Der Verein „Veddel aktiv“ betreibt die Stadtteilbücherei mit großem Erfolg. Foto: pr
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Kündigung zum 31. Juli – Schule benötigt die Räume selbst

Olaf Zimmermann, Veddel.
Die Stadtteilbücherei auf der Veddel steht vor dem Aus. Bis zum 31. Juli müssen die Räume in der Slomanstraße geräumt werden. Die Fläche wird von der Schule auf der Veddel benötigt. „Seit dem Wochenende 18./19. April liegt uns die schriftliche Aufforderung der Schulbehörde vor“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins „Veddel aktiv“, der die Stadtteilbücherei hier seit zehn Jahren betreibt. „Damit bricht uns ein Herz- und Kernstück unserer Arbeit weg. Wir haben keine Chance, mit der Schulbehörde in einen Streit zu gehen. Es wäre ein Kampf von David gegen Goliath.“ Die Kommunalpolitik zeigt sich überrascht.
„Die sehr kurzfristige Kündigung durch die Schulbehörde ist ein Unding“, sagt Lennart Grenda, Vorsitzender der SPD Veddel. „Eine Schließung muss unbedingt verhindert werden“, fordert der Bezirksabgeordnete Fred Rebensdorf (SPD).
Nachfrage bei der Schulbehörde: Warum genau wurden der Stadtteilschule Veddel die Räume gekündigt? Wurde der Verein „Veddel aktiv“ rechtzeitig auf diese Möglichkeit hingewiesen? Die Antwort von Schulbehörden-Sprecher Michael Reichmann fällt knapp aus: „Die Kündigung geht von der Schule aus, deswegen ist die Schule der richtige Ansprechpartner. Grundsätzlich gehen aber schulische Raumbedarfe vor allen anderen Nutzungen.“

Einen Tag später meldet sich der Schulbehörden-Sprecher erneut: Nicht die Schule, sondern die Behörde habe die Räume gekündigt. Der Schule Auf der Veddel, zu der der Standort am Slomanstieg gehört, fehlen Räume. Durch die Sperrung der Kunsträume aus Gründen des Brandschutzes hat sich der Raumbedarf noch erhöht. Davon, dass die Schule die Räume der Stadtteilbücherei benötigt „hat die Schulleitung die Geschäftsführerin von Veddel aktiv e.V. im Herbst 2019 persönlich informiert“, so Behördensprecher Reichmann.

Hintergrund: Zu der Zeit als die Räume kostenfrei überlassen wurden, war die Schule auf der Veddel in der Sekundarstufe noch einzügig und ohne Ganztag organisiert. Mittlerweile haben sich die Schülerzahlen erhöht, so dass die Schule durchgehend zwei- bis dreizügig und ganztägig organisiert ist. Reichmann: „Heute können die räumlichen Anforderungen, die sich aus dem ganztägigen Lernen einer Stadtteilschule ergeben, nicht erfüllt werden.“

Was nun? „Wir möchten mit einem viel gelobten Projektstandort nicht sang- und klanglos untergehen“, teilt „Veddel aktiv“ mit. „Wir brauchen auf der Veddel perspektivisch einen zentralen, kinder- und familiengerechten Standort für die Bücherei, an dem wir diese wertvolle Arbeit fortsetzen können.“ Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland verbreitet Zuversicht: „Ich bin sicher, dass hier das Bezirksamt mit den verschiedenen Fachämtern gemeinsam mit der Kommunalpolitik eine Lösung anbieten können wird.“

Stadtteilbücherei
Seit 2009 leitet der Verein „Veddel aktiv“ in mietfreien Schulräumen in der Slomanstraße 10 die Stadtteilbücherei Veddel, geöffnet an drei Tagen in der Woche bis in die Abendstunden. Die 2.500 Medien sind auf dem neuesten Stand. Die Bücherei hat sich zu einem beliebten Treffpunkt aller Bewohner der Veddel – unabhängig von deren Nationalität – entwickelt. Dort gibt es Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien, Kita-Gruppen, abwechslungsreiche Ferienprogramme und Autorenlesungen.

1 KOMMENTAR

  1. Und es wäre so wichtig der Standort bleibt. Viele Schüler nutzen die Bücherei auch in Schulpausen. Es wäre so unendlich traurig wenn die Nähe verloren geht.

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