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Zwangspause auch für das Kulturzentrum Rieckhof – ein Interview mit Rieckhof-Chef Jörn Hansen

Von Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Die Corona-Pandemie hat das kulturelle Leben im Hamburger Süden komplett lahmgelegt. Wie verkraftet ein Kultur- und Veranstaltungszentrum wie der Rieckhof die monatelange Zwangspause? Im Wochenblatt-Interview nimmt Rieckhof-Chef Jörn Hansen Stellung.

Was macht ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum wie der Rieckhof, wenn wochenlang keine Veranstaltungen durchgeführt werden können? Wir arbeiten alle in der Hauptsache daran, die Veranstaltungen der kommenden Monate zu planen. Die Planungen reichen schon bis Ende 2021. Wir nutzen die Zeit auch für kleinere Reparaturarbeiten, und die Hausmeisterabteilung der Elbe Werkstätten ist mit Pinsel und Farbe unterwegs.
Darüberhinaus sind wir in Kontakt mit den Besuchern, die Karten für ausgefallene Veranstaltungen gekauft haben. Alle Besucher haben echt viel Verständnis – das tut gut.

Gerät der Rieckhof wegen der fehlenden Einnahmen jetzt in finanzielle Schwierigkeiten? Wieviel Geld fehlt in der Kasse? Wieviel Geld genau fehlt, ist noch nicht abzusehen. Da die Gastronomie unseres Pächters Elbe Werkstätten große Einnahmeausfalle hat, wird die teils umsatzabhängige Pachtzahlung am Ende des Jahres erheblich geringer ausfallen. Der Mietausfall durch ausgefallene Gastnutzer im Saal und den Gruppenräumen ist auf unserer Seite beonders schmerzlich. Unterm Strich geht es da wohl geschätzt um einige 10.000 Euro.

Wie lange kann der Rieckhof unter den jetzigen Bedingungen durchhalten? Da wir Zuwendungen von der Stadt erhalten, gehe ich davon aus, dass wir die Corona-Krise überstehen werden. Die Miete für die stadteigene Rieckhof-Immobilie belastet unseren eigenen Haushalt nicht – die wird in der Finanzbehörde von Anfang an immer gleich intern umgebucht. Der Senat hat die Tage verfügt, dass alle Zuwendungsempfänger wie wir die Zuwendungen ungekürzt weiter erhalten werden! Das ist eine ganz wunderbare Meldung!

Kann der Rieckhof von einem Soforthilfeprogramm des Bundes oder der Stadt Zuschüsse bekommen? Auf Nachfrage hat Finanzsenator Dressel der „Arbeitsgemeinschaft der Bürgerhäuser“ mitgeteilt, dass auch die Bürgerhäuser Gelder aus dem „Hamburger Corona Soforthilfe Program“ (HCS) auf Antrag erhalten können. Diese Anträge können bis zum 31.05. 2020 gestellt werden. Jetzt akut sind wir zwar durch die laufenden Zuwendungen liquide, übers Jahr betrachtet wird sich die Lücke jedoch deutlich bemerkbar machen. Den Antrag werden wir die Tage stellen.

Haben Sie für die Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt oder wird weiterhin 40 Stunden pro Woche gearbeitet? Im Rieckhof gilt der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes – in unserem Fall heißt der TV-AVH ( = Tarifvertrag der Arbeitsrechtlichen Vereinigung Hamburg). In diesem Tarifvertrag ist Kurzarbeit nicht vorgesehen. Das ist für den Fortbestand des Rieckhofs ebenfalls ein sehr glücklicher Umstand. Wir sind alle mit voller Stundenzahl meist im Homeoffice – wenn wir nicht grad unter Wahrung der Abstandsregeln das Haus auf Vordermann bringen.

Rechnen Sie damit, vor der Sommerpause wieder zu öffnen? Die Zeit bis zur Sommerpause wird knapp. Wie sich Entscheidungen des Bundes und der Stadt auf ein Kulturzentrum wie den Rieckhof auswirken werden, ist völlig öffen. Ich kann mir vorstellen, dass kleinere Treffen in den Gruppenräumen und vielleicht auch kleinere Veranstaltungen bald wieder möglich sein werden. Platz genug für die Einhaltung des Abstandsgebotes haben wir ja.
Ob die Gastronomie wieder öffnen darf, ist besonders unkalkulierbar. Falls die Rieckhof-Gastronomie wieder öffnen darf, wird sie keine Sommerpause machen. Dann werden wir gemeinsam überlegen, welche Form von kleineren Veranstaltungen wir wieder anbieten können. Wir fahren weiter auf Sicht … und freuen uns sehr auf unsere Besucher!

 

Arbeitet jetzt meist im Homeoffice: Rieckhof-Chef Jörn Hansen. Foto: Kreller

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