Auch Marias Ballroom im Phoenix-Viertel kämpft ums Überleben. Foto: andre lenthe

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd. Ob Fischhalle, Marias Ballroom oder Kulturcafé Komm du – überall das gleiche Bild: Keine Veranstaltungen, keine Einnahmen. Wochenlang. Heiko Langanke, Harburger Kulturausschuss-Vorsitzender, beschreibt die Lage.

„Die Kulturszene Harburgs ist durch die Pandemie-Einschränkungen im Mark getroffen. Zwar hat der Kultursenator vorbildlich mit Soforthilfen für viele Kulturbereiche – auch Stadtteilkulturzentren und institutionell geförderte Orten wie in Neugraben oder der Kulturwerkstatt – agiert.
Aber Harburgs Kulturlandschaft basiert zu einem wesentlichen Teil auf privatem Engagement, was jetzt doppelt hart getroffen ist. Clubs wie Stellwerk, Fischhalle, Komm du, Marias Ballroom oder auch der Speicher am Kaufhauskanal boten Kultur an, weil es ihnen das wert war. Finanziert haben sie es durch Vermietungen oder Quersubventionen aus der
Gastronomie. Solche Kulturangebote laufen bei der Verwaltung oft unterm Radar durch. Die hat niemand auf dem Schirm und deren Existenzen sind essentiell getroffen.
Noch schlimmer trifft es die Künstler, die auf kleiner Gagen- oder Honorarbasis auftreten. Den Wegfall selbst dieser kleinen, oft auf Handschlag basierenden Auftritte oder auch Kurse und über einen längeren Zeitraum werden viele nicht kompensieren können.
Dazu machte anfangs eine Meldung im Bezirk die Runde, dass Mittel nur für die beantragten Zwecke verwandt werden dürften. Dabei liegt es rein rechtlich nicht im Verschulden eines Künstlers, wenn Kurse oder Auftritte aufgrund von Kontaktsperren untersagt werden. Ich hoffe, hier wurde nun nachgebessert. Es wird eine besondere Kraftanstrengung werden, Harburg kulturell auf einem geringen Niveau noch halten zu können.
Ich war schon Anfang des Jahres mit dem Kultursenator im Gespräch und wir haben die unterdurchschnittliche Finanzierung Harburgs ausführlich besprochen. Wir wollen für Harburg da keine Extra-Wurst, aber gerade so eine Krise verdeutlicht, dass ein eh schwach geförderter Bezirk keine weiteren Ausnahmen verkraftet.
Ich hoffe, wir können hier unseren Austausch in Kürze weiterführen und sehen, was wir retten können oder neu aufbauen müssen. Ein Lichtblick könnte sein, dass die Kulturszene unter sich außergewöhnlich gut vernetzt ist. Auf die Kräfte zur Selbsthilfe könnte man bauen. So sie noch vorhanden sein werden.“

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