Das E.T. Logo. Foto: e.t. (film) / Steven spielberg/Wikipedia
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Mit Manni Kaltz bei E.T.

Heute mal eine kleine Geschichte aus der Welt des Fußballs: Seit über 30 Jahren bin ich nämlich auf rätselhafte Weise mit dem Hamburger SV verbunden, obwohl ich nie Fan war.
Mit Wolfgang Rolff fing alles an. Anfang der Achtziger war das. Ich war zehn, als der damalige Nationalspieler zwei Häuser weiter einzog und mein Nachbar wurde. Von nun an lag ich oft stundenlang auf der Lauer und wartete, dass Rolff vom Training nach Hause kommen sollte.
Einmal traute ich mich sogar und klingelte, um nach einem Autogramm zu fragen. Rolff öffnete die Tür. Er wusste, warum ich gekommen war. Die handsignierten Karten mit seiner Unterschrift lagen griffbereit auf einem Tisch im Eingangsflur. Als er sie mir überreichte, klopfte er mir auf die Schulter. Ich war so ehrfürchtig, dass ich nicht mal ein „Danke“ herausbrachte. Dann lief ich schnell weg. Ein Bundesligaspieler war damals wie Gott für mich.
Auch meine zufälligen Begegnungen mit Spielern des HSV sollten nun regelmäßiger werden: Thomas von Heesen traf ich an der Tankstelle, Daniel van Buyten auf der Hamburger Reeperbahn, Manfred Kaltz saß bei „E.T. – der Außerirdische“ im Kino eine Reihe hinter mir. Felix Magath lag mit seiner Familie zweimal im Freibad keine fünf Meter entfernt – karierte Badehose, die Hornbrille nahm er auch im Wasser nicht ab. Und Uwe Seeler stand plötzlich in der Toilette eines Restaurants neben mir, wo er mir einen versauten Witz erzählte, den ich nicht verstand – und an den ich mich heute leider nicht mehr erinnern kann. Uns-Uwe lachte als einziger.
Ich möchte Sie nicht langweilen, aber Ende der 90er lief mir dann die gesamte Mannschaft beim Joggen im Wald über den Weg. Mit Tobias Homp spielte ich drei Jahre in einer Mannschaft.
Und auch Ditmar Jakobs hielt eines Tages mit seinem Auto neben mir an einer Ampel. Als es grün wurde, gab ich ordentlich Gas und ließ ihn locker hinter mir. Gewonnen, dachte ich. 200 Meter weiter blitzte es. Da hatte ich drei Punkte mehr und den Führerschein einen Monat weniger.

Oliver Lück ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:
Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)
Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)
❱❱ www.lueckundlocke.de

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