an die Medien gewandt haben.
Wie konnte das passieren? Der Patient war am 2. April aus dem Wilhelmsburger KerVita Senioren-Zentrum Am Inselpark in einem Rettungswagen in die Harburger Klinik gebracht worden. Zuvor war er in der Senioreneinrichtung noch auf das Coronavirus getestet worden.
Beim Eintreffen in der Asklepios Klinik „war die Rettungswagenbesatzung nach unserem Wissenstand nicht über den Corona-Verdacht informiert gewesen. Im Übergabeprotokoll für unsere Klinik wäre ein Infektionsverdacht mit Sicherherheit vermerkt worden, dort steht aber nichts davon“, teilte Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz auf Anfrage mit.
Die KerVita-Gruppe weist dies scharf zurück. Bereits am 30. und 31. März sei jeweils ein Bewohner des Senioren-Zentrums Am Inselpark ins AKH verlegt worden – jeweils in voller Schutzausrüstung mit einem Rettungswagen. Bei einem Patienten sei im Krankenhaus eine Corona-Infektion festgestellt worden, beim anderen habe das positive Testergebnis noch am selben Tag vorgelegen.
Einer der Patienten sei wenig später auf Veranlassung des Krankenhauses zurück in die Wilhelmsburger Pflegeeinrichtung verlegt worden – erneut in voller Schutzausrüstung. „Dem Krankenhaus war die Infektion bewusst. Es wurden danach aber weder andere Patienten oder Mitarbeiter informiert, noch die eigenen Schutzmaßnahmen hochgefahren, auch nicht, nachdem die Bewohnerin am 4. April 2020 erneut in das Klinikum eingewiesen wurde und dort laut Arztbericht sofort isoliert wurde“, sagt Knud Riebschläger, Sprecher der Geschäftsführung der KerVita-Gruppe, „hier versucht ein großer Krankenhauskonzern, eigene Versäumnisse durch lautstarke Vorwürfe an ein Pflegeheim zu überdecken.“
Asklepios hält dagegen: „Ob vorher zwei Patienten von dort eingeliefert wurden, ist völlig unerheblich. Wenn jemand reinkommt, bekommt das nicht jede Station sofort mit, schon aus Gründen des Datenschutzes“, entgegnet Aklepios-Konzernsprecher Rune Hoffmann. „Man kann nicht sagen ‘Da war vor einer Woche schon mal einer’. Die Patienten müssen gezielt adressiert werden. Das ist nicht geschehen.“
Weitere Panne: Laut Asklepios-Konzernsprecher Hoffmann soll der positive Test des am 2. April eingelieferten Patienten dem Gesundheitsamt und KerVita bereits am Freitag, 3. April, vorgelegen haben. „Die haben uns nichts gesagt, wir wurden erst am Montag, 6. April, informiert“, so Hoffmann. Kann das sein? Aus dem Bezirksamt Mitte heißt es: „Wir konnten gar nicht im Krankenhaus Bescheid sagen, weil wir gar nicht wussten, dass der Patient dort liegt.“
Inzwischen werden im AKH alle aus Pflegeheimen eingelieferten Patienten automatisch auf Corona getestet. Die in Quarantäne geschickten Ärzte und Pfleger haben bis auf zwei ihren Dienst im AKH wieder aufgenommen.

KerVita Senioren-Zentrum Am Inselpark
Im Wilhelmsburger KerVita Senioren-Zentrum Am Inselpark waren Stand 17. April 54 Bewohner und 23 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, fünf Bewohner daran verstorben. Nichtinfizierte Bewohner wurden inzwischen aus der Einrichtung evakuiert. Aktuellere Zahlen wollten weder Betreiber KerVita, noch der Bezirk Mitte noch die Gesundheitsbehörde mitteilen.

Altenheime und Corona
Das Haus am Frankenberg ist laut Auskunft der Einrichtungsleiterin Cynthia Tews „infektionsfrei“.

Auch die Senioreneinrichtung Wohnpark Außenmühle ist laut Leiterin Silke Dreifürst von dem Corona-Virus „nicht betroffen“ .

Bei der Seniorenresidenz Am Sand wurde auf die Website verwiesen: Von zuvor 15 positiv getesteten Mitarbeitern befinden sich derzeit noch fünf in häuslicher Quarantäne; Corona-positiv sind von den vormals 56 derzeit noch 15 Bewohner, die sich in einer gesundheitlich stabilen Verfassung befinden. Mindes-tens sieben Bewohner waren an dem Virus verstorben.

Pflegen & wohnen Wilhelmsburg: Bis heute hat sich keiner der 170 Mitarbeiter angesteckt und auch alle 212 Bewohner blieben vom Virus verschont.

Pflegen & wohnen Heimfeld: 175 Mitarbeiter, keine Infektion. Von den 235 Bewohnern ist einer vom Corona-Virus betroffen. Der Mann ist in der Zwischenzeit beschwerdefrei. „Bis zum abschließenden letzten Test bleibt er natürlich in Quarantäne“, so pflegen & wohnen Sprecher Henning Schweer.

Auch die Seniorenwohnanlage Neuwiedenthal ist bis heute „infektionsfrei“. „Glücklicherweise sind unsere Häuser bis zum heutigen Tag von der Pandemie weitgehend verschont geblieben, freut sich Sprecherin Hanna Stentzler. Das sei auch dem vorbildlichen und verantwortungsvollen Verhalten der Bewohner sowie der Mitarbeitern zu verdanken, die sich alle konsequent an die situationsbedingten Abstands- und Hygieneregeln halten.

In der Seniorenresidenz Neugraben wurde unter den Bewohnern bis heute kein positiver Infektionsfall registriert. Lediglich unter den 52 Mitarbeitern wurde eine Kollegin positiv getestet. „Sie hat sich sofort in häusliche Quarantäne begeben und ist mittlerweile wieder vollständig genesen“, so Sprecherin Hanna Stenzler.

Kita und Corona
Nach wochenlanger Notbetreuung soll in Hamburger Kitas nach und nach wieder Normalität zurückkehren. Ab dem 18. Mai dürfen fünf- und sechsjährige Kinder (Übergang in die Grundschule und in die Vorschulklassen) wieder in den Kindergarten. Bei positivem Verlauf kommen ab dem 8. Juni die viereinhalb- bis fünfjährigen Kinder zurück in die Kita, ab dem 29. Juni die drei bis viereinhalbjährigen Kinder; im Juli dann Krippenkinder.

Infektionen
Die Zahl der Corona-Fälle in Hamburg steigt weiter an. Aktuell liegt sie bei 4.951 (Stand 11. Mai). Rund 4.100 früher als positiv getestete Hamburger gelten als genesen.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind bislang 204 Hamburger an dem
Virus gestorben.
Genesene Corona-Patienten können schwer am
Virus Erkrankten mit ab sofort mit einer Blutplasma-spende helfen. Infos gibt es beim Blutspendedienst Hamburg unter der Hotline Tel (040) 20 00 22 00.

Hier gibt’s Infos
Arztruf Hamburg: Tel 116 117
Diese Nummer kann jeder anrufen, der krank ist und Kontakt zu einem Arzt haben möchte

Speziell für Patienten mit Erkältungsbeschwerden und Corona-Verdacht wurden hamburgweit zehn Infektpraxen eingerichtet. Termine für die Infektpraxen werden über die Hotline S 22 802-930 vergeben. Zum Freitag, 15. Mai, werden die Infektpraxen wegen der geringen Nachfrage geschlossen.

Wichtig: Mit Husten oder Erkältungsanzeichen NICHT in eine Krankenhausambulanz gehen oder den Notruf 112 anrufen.

Allgemeine Infos über Corona: Tel 428 284 000 oder auf der Website www.hamburg. de/corona

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