Klassenlehrerin Nurcan Uslu startet die Videokonferenz. Foto: Bachteler

Von Frieder Bachteler. Alles ist anders: Keine Schülerin, kein Schüler muss morgens pünktlich in der Schule sein. Die Lehrer verbringen einen Großteil ihrer Zeit am Computer und am Telefon oder sie radeln durch den Stadtteil. Schule der Zukunft?

Die „Corona-Krise“, konkret die Gefahr, dass das Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben wird, hat auch ganz massiv Einfluss auf die Schulen genommen und die Lernsituation der Schüler wie die Arbeitssituation der Lehrerinnen und Lehrer radikal verändert. Wie geht es ihnen allen damit? Wir haben nachgefragt, bei der Schule Barlsheide, der Schule Kroonhorst und der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule.

Für die Lehrer heißt es, in kurzer Zeit differenziertes Material für einen längeren Zeitraum zur Verfügung zu stellen. Nicht alle Familien können über E-Mail erreicht werden – die Ausstattung der Schüler mit digitalen Medien ist unterschiedlich und häufig nicht ausreichend; das Arbeiten am Smartphone ist auf längere Sicht sehr anstrengend, nur wenige Schüler verfügen über einen Laptop. Für die Grundschulen stellt sich die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln in der Notbetreuung als außerordentlich schwierig dar.

Die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien ist nach Meinung der Schulleitungen gut. Neben E-Mail und (Mobil-) Telefon kommen unterschiedliche, kurzfristig angeschaffte Softwares zum Einsatz. Da viele Lehrkräfte im Homeoffice sind, verwenden sie ihre privaten digitalen Medien. Die GSSt konnte Laptops an Schüler verleihen und ist dabei, ihre digitale Ausstattung erheblich auszuweiten.

Vieles wird nicht-digital geregelt: An den Grundschulen sind feste Termine organisiert, zu denen Eltern und Kinder Arbeitsmaterial abholen und bearbeitete Arbeitsblätter zurückgeben können. Durch Zeitvorgaben für die einzelnen Jahrgänge und eine entsprechende „Streckenführung“ im Gebäude können die Abstandsregelungen eingehalten werden. Teilweise werden Materialien auch von den Lehrkräften zu Fuß oder per Rad an die Schüler verteilt.

Der Kontakt der Lehrer zu Schülern und Eltern erfolgt in unterschiedlicher Weise (telefonisch, E-Mail, Messenger, Videokonferenzen, digitales Klassenzimmer), aber regelmäßig ein bis zwei Mal pro Woche, teilweise auch täglich.

Gibt es aus Sicht der Schulleitungen auch positive Aspekte der Situation? Durchaus: Die Digitalisierung wird schneller vorangetrieben, ihre Vorteile werden erkannt und neue Apps und Organisationssysteme werden genutzt. Da viele Eltern jetzt mehr Lern-Zeit mit ihren Kindern verbringen, erleben sie sie anders und können Rückmeldungen, die sie in den Lernentwicklungsgesprächen erhalten, besser nachvollziehen. Die Schüler wiederum erfahren, wie wichtig der gemeinsame Austausch beim Lernen ist. Viele, die kurz vor dem Ersten oder dem Mittleren Schulabschluss oder dem Abitur stehen, haben sich zu digitalen Lerngruppen zusammengeschlossen oder „treffen sich“ im Rahmen von Videokonferenzen.

Es gibt viele weitere Maßnahmen, welche die Schulen ergreifen, wie ein Sorgentelefon für bedürftige Familien oder das Bemühen, trotz ausbleibender Zuschüsse der Behörde die Ausgabe eines warmen Mittagessens zu ermöglichen. Im Übrigen nehmen die Schulleitungen wahr, dass die Arbeit Ihrer Kollegen mehr Wertschätzung erfährt und dass ihren Schülern die Schule wirklich fehlt – „als Ort des gemeinsamen Lernens, Sprechens und Lachens“.

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