Zwei Brücken am Kattwyk
Die zweigleisige Bahnbrücke über die Süderelbe von Moorburg zur Insel Hohe-Schaar-Kattwyk soll Ende 2020 in Betrieb genommen werden.
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Ende dieses Jahres soll die neu gebaute Bahnbrücke Kattwyk über die Süderelbe der Hafenbahn übergeben werden. Sie kann neue dringend erforderliche Verbindungen schaffen, nicht nur für die Hafenbahn, sondern auch den Personenverkehr. Voraussetzung ist der politische Wille für besseren Schienenverkehr zwischen dem Süderelberaum und der Hamburger Innenstadt.

Kattwyk-Bahnbrücke : Die zweite Süderelbebrücke

Seit nahezu 50 Jahren verbindet  die  Kattwykbrücke Moorburg und die Wilhelmsburger Insel Hohe Schaar-Kattwyk. Auf der Straßenbrücke verläuft in der Mitte ein Gleis für die Eisenbahn  (im Bild links). Fährt eine Bahn, steht der Verkehr auf der Straße still, zusammen genommen oft mehrere Stunden am Tag. 2014 hatte der Aufsichtsrat der Hamburg Port Authority mit dem Wirtschaftssenator Horch an der Spitze beschlossen, dass daneben eine zweite Brücke entstehen soll, mit zwei Gleisen mit elektrischer Oberleitung für die Bahn sowie einem Rad- und Fußweg. Der Bau, der rund 1/4 Milliarde Euro kostet, wird voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, die Straßenbrücke soll anschließend modernisiert und in ihrer Kapazität erhöht werden.

Beide Brücken sind Hubbrücken: Der mittlere Teil zwischen den Pylonen wird in der Regel alle zwei Stunden für 15-20 Minuten für den Schiffsverkehr auf der Süderelbe angehoben.

Damit gibt es künftig neben der Süderelbebrücke zwischen Harburg und Wilhelmsburg eine zweite Bahnbrücke über die Süderelbe zwischen Moorburg und der Hohen Schaar.

Potenzial für den Personenverkehr

Das Potenzial dieser Brücke geht über den Nutzen für die Hafenbahn hinaus.

Die Gleise gehören zur Hafenbahn. Die Kapazitäten könnten aber auch vom Personenverkehr genutzt werden, wie ja auch die Hafenbahn die Gleise der Deutschen Bahn z.B. auf der Nord-Süd-Strecke in Wilhelmsburg nutzt. Aktuell schlagen auch der Verkehrsplaner Frank Wiesner und der Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi in ihrem langfristig angelegten Konzept eines neuen Bahn-Elbtunnels zwischen Waltershof und Altona die S-Bahn-Nutzung von freien Kapazitäten auf Gleisanlagen der Hafenbahn vor (Hamburger Abendblatt 11.4.2020).

Für die Hafenverwaltung HPA als Betreiber der Hafenbahn wäre die Nutzung von freien Kapazitäten durch eine S-Bahn durchaus von Nutzen, weil damit Einnahmen generiert  und so die Kosten für den laufenden Betrieb und Baumaßnahmen reduziert werden.

Bypass über die Kattwykbrücke für die S3/S31 über Harburg

Die S3/31 ist übervoll, nur mit Gedränge kommt man auf den Bahnhöfen der Elbinsel Wilhelmsburg/ Veddel in die Bahnen aus Buxtehude und Stade. Gefährlich ist auch das Gedränge am Hauptbahnhof in die Züge nach Buxtehude und Stade.

gelb-schwarz: Bypass über die Süderelbebrücke bei Kattwyk, (cc) Einträge, Ergänzungen: Rothschuh auf Wikipedia-Datei

Die „Bypass“-Züge aus Buxtehude kommen mit Oberleitung (S3) oder mit Diesel/Wasserstoff (RE5 Cuxhaven-Hamburg sowie RB33 Bremervörde-Buxtehude, verlängerbar nach Hamburg) nach Neugraben, bleiben dann auf den Oberleitungsstrecken parallel zur S3/31 und biegen bei Bostelbek auf die Hafenbahn-Gleise ab. Diese führen über die Kattwyk-Brücke und parallel zur Kornweide an die Süd-Nord-Strecke der DB. Dort bleiben sie ebenfalls auf den Oberleitungsstrecken parallel zur S3/31 und kommen am Hauptbahnhof in der Halle an den Gleisen 8-14 an.

Züge ohne Zwischenhalt zwischen Neugraben und Hamburg Hauptbahnhof können eine große Entlastung für die S3/31 bieten und sind sehr attraktiv für Pendler*innen, die vom Auto auf die Bahn umsteigen wollen.

Sofort mit Direktzügen starten

Ohne aufwändige Vorbereitungen kann man nach Fertigstellung der Kattwyk-Brücke mit dem Personenzug-Betrieb, z.B. im 1-Stunden-Takt, anfangen.

Möglichkeiten wären anfangs u.a.

  • Die RB33 von Bremervörde fährt über Buxtehude hinaus, hält in Neu-Wulmstorf, Fischbek und Neugraben und fährt dann direkt zum Hauptbahnhof
  • Einzelne Züge der S3 aus Stade-Buxtehude fahren statt über Harburg auf die Bypass–Strecke und kommen am Hbf. Gleis8-14 an.
  • Die RE5 hält am Umsteigebahnhof Neugraben und fährt statt über Harburg über die Kattwykbrücke zum Hauptbahnhof. Eingespart wird dann das Zeit, Geld und Gleis-Kapazität kostende Wendemanöver in Harburg.

Außerdem kann im durchaus nicht seltenen Störungsfall des Harburger Tunnels oder der Harburger Süderelbebrücken die Strecke als Redundanztrasse genutzt werden.

Mit einigen neuen Weichen ist im Störungsfall auch südlich des Bahnhofs Wilhelmsburg die Einfädelung in die S-Bahn-Trasse möglich.

und später?

Im Zuge der Stadtentwicklung in Harburg, Moorburg, dem südlichen Wilhelmsburg und hoffentlich bald auch der Hohen Schaar sowie im Zusammenhang mit der Verkehrswende wird es zusätzliche Stationen und Linienverbindungen geben.

Ein Netzplan im Hamburger Süden kann so aussehen:

S-Bahn-Netz 2030
Mögliches Netz 2030/2040, (cc) Rothschuh auf Wikipedia-Datei

 

 

 

 

 

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Danke für diese Darstellung.

    Ich suche noch nach einer Darstellung des Zuwegs (nördlich und südlich) zu dem an der neuen Brücke angehängten Fußweg. Ich habe die Befürchtung, daß der Weg über das Wasser zwar schön ist, als Preis dafür aber zusätzliche Treppen und auf und ab mit dem Fahrrad zu bewältigen sind, sodaß die Passierbarkeit unterm Strich schlechter wird. Durch das festgelegte Höhenniveau der Gleise muß es ja für den Fußverkehr irgendwie drüber oder drunter gehen. Die Straßenüberführung zur Hohen Schaar bietet soweit ich sehe seitlich soweit ich sehe keinen Platz für Fuß- und Radverkehr, sodaß ein Treppenzugang von dort möglich wäre (der gleichfalls einen kaum zumutbaren zusätzlichen Höhenunterschied bedingen würde).
    Angesichts der maximal aufwändigen Führung des Autoverkehrs zur Entflechtung bleibt wenig Platz für FußgängerInnen und RadfahrerInnen. Es wäre ein Witz, wenn als Ergebnis der Baumaßnahmen nun eine zusätzliche Ampelquerung eingeführt würde. Die Überwindung der Bahngleise bleibt auch dann als Aufgabe.

    Sie beschreiben die Nutzung als Entlastungsstrecke für Personenzüge. Ist auf Höhe des Moorburger Elbdeichs ein Bedarfshaltepunkt für diese Nutzung eingeplant?

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