Kaum ein Meter Platz: An dieser Stelle (Billroth-/Virchowstraße) sollte Sonja Tesch, Vorsitzende von Fuß e. V., besser niemandem ausweichen müssen. Foto: cvs

Bürgersteige in der Coronakrise zu schmal: Ausweichen mit Abstand ist fast unmöglich

Christopher von Savigny, Hamburg-West

 

Abstand halten: So lautet in Coronazeiten die offizielle Vorgabe – nicht nur in diesen Wochen, sondern wohl auch für die nächsten Monate. Mindestens eineinhalb Meter soll man gemäß behördlicher Vorschrift zu seinen Mitmenschen auf Distanz bleiben. Doch vielerorts sei das gar nicht möglich, beklagt Sonja Tesch, Vorsitzende von Fuß e. V. Hamburg, einem 1985 gegründeten, bundesweiten Verein, der sich für die Rechte von Fußgängern einsetzt. „Die Bürgersteige hier in Altona-Altstadt sind zum Teil so schmal, dass man auch ohne Kontaktverbot kaum aneinander vorbeikommt“, sagt sie. Das gilt für viele Wege im Hamburger Westen.

Stellen Sie sich mal vor, es kommt Ihnen ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen
entgegen – was für Möglichkeiten hat man da noch?

Sonja Tesch, Fuß e.V.

Halb auf dem Gehweg geparkte Autos würden die Sache nochmal deutlich verschlimmern. „Stellen Sie sich mal vor, es kommt Ihnen ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen entgegen – was für Möglichkeiten hat man da noch?“

Sonja Tesch hat eine E-Mail an den Hamburger Senat verfasst, in dem sie eine temporäre Aufhebung des erlaubten Gehwegparkens an besonders heiklen Stellen (das heißt unter 2,50 Meter Fußwegbreite) fordert. Zudem sollten Fußgänger die Straße im Zweifelsfall mitbenutzen dürfen. Die Vereinsvorsitzende, die auch im Stadtteil wohnt, wünscht sich generell weniger Autos. „Eine Stadt wird durch den nicht-motorisierten Verkehr erst lebendig“, sagt sie.

Passenderweise hat sich auch die Politik bereits mit dem Thema beschäftigt: Der Altonaer Hauptausschuss, der zurzeit stellvertretend für die Bezirksversammlung tagt, forderte in der vergangenen Woche, die wichtigsten Brennpunkte zu entschärfen und gegebenenfalls Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. „Auf den Wochenmärkten hat es ja auch geklappt, dass man die Stände weiter voneinander entfernt platziert hat“, sagt Holger Sülberg (Grüne Altona), dessen Partei den Antrag gemeinsam mit der CDU eingebracht hatte.
Ebenfalls vergangene Woche gab es einen ähnlichen Vorstoß der Linke-Fraktion in der Bürgerschaft, die sich für mehr Platz für Fußgänger und spielende Kinder auf Hamburgs Straßen einsetzte.

Laut Polizei Hamburg wurden in der Hansestadt seit Montag, 6. April, rund 5.000 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, wobei es in den meisten Fällen um das Kontaktverbot gegangen sei. „Bei einem Verstoß gegen den Mindestabstand bei Fußgängern gehen die Polizeibeamten grundsätzlich mit Augenmaß vor“, sagt Sprecherin Evi Theodoridou.

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