Beim Einkaufen: Christiane Handke-Schuller zieht den Kopf ein und die Maske hoch. Foto: ch
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Kolumne: Wie unsere Autorin Christiane Handke-Schuller alleine im Baskenland ausharrt – Teil drei

Christiane Handke-Schuller, Saint-Pee-sur-Nivelle

 

So ist die Die Lage: Mein Mann und meine Familie sind in Deutschland. Ich allein in einem alten Haus auf dem Land im äußersten Südwesten Frankreichs. Die Grenzen sind dicht. Meine Lieben können nicht zu mir. Als deutsche Staatsbürgerin könnte ich nach Hause, nach Hamburg fahren. Ich, über 60, habe auf meine Hausärztin gehört, die mir riet hier zu bleiben.

Wer sich fragt, wo das deutsche Mehl abgeblieben ist: Es wird während der Ausgangssperre in den französischen Haushalten zu Baguette verbacken

Die Autorin

Im Supermarkt macht man sich überall über die Deutschen und ihr Klopapier-Hamstern lustig … die Franzosen sind nicht anders! Das erste, was weg war, als die Ausgangssperre kam: Klopapier. Dann gingen Nudeln, Hundenahrung und abgepacktes Brot aus. Wer sich übrigens fragt, wo das deutsche Mehl abgeblieben ist: Es wird während der Ausgangssperre in den französischen Haushalten zu Baguette verbacken.

Die Franzosen kauften in der Woche, als sie von der kommenden Ausgangssperre erfuhren, 165 Prozent mehr Mehl als sonst. In der Woche, die darauf folgte, knapp 230 Prozent mehr, dann 160 Prozent, 131, und zwei Wochen hintereinander 150 Prozent mehr als üblich. Aber nur der kleinste Teil des Mehls in den Regalen kommt aus Frankreich. Mehr als die Hälfte wird importiert – unter anderem aus Deutschland!

Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt – die meisten Regale im Supermarkt sind wieder voll. Die Senioren dürfen bei uns im lokalen Supermarkt Intermarché immer zuerst zulangen: Zwischen 9 und 11 Uhr ist Zugang nur für Über-70-Jährige. Das erste Mal seit Langem, dass ich gerne ein paar Jahre älter gewesen wäre… Im Internet und auf Plakaten wird neuerdings dazu aufgerufen, verstärkt frische Produkte französischer Bauern zu kaufen: Salat, Spargel, Erdbeeren und Lammfleisch. Da lässt man sich doch nicht lange bitten. Ich lebe wie Gott in Frankreich, das muss ich zugeben. Allerdings: Etwas eingeschüchtert bin ich schon, nachdem ich mitgekriegt habe, wie die Landbevölkerung auf die Pariser eindrischt. Die Pariser haben nämlich, als die Ausgangssperre drohte, zu Hunderttausenden ihre Stadt verlassen. Jeder, der die Möglichkeit dazu hatte, verkroch sich in das Land- oder Strandhaus, egal ob in das eigene oder in das von Freunden und Verwandten. Auf diese Weise gelangte das Virus erst in die Normandie und in die Bretagne, von wo aus es langsam nach Süden in unsere Richtung wandert. Die Menschen hier mögen die Pariser ohnehin nicht besonders, jetzt aber sind sie komplett unten durch. Und ich? Ich bin doch noch ausländischer als die Pariser! Ich ziehe den Kopf ein und die Maske hoch und sage im Supermarkt möglichst gar nichts außer „Merci“. Zum ersten Mal ahne ich, wie unangenehm es sich anfühlen kann Ausländer, Außenseiter zu sein.

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